Verstehen, wie die Natur funktioniert

Frau nimmt Daten in der Natur auf
Landschaftsökologie befasst sich mit dem Schutz unserer Umwelt und Natur.
Foto: Isabella Fischer

Landschaftsökologie

Verstehen, wie die Natur funktioniert

Pia Goyke (21) studiert im vierten Semester an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde in Brandenburg Landschaftsnutzung und Naturschutz. Besonders viel Spaß im Bachelorstudium machen ihr die Exkursionen, bei denen die Studierenden echte Feldarbeit in der Natur betreiben.

„Ursprünglich wollte ich Försterin werden. Mein Onkel, der Förster in Brandenburg ist, hat mich dann auf die Hochschule für nachhaltige Entwicklung und den Studiengang aufmerksam gemacht“, berichtet Pia Goyke. „Er dachte, dass das besser zu mir passen könnte und damit hat er recht behalten.“ In ihrem Studium an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde geht es im Kern darum, zu verstehen, wie die Natur funktioniert. „Wir lernen, Prozesse in der Natur und Einflüsse auf die Landschaft zu analysieren und zu bewerten. Dabei arbeiten wir oft praxisorientiert im Gelände und erfahren dadurch die Methoden, die man für die Arbeit braucht, nicht nur als graue Theorie im Vorlesungssaal“, erklärt Pia Goyke.

Tier- und Pflanzenarten bestimmen

Portrait Pia Goyke

Pia Goyke

Foto: privat

Das Studium ist interdisziplinär aufgebaut und reicht von Fächern wie Bodenkunde über Hydrologie, Geologie und Botanik bis hin zu Landschaftsplanung und Umweltprüfverfahren. „Ich interessiere mich am meisten für Sachverhalte, bei denen es um das Zusammenspiel von verschiedenen Umweltfaktoren geht – also wie sich zum Beispiel die Qualität des Bodens und der Wasserhaushalt auf die Vegetation auswirken.

Es geht aber auch um rechtliche Aspekte aus der Bauplanung oder aus dem Umweltrecht. Besonders viel Spaß macht mir das ‚Learning-by-Doing‘.“ So zum Beispiel im Fach Spezielle Artenkenntnis, das sie aktuell im vierten Semester belegt hat und in welchem die Studierenden üben, Tier- und Pflanzenarten zu bestimmen. „Dabei ist mir aufgefallen, dass ich unheimlich gerne Gräser bestimme, auch wenn das vielleicht ein bisschen verrückt klingt. Außerdem haben mir die wöchentlichen Freitagsexkursionen im zweiten Semester sehr viel Spaß gemacht, wobei ich viel Neues erfahren habe“, berichtet die Studentin. „Das größte Highlight war für mich die Wochenexkursion am Ende des zweiten Semesters in der Hohen Tatra in der Slowakei. Die Wanderungen, die wir dort gemacht haben, waren zwar teilweise sehr anstrengend, aber es war wirklich toll, einen komplett anderen Landschaftsraum kennenzulernen.“

Arbeiten in der Natur

Das Studium enthält zahlreiche Praxisteile. So beispielsweise das Modul Kulturlandschaften, das Pia Goyke ebenfalls im zweiten Semester belegt hat. „Da musste ich in der Gruppe eine Belegarbeit anfertigen, in welcher wir die kulturelle Entwicklung eines Landschaftsraumes analysiert haben.“ Im dritten Semester stand außerdem ein 14-wöchiges Praktikum auf dem Plan. „Ich habe dieses in einem Landschaftsplanungsbüro in Berlin absolviert und viele spannende Eindrücke gewonnen, da die Landschaftsplanung in einer Metropole wie Berlin eine große Herausforderung ist.“

Nach dem Bachelor möchte Pia Goyke noch einen Master machen. „Wo genau, weiß ich noch nicht, aber wahrscheinlich nicht in Eberswalde.“ Später würde sie gerne in einem Landschaftsbüro arbeiten und Biotope kartieren. „Ich bin einfach gerne draußen in der Natur und beschäftige mich mit ihr. Aber auch eine Stelle in der Öffentlichkeitsarbeit fände ich spannend.“ Anfang des Jahres haben sie und ihre Kommilitonen im Rahmen einer Exkursion die Pressestelle des Umweltbundesamtes (BMU) besucht. „Das fand ich auch sehr interessant, weil das die Schnittstelle zwischen Politik und Naturschutz ist und ich mich auch sehr für politische Themen interessiere.“

 

Weitere Informationen

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du dich über das Studieren im Ausland informieren und im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwort: Landschaftsökologie).

studienwahl.de

Hochschulkompass

Das Hochschul- und Studiengangsinformationssystem der Hochschulrektorenkonferenz bietet Informationen über deutsche Hochschulen und internationale Kooperationen.
www.hochschulkompass.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.500 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Ingenieur/in – Landschaftsökologie/Naturschutz).
berufenet.arbeitsagentur.de

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung (Kachel: Landwirtschaft, Natur und Umwelt).
berufsfeld-info.de/abi

Johann Heinrich von Thünen-Institut

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Thünen-Instituts in Braunschweig forschen zu Konzepten einer nachhaltigen, ökologisch verträglichen und wettbewerbsfähigen Land- und Ernährungswirtschaft, Forst- und Holzwirtschaft sowie Seefischerei und Aquakultur.
www.thuenen.de

Umweltbundesamt (UBA)

Das Umweltbundesamt ist Deutschlands zentrale Umweltbehörde und hat die Aufgabe, die Bundesregierung in Sachen Umweltschutz zu beraten.
www.umweltbundesamt.de

VDL-Berufsverband Agrar, Ernährung, Umwelt e.V.

Der VDL setzt sich für die beruflichen Interessen derjenigen ein, die ein Studium in Agrarwissenschaften, Ernährungs- und Haushaltswissenschaften, Ökotrophologie, Landespflege, Umweltschutz oder ähnlichen Disziplinen absolviert haben.
www.vdl.de

Bundesverband Beruflicher Naturschutz e.V.

Der BBN setzt sich für eine Förderung der Landschaftspflege und des Naturschutzes auf nationaler und auf EU-Ebene ein und engagiert sich für fach- und berufspolitische Aspekte.
www.bbn-online.de

Verein für Naturschutz und Landschaftsökologie e.V.

Der NaLa wurde von ehemaligen Studierenden der Studienrichtung „Naturschutz und Landschaftsökologie“ an der Uni Bonn gegründet und hat sich den Natur-, Umwelt- und Landschaftsschutz zur Aufgabe gemacht.
www.nala-ev.de

 

Landschaftsökologie – Interview

Das Artensterben aufhalten

Dr. Jan Thiele ist Leiter der Arbeitsgruppe Landschaftsökologische Modellierung beim Thünen-Institut für Biodiversität in Braunschweig. Mit abi» sprach er über die Studien- und Berufsmöglichkeiten im Bereich Landschaftsökologie und Naturschutz.

abi»: Welche Bedeutung haben Landschaftsökologie und Naturschutz für das Zusammenleben von Mensch und Natur – gerade in der heutigen Zeit?

Dr. Jan Thiele: Das Artensterben aufgrund von menschengemachten Veränderungen der Umwelt bedroht nicht nur die Natur, sondern hat auch verheerende Folgen für den Menschen. Landschaftsökologen versuchen, diese Aussterbewelle aufzuhalten und kümmern sich beispielsweise um den Schutz von Arten und Lebensräumen sowie um nachhaltiges Landmanagement.

abi»: Was sollte ich studieren, wenn ich als Landschaftsökologe arbeiten will?

Dr. Jan Thiele: Da kommen zum einen Bachelor- und Masterstudiengänge in Landschaftsökologie infrage, wie sie zum Beispiel an den Universitäten Münster, Oldenburg und Greifswald angeboten werden. Bei entsprechender Schwerpunktsetzung führen auch Studiengänge wie Naturschutz und Landschaftsplanung oder Geoökologie und Umweltnaturwissenschaften in das Berufsfeld.

abi»: Welche Fähigkeiten und Interessen sollte man für diese Studiengänge mitbringen?

Portrait Jan Thiele

Dr. Jan Thiele

Foto: Thünen-Institut

Dr. Jan Thiele: Man sollte in der Schule einige naturwissenschaftliche Kurse absolviert haben und über gutes schulisches Grundwissen in Biologie und möglichst auch Chemie verfügen, da naturwissenschaftliche Grundlagen einen erheblichen Teil des Bachelorstudiums einnehmen. Interesse für Physische Geographie sollte ebenfalls vorhanden sein, da in den Studiengängen Grundlagen in den Bereichen Boden, Landschaftsformen, Wasser und Klimatologie erlernt werden müssen. Auch ein Interesse für Pflanzen- und Tierarten gehört dazu, da sich Landschaftsökologie häufig mit Lebensgemeinschaften von Arten und Artenreichtum bzw. Biodiversität befasst.

abi»: Was unterscheidet die Landschaftsökologie von verwandten Disziplinen wie Geoökologie oder Landschaftsarchitektur?

Dr. Jan Thiele: Im Vergleich zur Landschaftsökologie sind Geoökologie-Studiengänge in der Regel stärker auf abiotische Prozesse, also zum Beispiel Erosion, Stofftransport in Gewässern etc. ausgerichtet. Dagegen fokussiert sich die Landschaftsökologie stärker auf die Kenntnis der Arten und ihrer Lebensgemeinschaften. Landschaftsarchitektur nimmt die Planung von Objekten wie Wohn- und Parkanlagen in den Fokus und behandelt die naturwissenschaftlichen und ökologischen Grundlagen nicht ganz so tief wie Landschafts- und Geoökologie. Landschaftsplanung liegt von den Inhalten her zwischen Landschaftsarchitektur und Landschaftsökologie. Dabei ist Landschaftsplanung stärker auf Planungsprozesse ausgerichtet als die Landschaftsökologie. Auch spielen in der Landschaftsplanung ökologische Zusammenhänge eine stärkere Rolle als in der Landschaftsarchitektur. Welcher Studiengang der richtige ist, hängt also von den persönlichen Interessen ab.

abi»: Wo arbeiten Landschaftsökologen?

Dr. Jan Thiele: Landschaftsökologen arbeiten zum Beispiel als freischaffende Kartierer oder Gutachter oder sind bei Landschaftsplanungsbüros, Naturschutzbehörden auf Kreis-, Bezirks- und Landesebene, Umweltverbänden, Trägern der Umweltbildung oder bei Landes- und Bundesministerien für Umwelt angestellt. Manche finden auch eine Anstellung bei großen Unternehmen mit eigener „Umweltabteilung.“ Oder sie entscheiden sich für eine wissenschaftliche Laufbahn in Richtung Professur an Universitäten und Fachhochschulen oder arbeiten als wissenschaftliche Mitarbeiter an Forschungsinstituten des Bundes.

 

Landschaftsökologe

Lebensräume für zukünftige Generationen erhalten

Mit einem Studium der Landschaftsökologie kann man vieles machen: Zum Beispiel in einer Behörde, als Wissenschaftler an der Uni oder als freiberuflicher Gutachter arbeiten. Rico Kaufmann (31) hat alles davon ausprobiert, bevor er 2017 seine heutige Stelle bei der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) in Karlsruhe antrat.

Natur und Pflanzen haben mich schon immer interessiert. Für das Studium habe ich mich entschieden, weil es mein Interesse für Biologie – speziell Botanik –, Geologie und Geografie vereint hat“, sagt Rico Kaufmann, der Landschaftsökologie und Naturschutz an der Uni Greifswald studiert hat. „Außerdem spielen auch philosophische und ethische Aspekte eine Rolle, etwa beim Fach Umweltethik. Dieser Blick über den Tellerrand hat mich angesprochen.“

Vor und während seines Studiums lernte er im Rahmen verschiedener Praktika die Arbeit in einem Gutachterbüro, einer unteren Naturschutzbehörde und einer Landesfachbehörde für Naturschutz kennen. „Ich wollte die Zeit bewusst nutzen, um herauszufinden, was ich mit meinem Studium alles machen kann.“ Eine ganze Menge, wie sich herausstellte. Unter anderem ergab sich noch während des Studiums eine freiberufliche Tätigkeit als Gutachter.

Obwohl ihm die Arbeit Freude bereitete, suchte er nach seinem Abschluss und seiner Promotion in Biologie eine Möglichkeit, mehr Einfluss auf landschaftsökologische Methoden und Naturschutz zu nehmen. „Als Gutachter habe ich in erster Linie gesetzliche Vorgaben und wissenschaftliche Methoden abgearbeitet, dabei konnte ich nicht so viel selbst gestalten.“ Auch die wissenschaftliche Arbeit im Labor im Rahmen seiner Diplom- und Doktorarbeit gefiel Rico Kaufmann, trotzdem wollte er sich nicht dauerhaft der Forschung widmen.

Wie verändern sich Biotope mit der Zeit?

Portrait Rico Kaufmann

Rico Kaufmann

Foto: Dr. Florian Theves

Nun ist er bei der LUBW für die Koordinierung der sogenannten Offenland-Biotopkartierung in Baden-Württemberg zuständig. Das heißt, dass er den Zustand der gesetzlich geschützten Biotope in diesem Bundesland feststellt. Dabei handelt es sich beispielsweise um bestimmte Gewässer, Wiesen oder Hecken. „Unser Ziel ist es, diese Lebensräume für zukünftige Generationen zu erhalten. Dazu gehört zu untersuchen, wie es hier vor 100 Jahren aussah, und wie sich der Zustand der Biotope mit der Zeit verändert. Wir stellen zum Beispiel fest, ob irgendwo Arten verschwinden.“

Schon während seiner Zeit als Freiberufler hat der Landschaftsökologe mit geografischen Informationssystemen gearbeitet und sich mit Themen wie Naturschutz- und Umweltrecht befasst. Für seinen Job musste er noch einmal viel tiefer in die Materie einsteigen. Nun beauftragt er selbst Gutachter und Kartierer, die den Zustand der Biotope untersuchen. Insgesamt arbeitet er mit rund 100 Auftragnehmern zusammen, darunter viele Landschaftsökologen und Biologen.

Naturschutz und Landwirtschaft

„Das Auswerten der Daten macht mir Spaß. Ich bin ein sehr systematischer Mensch, der gerne plant und mit Zahlen arbeitet. Außerdem finde ich es toll, dass ich meinen wissenschaftlichen Hintergrund einbringen kann. Etwa wenn ich prüfe, ob Arten zu einem Standort und der Landschaft passen, in der sie auftauchen.“ Als Experte muss er entscheiden, welche Arten bei der Kartierung berücksichtigt werden müssen und wie wichtig sie für ein Biotop sind.

Auch in Zukunft will er im Naturschutz arbeiten, am liebsten an der Schnittstelle zur Landwirtschaft. „Die Landwirtschaft hat einen großen Einfluss darauf, wie sich Arten und Lebensräume entwickeln. Das finde ich spannend.“ Auch die Arbeit im öffentlichen Dienst gefällt ihm gut. „Ich kann hier selbst Einfluss nehmen und habe viele Möglichkeiten, mich zu entfalten. Außerdem sind die Arbeitszeiten sehr flexibel und die Work-Life-Balance ist gut. Ich denke, dass das vor allem später mal wichtig ist, wenn ich Kinder habe.“ 


Diese Beiträge im abi-Portal könnten dich auch interessieren:

  • Das Artensterben aufhalten

  • Alles auf Grün

  • Lernen im „Hörsaal Wald“

  • Auf dem Weg zum Öko-Landwirt

Logo Bundesagentur f�r Arbeit
Stand: 24.08.2019