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Für mehr Chancengleichheit in der Welt

In einem roten Koffer befinden sich verschiedene Reiseutensilien, wie ein Reiseführer, eine Karte und ein Wörterbuch, denn das Studium ist international.
Der englischsprachige Studiengang „Gender and Diversity“ ist international ausgerichtet und beleuchtet unter anderem Ursachen von Diskriminierung.
Foto: Julien Fertl

Gender and Diversity

Für mehr Chancengleichheit in der Welt

Bei einem Freiwilligendienst nach dem Abi hatte Lotta Barabasch als junge Frau unter Männern mit Vorurteilen zu kämpfen. Mittlerweile studiert die 22-Jährige den englischsprachigen Bachelor „Gender and Diversity“ an der Hochschule Rhein-Waal und hinterfragt nun Mechanismen, die zu Diskriminierung führen – zusammen mit Studierenden aus aller Welt.

Die Welt verändern, die Gesellschaft für alle gerechter machen – das ist es, was Lotta Barabasch antreibt. „Nicht alle in meinem Studiengang sind so aktivistisch veranlagt wie ich“, erzählt die 22-Jährige lachend. Seit 2016 beschäftigt sie sich im englischsprachigen Bachelorstudiengang Gender and Diversity an der Hochschule Rhein-Waal intensiv damit, welche Rolle das Geschlecht, die Nationalität, die Religion, die Hautfarbe oder eine Behinderung in einer Gesellschaft spielen.

„Gender Studies, also die Geschlechterforschung gibt es schon lange. Die ebenfalls interdisziplinäre Diversitätsforschung ist aber eine neue Disziplin und hat viel damit zu tun, dass Gesellschaften durch die Globalisierung und durch Migrationsbewegungen immer heterogener werden“, erklärt Lotta Barabasch, die derzeit im vierten Semester ist. Am Campus im nordrhein-westfälischen Kleve stehen dafür Fächer wie Wirtschafts-, Politik-, und Kulturwissenschaften, Bildungssoziologie, Organisationpsychologie, Integration und Inklusion auf dem Stundenplan. Im sechsten und vorletzten Semester ist ein Auslands- oder Praxissemester vorgesehen.

Der Studiengang ist praxisorientiert: In einem Praxismodul im dritten Semester beschäftigte sich Lotta Barabasch etwa mit der Definition von einvernehmlichem Sex und veranstaltete an der Hochschule eine „Consent-Week“ unter dem Motto ‚Let’s talk about sex“ – eine Woche mit Diskussionsrunden, Poetry-Sessions und mehr. „Das war ein voller Erfolg, sehr viele haben sich eingebracht“, erzählt sie freudig.

Wenn man nicht aus seiner eigenen Haut kann

Ein Porträt-Foto von Lotta Barabasch.

Lotta Barabasch

Foto: privat

Die Kombination Gender and Diversity hatte Lotta Barabasch direkt angesprochen, als sie sich für ein Studium entschied. An diesem Punkt stand sie nach einem Jahr Europäischem Freiwilligendienst in England und einem Bundesfreiwilligendienst in einer Koordinationsstelle für die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe in ihrem Heimatort Duingen bei Hildesheim. „In beiden Fällen hatte ich viel Kontakt zu unterschiedlichen Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturen. Das fand ich sehr spannend“, schildert sie begeistert.

Doch die Arbeit war nicht nur eitel Sonnenschein: „Leider habe ich auch zu spüren bekommen, was es heißt, wegen seines Geschlechts und Alters diskriminiert zu werden. Dass meine Probleme mit den älteren, männlichen Verwaltungsbeamten genau damit zu tun hatten, weiß ich allerdings erst heute. Ich dachte, es liegt an mir als Person“, analysiert sie rückblickend.

Lehr- und Umgangssprache: Englisch

Sie reizte am Studium aber nicht nur das Fachliche, sondern auch die Internationalität. Wenn die Studentin ihren Campus in Kleve betritt, schaltet sie nämlich auf Englisch um: „Meine Kommilitonen kommen aus dem EU-Ausland, aus Lateinamerika, aus dem asiatischen Raum oder aus Afrika. Englische Muttersprachler sind auch dabei, sehr international – genau mein Ding“, schwärmt sie.

Lotta Barabasch belegte Englisch in der Schule als Leistungskurs und brauchte daher keinen gesonderten Sprachnachweis für die Zulassung zum Studium. Das Studieren auf Englisch klappt aus ihrer Sicht sehr gut. Jedes Semester verfasst sie ohne Probleme zwei Hausarbeiten, hält Seminar-Diskussionen und Präsentationen, alles in der Fremdsprache. Nur wenn sie mit Familie und Freunden über ihr Studium spricht, gibt es manchmal Schwierigkeiten: „Keiner weiß so richtig, was ‚Gender and Diversity‘ überhaupt bedeutet und wenn ich das näher erklären soll, fehlen mir manchmal die deutschen Begriffe.“

Auch können sie im Studium wichtige sozialwissenschaftliche Literatur, etwa aus dem Französischen, nicht behandeln, weil der Forschungsfokus des Studiengangs auf Ergebnissen aus dem US-amerikanischen oder britischen Kulturraum liege. „Auch das Themenfeld der gendergerechten Sprache wird bei uns ausgeklammert, da es das Problem mit den weiblichen und männlichen Formen im Englischen ja nicht gibt“, merkt die 22-Jährige an.

Eine Vielzahl unterschiedlicher Berufsfelder

Als Hindernis für ihre berufliche Zukunft sieht sie das aber nicht. „Ich will in Deutschland bleiben und arbeiten, zum Beispiel in der non-formalen Bildung mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen oder als Trainerin im Bereich politische Partizipation. Da werde ich mich anfangs einfinden müssen, schließlich denke ich in meinem Fachgebiet nur auf Englisch. Aber der Arbeitsmarkt in Deutschland wird ja auch immer internationaler“, sagt sie. Eines ist für Lotta Barabasch jedenfalls klar: „Mir ist es nicht wichtig, später einmal viel Geld zu verdienen, sondern, dass ich die Chance bekomme, in dieser Gesellschaft etwas zu verändern.“

abi>> 01.10.2018