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Menschen im Alltag unterstützen

Detail: Eine Frau massiert Hände und Arme einer älteren Frau.
Entwicklungsstörungen, Demenz oder Depressionen – Ergotherapeuten behandeln Patienten mit psychischen oder physischen Einschränkungen.
Foto: Axel Jusseit

Ergotherapie

Menschen im Alltag unterstützen

Theresa Schmidt (23) studiert Ergotherapie an der Hochschule für Gesundheit in Bochum. Das Besondere am Bachelorstudiengang: Im Rahmen des Studiums erwirbt sie die staatliche Anerkennung als Ergotherapeutin. Diese wiederum ist die rechtliche Voraussetzung zur Ausübung des Berufs.

Ergotherapeuten arbeiten mit Menschen unterschiedlichen Alters, die unter verschiedenen Einschränkungen in Bewegungsabläufen, Psyche oder Wahrnehmung leiden. Die Fachkräfte zeigen Patienten nach einem Schlaganfall, wie sie wieder selbstständig essen oder sich anziehen können; sie unterstützen Menschen mit psychischen Problemen beim Wiedereinstieg in das Berufsleben oder helfen ihnen bei der Gestaltung des Alltags. Oder aber sie trainieren mit Kindern alltägliche Dinge, zum Beispiel Schreiben oder Seilspringen.

Die Bedingung zur Führung der Berufsbezeichnung „Ergotherapeut/in“ ist die staatliche Anerkennung, die man nach erfolgreichem Abschluss einer schulischen Ausbildung erhält. In der Ausbildung integriert sind 1.700 Praxisstunden – eine der Grundvoraussetzungen, um die Anerkennung zu bekommen. Seit einigen Jahren gibt es darüber hinaus die Möglichkeit, einen primärqualifizierenden Modellstudiengang zu absolvieren, der diese Anzahl an Praxisstunden einschließt. Ein solches Studium absolviert zurzeit Theresa Schmidt.

Ein Porträt-Foto von Theresa Schmidt

Theresa Schmidt

Foto: Christiane Krüger

Staatliche Anerkennung im Rahmen des Studiums

Nach einem kurzen Ausflug in die Welt der Betriebswirtschaftslehre orientierte sie sich neu und wählte eine ganz andere Richtung. „Ich wollte doch lieber mit Menschen arbeiten. Durch ein Praktikum an einer Grundschule bin ich auf die Ergotherapie aufmerksam geworden und habe schließlich ein vierwöchiges Vorpraktikum in einer Ergotherapie-Praxis absolviert“, erzählt die heute 23-Jährige. „Das Arbeiten mit verschiedenen Zielgruppen in den unterschiedlichen Settings macht die Ergotherapie für mich als Beruf besonders spannend.“

Mittlerweile studiert sie Ergotherapie im sechsten Semester. Der Bachelorstudiengang ist an der Hochschule für Gesundheit in Bochum zulassungsbeschränkt: Neben einem guten Abschlusszeugnis müssen alle Bewerber ein Gesundheitszeugnis sowie den Nachweis eines Vorpraktikums vorlegen. Rund 40 Plätze vergibt die Hochschule pro Jahr. „Ich habe mich für das Studium entschieden, weil ich in sieben Semestern gleich zwei Abschlüsse erreiche: die staatliche Anerkennung als Ergotherapeutin und den Bachelor of Science in Ergotherapie“, erläutert Theresa Schmidt. „Das Tolle an diesem Studiengang ist auch, dass neben fundiertem Wissen in Theorie und wissenschaftlichem Arbeiten auch sehr viel Praxiswissen vermittelt wird.“

Das Studium in Bochum ist primärqualifizierend: Statt parallel eine Ausbildung an einer Berufsfachschule zu absolvieren, bekommen die Studierenden die Ausbildungsinhalte in gesetzlich vorgegebenem Umfang direkt an der Hochschule vermittelt. (Welche alternativen Studienmodelle es gibt, erfährst du im Artikel „Viele Wege führen ans Ziel“.)

Praxis und Theorie perfekt kombiniert

Neben ergotherapeutischen Fachkenntnissen vermittelt das Studium Wissen aus der Medizin; beispielsweise geht es um Anatomie, Physiologie oder Krankheitsbilder. Außerdem beschäftigen sich die Studierenden mit psychologischen und pädagogischen Themen. „In praktischen Übungen haben wir darüber hinaus den Umgang mit dem Rollstuhl trainiert und verschiedene Hilfsmittel erprobt, etwa spezielles Essbesteck oder Schreibhilfen, Gesprächssituationen nachgestellt oder mit Hilfe von Videos die Interaktion zwischen Kindern und Eltern in Alltagssituationen analysiert“, erzählt Theresa Schmidt.

Im Rahmen ihres Studiums absolvierte die angehende Ergotherapeutin insgesamt fünf Praxisphasen. Im ersten Semester etwa war sie einen Tag pro Woche in einer Ergotherapie-Praxis tätig. Später kamen Blockphasen hinzu, die sich über fünf bis neun Wochen erstreckten, zum Teil in der vorlesungsfreien Zeit. Dabei lernte Theresa Schmidt spätere Einsatzbereiche kennen – von Kliniken über Ergotherapie-Praxen bis hin zu einer Grundschule. „Ich habe von Beginn an sehr viel praktisches Wissen mitbekommen, sodass ich zunehmend selbstständiger arbeiten konnte.“ In ihrer letzten Praxisphase an der Grundschule war die Zusammenarbeit von Lehrern und Ergotherapeuten mit dem Ziel, alle Kinder am Schulalltag teilhaben zu lassen, ein wichtiges Thema.

Wohin die Reise geht

Nach ihrem Bachelorabschluss möchte Theresa Schmidt Berufserfahrungen in der ambulanten Ergotherapie sammeln – „am liebsten in den Schwerpunktbereichen Pädiatrie und Gerontopsychiatrie, da mich sowohl die Arbeit mit Kindern als auch mit Menschen mit einer Demenzerkrankung besonders interessiert.“ Auch ein weiterführendes Masterstudium schließt sie nicht aus.

abi>> 25.05.2016