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Neue Perspektiven über das Zusammenleben

Ein junger Mann befragt eine junge Frau.
Interviews zählen zur qualitativen Methodik - diesen Bereich findet Soziologie-Studentin Hannah Kesselmeyer besonders spannend.
Foto: Martin Rehm

Soziologie

Neue Perspektiven über das Zusammenleben

Philosophie, Germanistik oder doch lieber Soziologie? Hannah Kesselmeyer (23) hatte die Qual der Wahl und entschied sich letztlich für den Bachelor in Soziologie an der Universität Bielefeld – und erfährt nun mehr darüber, wie Gesellschaften ticken.

„Bei Soziologie geht es um die Frage, warum Menschen etwas tun und wie das Zusammenleben in der Gesellschaft funktioniert“ – mit dieser simplen Aussage hatte Hannah Kesselmeyers Onkel die damalige Schülerin überzeugt. „Das war, was ich schon immer machen wollte. Bereits als Kind tat ich nichts lieber, als das Verhalten anderer Menschen zu beobachten“, erzählt die 23-Jährige schmunzelnd.

Vermittlung von Praxis und Theorie

Um zum Bachelorstudiengang zugelassen zu werden, musste Hannah Kesselmeyer einen Zulassungsantrag stellen und sich mit ihrem Abiturzeugnis und einigen anderen Unterlagen einschreiben. „Zusätzlich habe ich etwa den Nachweis über mein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Seniorenheim im israelischen Haifa beigefügt.“

Porträtbild von Hannah Kesselmeyer

Hannah Kesselmeyer

Foto: privat

In den ersten Semestern wurden die 23-Jährige und ihre Kommilitonen in die Grundlagen der Soziologie eingeführt. Dabei standen die großen soziologischen Theorien genauso auf dem Lehrplan wie qualitative und quantitative Methoden. „Am besten gefällt mir die qualitative Methodik. Da gibt es zum Beispiel Interviewformen, bei denen die Forschenden einfach nur zuhören, ohne Fragen zu stellen. Man bittet die Befragten, einfach zu erzählen.“ Das erlaubt einen weitaus offeneren Zugang zu einem Forschungsthema, als dies in der quantitativen Methodik etwa mit einem festen Fragenkatalog für eine große Gruppe an Teilnehmern tut, ist aber auch entsprechend aufwendiger.

In verschiedenen Übungen und Seminaren haben die Studierenden schließlich die Möglichkeit, das Gelernte anzuwenden, Essays zu verfassen oder das richtige Zitieren zu erlernen. Nicht zu vergessen sind die sehr praxisorientierten Seminare: „In einem haben wir zum Beispiel geübt, einzelne Informationen aus großen Datensätzen mithilfe von speziellen Programmen herauszufiltern und zu bearbeiten“, erzählt die Studentin.

Fokus voll auf die Soziologie

Mittlerweile befindet sich Hannah Kesselmeyer im siebten Semester ihres Bachelorstudiengangs. Zuerst war sie für die beiden Studienfächer Soziologie und Philosophie eingeschrieben, wechselte dann aber nach einem Jahr auf den Ein-Fach-Bachelor Soziologie. „Mir gefällt vor allem die große Bandbreite des Fachs. Es gibt nichts, womit man sich in Soziologie nicht beschäftigen könnte – von Medien über Politik bis hin zu Arbeitsmarkt oder Familie.“

Auch schätzt sie die vielen unterschiedlichen Methoden, Theorien und Perspektiven, mit denen sich gesellschaftliche Phänomene betrachten lassen. „Seitdem ich Soziologie studiere, gehe ich mit einem ganz anderen Blick durchs Leben. Zum Beispiel habe ich mal mit einem Kommilitonen ein Konzert besucht. Am Ende haben wir nicht nur einfach applaudiert. Nein, wir haben den Applaus als Kommunikation und die Dynamik dahinter beobachtet und reflektiert“, beschreibt sie.

Wissensvertiefung und Praxisphase

Eigene Schwerpunkte im Studium können Hannah Kesselmeyer und ihre Kommilitonen durch ihre Wahl von Fachmodulen setzen. Die Studentin entschied sich etwa für „Organisation“, „Arbeit, Wirtschaft, Sozialpolitik“, „Recht und Regulierung“ sowie „Transnationalisierung, Migration und Entwicklung“. Und eine Besonderheit in Bielefeld gefällt ihr persönlich ganz besonders: „Damit wir angehenden Soziologen mal über den Tellerrand hinausschauen, sollen wir auch fachfremde Veranstaltungen aus einem anderen Fachbereich besuchen. Ich habe in die Geschichtswissenschaft, vor allem die Wissenschaftsgeschichte reingeschnuppert – das hat mir viele neue Denkanstöße gegeben. Außerdem habe ich noch vor, mich der Rechtswissenschaft zuzuwenden, um mich auf die Rechtssoziologie vorzubereiten.“

Studienleistungen werden im Fach Soziologie meist über Hausarbeiten erbracht. Nur die Inhalte der Vorlesungen Statistik, Qualitative Methoden und Strukturanalysen werden in Klausuren abgeprüft. „Ein weiterer wichtiger Teil ist die Praktikumsphase. Sie umfasst 240 Stunden und soll außerhalb der Uni geleistet werden. In einem Unternehmen etwa oder einem Forschungsinstitut“, schildert sie. Diese Praktika können entweder stundenweise parallel zum Semester oder auch am Block absolviert werden. Hannah Kesselmeyer könnte sich ein Praktikum in der Personalabteilung eines Unternehmens oder in einem Ministerium vorstellen. Der wichtigste Leistungsnachweis erfolgt jedoch über die Bachelorarbeit.

Wünsche für die Zukunft

Und was möchte sie später mal mit ihrem Soziologieabschluss anfangen? Da braucht die 23-Jährige nicht lange zu überlegen: „Die Arbeit in einer Personalabteilung fände ich spannend. Dort würde ich gerne Arbeit für andere gut gestalten. Aber ich könnte mir auch vorstellen, als Wissenschaftlerin an der Uni zu arbeiten.“ So oder so möchte Hannah Kesselmeyer an der Universität Bielefeld bleiben und ihren weiterführenden Master in Soziologie machen.

abi>> 21.02.2019