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Fantastische Welten auf der Bühne erschaffen

Das Modell einer Theaterbühne mit einem Holzschiff und zwei Figuren
Ein riesiger Bühnenraum, in dem sich die Figuren beinahe verlieren: Christian Blechschmidt hat in seinem Studiengang Bühnen- und Kostümbild anhand dieses Modells dargestellt, wie er die altgriechische Tragödie Medea inszenieren würde.
Foto: Christian Blechschmidt

Bühnen- und Kostümbild

Fantastische Welten auf der Bühne erschaffen

Neben dem Regisseur sind es unter anderem die Bühnen- und Kostümbildner, die ein Theaterstück oder eine Oper künstlerisch prägen. Im Diplomstudiengang „Bühnen- und Kostümbild“ an der Akademie für Bildende Künste Stuttgart wird Christian Blechschmidt (31) in beiden Fachbereichen ausgebildet.

Das Kostüm engt den Schauspieler ein, er bewegt sich mühevoll über die Bühne. Zudem hängt der Bühnenboden schräg, sodass er abzurutschen droht. Das Publikum spürt diese Beklommenheit und ist in die Gefühlswelt der Figur versetzt. „Das ist eines von tausenden Beispielen, doch es zeigt das Ziel des Bühnen- und Kostümbildners auf: Er muss das Theaterwerk verstehen, herausfiltern, welche Inhalte und Gefühle wichtig sind, und diese dann bildlich auf die Bühne übertragen“, erklärt Christian Blechschmidt.

Das Handwerkszeug für diese kreative Tätigkeit lernt der 31-Jährige seit sieben Semestern im Diplomstudiengang „Bühnen- und Kostümbild“ an der Akademie für Bildende Künste (ABK) in Stuttgart. Noch drei Semester hat er vor sich, bevor er in seiner Diplomarbeit eigenständig – also ohne Ratschläge seiner Dozierenden – ein Stück durch ein Bühnen- und Kostümbild interpretieren wird.

Richtungswechsel aus Leidenschaft

Ein Porträt-Foto von Christian Blechschmidt.

Christian Blechschmidt

Foto: Jan Hottmann

Doch bis dahin war und ist es ein weiter Weg: „Die ersten beiden Semester verbringen alle Studierenden der Fachrichtung Bildenden Künste gemeinsam in einer Grundklasse. Dadurch schaut man über den fachlichen Tellerrand und knüpft Kontakte mit anderen bildenden Künstlern“, beschreibt Christian Blechschmidt. „Wir erlernten zudem in Workshops handwerkliche Grundlagen für Modellbau, Theatertechnik oder Kostümschneidern. Außerdem wurden wir in die Theatergeschichte eingeführt.“

Letztere war dem Studenten bereits gut bekannt: Vor seinem jetzigen Studium hatte er einen Magister in Theaterwissenschaften und Musikpädagogik an der Ludwig-Maximilians-Universität München absolviert. „Schon als Kind, als mich mein Großvater immer wieder in das Staatstheater Nürnberg mitnahm, war ich fasziniert von Bühnenbildern. Mit 26 Jahren, nach meinem Magister, wollte ich es also doch noch wagen und bewarb mich um einen der wenigen Studienplätze an der ABK“, erinnert er sich.

Seine Mappe mit Fotostudien, Gemälden sowie Bühnen- und Kostümbildentwürfen brachten ihm eine Einladung zur Eignungsprüfung ein. Vor Ort in Stuttgart musste er sein Können, etwa durch das Zeichnen eines Storyboards, unter Beweis stellen und sich außerdem in einem Gespräch präsentieren – sein Traum ging in Erfüllung, er erhielt die Zusage.

Wie stellt man absolutes Scheitern dar?

Ab dem dritten Semester trennte sich die Grundklasse in die einzelnen Studiengänge auf, um das jeweilige Fachgebiet zu vertiefen. „Im Bühnen- und Kostümbild widmeten wir uns nun sogenannten Tischarbeiten. Dabei wird zunächst ein Theaterstück oder eine Oper ‚am Tisch‘ durchgearbeitet, um es inhaltlich und emotional zu durchdringen. Dann überlegt jeder Studierende für sich, welche Aspekte ihn interessieren und wie er diese darstellen möchte.“

Derzeit beschäftigt sich Christian Blechschmidt beispielsweise mit der altgriechischen Tragödie „Medea“ von Euripides. Die Königstochter Medea wird von ihrem Ehemann Jason für eine andere Prinzessin verlassen und verstoßen, nachdem sie für ihn ihren Bruder umgebracht und ihre Heimat zurückgelassen hatte. Rasend vor Rachegelüsten und doch mit berechnender List tötet Medea die Prinzessin, deren Vater und schließlich ihre eigenen, mit Jason gezeugten Söhne. „Wie also dieses absolute Scheitern und diese Figur darstellen, die alle soziale Normen sprengt?“, fragte sich der Student – und entschied: „Ich möchte einen riesigen, ebenso die Normen sprengenden Bühnenraum mit wechselnden Bildern schaffen, in dem sich die Figur verliert.“

Mit dem Kostüm der Hauptfigur haderte er lange, doch nun schwebt ihm Medea in einem Pelzmantel vor, „um bei ihr das Barbarische und Wilde sowie die Verbundenheit zur Natur nach außen zu kehren“. Für das Tüfteln am richtigen Material kam ihm die Kooperation seiner Hochschule mit der Akademie für Darstellende Kunst (ADK) im nahen Ludwigsburg zugute. „Immer wieder arbeiten wir mit den dortigen Regie-Studierenden zusammen, insbesondere in den letzten drei Semestern. Außerdem können wir die tolle Kostümwerkstatt der ADK nutzen und eigene Kostümentwürfe versuchsweise umsetzen“, freut sich der 31-Jährige.

Kontakte erleichtern den Berufseinstieg

Zur Aufführung kommen die Tischarbeiten nicht, „sie dienen dazu, sich auszuprobieren und sich zu einem eigenständigen Künstler zu entwickeln“, erklärt Christian Blechschmidt. Anders sieht es jedoch mit Projekten neben dem Studium aus: Im Rahmen der Kooperation mit der ADK arbeitete er mit der damaligen Regie-Studentin Anna-Elisabeth Frick zusammen, die ihn nach ihrem Abschluss in ihre Aufträge einband. „Zusammen haben wir für das Stück ‚Die Unerhörte‘ 2016 den Nachwuchspreis ‚Junge Regie‘ der Körber-Stiftung erhalten“, erzählt er stolz.

Auch in Wien und Luxemburg konnte er bereits dank Kontakten, die er während des Studiums knüpfte, eigenständige Theaterarbeiten realisieren. „Ich hoffe, dass mir dadurch der Berufseinstieg später leichter gelingen wird. Es braucht etwas Glück, aber als freier Bühnen- und Kostümbildner zu arbeiten, ist mein Traum“, sagt Christian Blechschmidt.

abi>> 19.03.2018