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CSI Mittweida: Den Tätern auf der Spur

Ein Mann in einem Schutzanzug untersucht an einem Tatort ein Auto.
Bewegungsdaten eines Autos können dabei helfen, Täter zu überführen. Wie solche und andere digitale Techniken funktionieren und erfolgreich angewandt werden, lernen Studierende der digitalen Forensik.
Foto: Alex Becker

Allgemeine und Digitale Forensik

CSI Mittweida: Den Tätern auf der Spur

Beweis- und Spurensicherung an einem Tatort: Die Anwesenden tauschen sorgenvolle Blicke und erste Theorien aus – die Jagd nach dem Täter beginnt. Was weltweit als spannende Unterhaltung auf den Fernsehbildschirmen flimmert, ist für Johannes Kopp* Alltag. Der 26-Jährige studiert „Allgemeine und Digitale Forensik“ an der Hochschule Mittweida. Ein Bachelorstudiengang mit viel Praxisbezug.

Johannes Kopp berät sich mit seiner Seminargruppe: Haben sie alle Fingerabdrücke gesichert, alle Blutspuren entdeckt? Wie lange liegt die Leiche schon dort und wie alt war das Opfer wohl? All diese Fragen kann er am Ende seines sechssemestrigen Studiums ohne Probleme beantworten. Seine Dozenten haben einen Tatort präpariert und Spuren verteilt, an denen sich die angehenden Forensiker ausprobieren können. Wie ein professionelles Ermittlerteam teilen sich die Studierenden die Aufgaben auf. „Blutspurenanalyse, Madenwachstum zur Bestimmung der Leichenliegezeit, Auswertung von Fingerabdrücken – das haben wir im Bachelorstudiengang ganz praxisorientiert gelernt“, erklärt der 26-Jährige.

Den Studiengang „Allgemeine und Digitale Forensik“ gibt es erst seit 2014. Seitdem wird am Modulplan gefeilt. Physik ist beispielweise wieder vom Lehrplan verschwunden, weiterhin dabei sind Inhalte wie Straf- und Strafprozessrecht, Genetik, IT-Sicherheit, Bildverarbeitung, Verschlüsselungstechnik und Tatortarbeit. „Nach den ersten drei Semestern mit den forensischen Grundlagen geht’s eigentlich nur noch um die digitale Spurensuche. Das hat einige ziemlich enttäuscht, mich gar nicht. Ich bin eher ein Nerd und interessiere mich für alles rund um Computer“, sagt der Student. Algorithmen, Datenstrukturen, Virtualisierung, Semantik und Data Mining – klingt trocken, ist es aber nicht: „In jedem Modul gibt es Praxisübungen. Wir bekamen zum Beispiel Festplatten, die wir auswerten mussten oder einen Server, den wir auf Schwachstellen untersuchen sollten. Den haben wir gehackt“, berichtet er. „Auch war mir nicht bewusst, was man mit Daten alles machen kann. Bei der Carforensik zum Beispiel kann man die Bewegungsprofile von Autos auslesen.“

Nicht nur für Techniknerds

Eben diese Techniken der digitalen Forensik faszinieren Johannes Kopp am meisten. Das war nicht immer so: „Den Studiengang habe ich eher aus dem Bauch heraus gewählt. Ich bin Fan der US-amerikanischen Serie ‚Dexter‘, deren Protagonist ja auch ein Forensiker ist und zum Beispiel anhand von Blutspritzern auf den Tathergang schließt. Deshalb habe ich gegoogelt, wie man Forensiker werden kann, habe den Studiengang entdeckt und mich spontan entschieden, dass dieser viel besser zu mir passt als Elektrotechnik“, erinnert er sich. Zu diesem Zeitpunkt hatte er nämlich bereits eine Ausbildung zum Elektrotechniker sicher und absolvierte ein Freiwilliges Soziales Jahr zur weiteren Orientierung.

Als er sich vor drei Jahren für den Studiengang einschrieb, gab es noch keine Zulassungsbeschränkung. Mittlerweile müssen Bewerber ein Eignungsverfahren durchlaufen, das einen zu lösenden Fall beinhaltet. „Wenn man sich da reinhängt, kann man das schaffen. Man muss für das Studium kein Techniknerd sein“, erzählt er.

Viel Praxis im Studium

Das sechste und letzte Semester teilt sich auf in Praktikum und Bachelorarbeit. Die meisten gehen dafür zur Polizei, aber auch Unternehmen bieten Plätze an, etwa im Bereich IT-Sicherheit an. „In meinen Praktikum bei einem Prüfinstitut habe ich mich mit der 3D-Rekonstruktion beschäftigt. Damit lassen sich zum Beispiel Unfallhergänge nachvollziehen“, erzählt Johannes Kopp über sein letztes Semester.

Später möchte der 26-Jährige Gutachter werden und strebt deshalb den Master „Cybercrime und Cybersecurity“ an. Der Studiengang schließt in Mittweida direkt an den Bachelor an. „Ich finde es toll, später einmal das Gesetz zu vertreten und zu helfen, Kriminelle hinter Gitter zu bringen“, fasst er seine Motivation zusammen.

*Name von der Redaktion geändert.

abi>> 27.12.2017