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„Ich will Musik, Menschen und Ideen miteinander verbinden“

Eine junge Frau arbeitet mit Tänzern auf einer Bühne.
Wie visualisiere ich Musik auf der Bühne und reiße das Publikum mit? Absolventen des Studiengangs Musiktheaterregie vereinen mehrere künstlerische Genres und damit auch verschiedene Akteure miteinander.
Foto: Malzkorn

Musiktheaterregie

„Ich will Musik, Menschen und Ideen miteinander verbinden“

Wie lässt sich eine klassische Oper zeitgemäß auf die Bühne bringen? Wie entwickelt man neue Stücke und wie vermittelt man Sängern und Musikern überhaupt seine Ideen? Diese und viele andere Fragen haben Maurice Lenhard (26) zum Bachelorstudium der Musiktheaterregie geführt an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg.

Singen, musizieren und Theater spielen faszinieren Maurice Lenhard schon seit Kindertagen. Mit sieben Jahren wusste er bereits, dass er Sänger werden will – und wurde zehn Jahre später jüngster Student der Gesangsabteilung an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main.

Doch im Jahr 2015 entschied sich der gebürtige Hesse, nach Hamburg zu gehen, um Musiktheaterregie zu studieren. „Obwohl ich sehr gerne als Sänger arbeite, hat mich das Thema Regie nicht losgelassen. Ich hadere immer wieder damit, wie Stücke aufgeführt werden“, sagt er. Und gibt gleich ein Beispiel: „Man spielt Wagners ‚Der Ring des Nibelungen‘ in der Commerzbank, aber sonst gibt es keine neue Message, außer dass der Ort und die Kostüme gewechselt werden.“ Als Sänger könne er das nur wenig beeinflussen, als Regisseur hingegen habe er viel mehr Möglichkeiten. An der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg ist er nun im fünften Semester und einer von drei Studierenden, die den anspruchsvollen Beruf erlernen.

Regie und Musik Hand in Hand

Porträtbild Maurice Lenhard

Maurice Lenhard

Foto: Kirsten Bucher

Seine Beweggründe haben auch die Dozenten an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater überzeugt, an der Bewerber ein dreistufiges Auswahlverfahren durchlaufen müssen. Neben einem eigenen Regiekonzept und der Erarbeitung einer 20-minütigen Szene werden auch Klavierspielen, Singen, Hören und Notenlesen geprüft – hier ist Hamburg aber eher eine Ausnahme, weißt der Student. Andere Hochschulen konzentrieren sich mehr auf die regiepraktischen Fähigkeiten. „Für viele sind gerade diese musikalischen Anforderungen eine Hürde, für mich waren sie ausschlaggebend dafür, mich in Hamburg zu bewerben“, betont Maurice Lenhard.

Im ersten Studienjahr belegen die angehenden Musiktheater- sowie Schauspielregisseure gemeinsame Lehrveranstaltungen und lernen alle Gewerke kennen, die mit einem Stück zu tun haben – etwa Licht, Ton, Kostüm, Maske oder Bühnenbild. „So versteht man in groben Zügen, was die Kollegen machen und kann später genaueres Anweisungen geben als ‚Die Bühne muss heller sein‘“, meint er. Aber auch die konkrete Regiearbeit wird von Anfang an gemeinsam mit Gesangsstudierenden geübt: Wie kann eine Arie oder ein Duett inszeniert werden und wie vermittelt man als Regisseur seine eigenen Vorstellungen? „Dafür muss man sich natürlich mit der gesamten Oper auseinandersetzen und dann so tun, als würde sich der Vorhang für dieses eine Stück öffnen“, erläutert der Student.

„Wir dürfen sehr frei arbeiten“

Nicht nur der Gesang, auch jede Bewegung erzählt etwas auf der Bühne. Deshalb erlernen die Studierenden an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater in den ersten beiden Semestern in choreografischen Übungen, wie sie mit Chören oder einer Vielzahl von Darstellern umgehen müssen. Für Maurice Lenhard war das rückblickend eine besondere Erfahrung: „Man arbeitet eine Woche sehr intensiv mit Sängern, Theater- oder Laiendarstellern zusammen, um eine 15-minütige Choreografie auf die Beine zu stellen. Das ist die erste große Taufe im Studium, weil man nicht mehr im stillen Kämmerlein sitzt, sondern richtig rausgeht.“

Ab dem dritten Semester geht es in die konkrete Regiepraxis, denn dann starten die Studienprojekte – insgesamt vier, inklusive der Abschlussinszenierung. „Die Themen können wir in der Regel frei wählen, müssen uns aber an einen zeitlichen und finanziellen Rahmen halten“, erklärt Maurice Lenhard. Für sein zweites Projekt, das er kürzlich abgeschlossen hat, hat er sich etwa mit dem Thema Mutterschaft auseinandergesetzt und dafür Musik von Benjamin Britten, Antonio Vivaldi, Georg Friedrich Händel und einer Hamburger Multimediakomponistin miteinander kombiniert. „Dann entsteht etwas ganz Neues, ähnlich wie bei unterschiedlichen Bildern, die nebeneinander gehängt werden. Plötzlich achtet man auf ganz andere Details“, erinnert er sich an diese Schaffensphase. Mehr als fünf Wochen hat er zusammen mit einem Orchester, drei Sängern und vielen anderen Gewerken daran gearbeitet, aus seiner Idee eine Aufführung werden zu lassen, die an mehreren Abenden vor Publikum gezeigt wurde.

Mit Plänen für die Zeit nach dem Studium hält er sich eher zurück: „Erfolg in der Theaterbranche hat auch viel mit Glück zu tun. Konkrete Vorstellungen empfinde ich da eher als hinderlich. Auf jeden Fall sehe ich mich viel mehr in einem Theaterbetrieb als in der freien Szene.“

abi>> 17.01.2018