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Die reale Welt virtuell abbilden

Poster mit Stadtplan
Viele Entscheidungen, die in Wirtschaft, Verwaltung und Politik getroffen werden, basieren auf Daten, die Geonformatiker erheben.
Foto: Patricia Leitao

Geoinformatik

Die reale Welt virtuell abbilden

Für Lauftraining-Apps, virtuelle Stadtführer oder Navigationssysteme sind Geodaten wie Ort, Zeit und Bewegung ausschlaggebend. Im Studium lernen Geoinformatiker, wie man diese Daten erfasst, speichert, analysiert und in Geoinformationssystemen präsentiert.

London im August 1854: Die Cholera rafft innerhalb weniger Tage auffällig viele Menschen in der Broad Street dahin. Der Physiker John Snow steht der Theorie, „schlechte Luft“ sei für die Häufung der Krankheitsfälle verantwortlich, skeptisch gegenüber – er zeichnet jeden Fall im Stadtplan ein und erstellt so ein einfaches Geoinformationssystem. Aufgrund der Daten lokalisiert er eine Pumpe mit kontaminiertem Wasser als Quelle. „John Snow hat raumbezogene Daten erfasst, auf einer Karte verzeichnet, sie analysiert und in einen Kontext gebracht“, erklärt Professorin Angela Schwering vom Institut für Geoinformatik der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

Neben der Verbreitung von Krankheiten gibt es viele weitere Daten, die einen dynamischen Zusammenhang zwischen Raum und Zeit haben: Lärm- und Verkehrsaufkommen, Wasser- und Luftqualität oder Mobilität. „Die Geoinformatik sucht mit Hilfe von computergestützten Anwendungen nach Lösungen für raumzeitliche Problemstellungen“, erklärt Angela Schwering.

„Man muss kein Mathe- oder IT-Crack sein.“

Ein Porträt-Foto von Angela Schwering

Angela Schwering

Foto: Privat

Der Studiengang Geoinformatik vereint Fachwissen aus der Informatik und den Geowissenschaften. Auf dem Programm stehen zum Beispiel Softwareentwicklung, Mathematik, Programmierung und Computervisualisierung, aber auch Kartografie, Geoinformationssysteme und räumliche Planung. Ergänzt wird das Ganze mit Wahlschwerpunkten wie Humangeographie, Landschaftsökologie oder städtische Bodenordnung.

Derzeit kann man Geoinformatik mit Bachelorabschluss bundesweit etwa an 20 Hochschulen studieren. Das Fach wird teils in Kombination etwa mit Geodäsie, Geophysik, Vermessung und Satellitenpositionierung angeboten. „Zukünftige Geoinformatiker sollten unbedingt eine Affinität zu neuen Technologien haben. Programmierung und Softwareentwicklung mit geowissenschaftlichem Bezug – etwa 3-D-Visualisierung, Routing-Algorithmen für Navis und digitale Bildverarbeitung – sind ein substanzieller Teil des Studiums“, erklärt Angela Schwering. „Trotzdem muss man kein Mathe- oder IT-Crack sein.“

Mit dem Master kann man sich auf ein Teilgebiet der Geoinformatik spezialisieren wie Kartografie oder Geotechnologie. Oder man vertieft über Weiterbildungen bestimmte Aspekte der Berufstätigkeit, zum Beispiel Computeranimation, Datenbankprogrammierung oder IT-Anwendungsberatung.

Mögliche Arbeitgeber: Vermessungsämter

Weltweit stützen von Geoinformatikern aufbereitete Geodaten ökonomische, politische oder ökologische Entscheidungen, etwa wenn es um die Förderung von Wirtschaftsstandorten, Infrastrukturplanungen oder um Maßnahmen gegen Überschwemmungen geht. Diese Vielfalt bietet Absolventen unterschiedliche Berufsperspektiven. „Durch Praktika haben die meisten Studierenden, egal ob im Bachelor oder Master, gute Kontakte zu möglichen Arbeitgebern, zum Beispiel zu Vermessungs-, Kataster- und Stadtplanungsämtern, zu Softwareentwicklern, im Consulting oder Versicherungswesen“, berichtet Angela Schwering. Geoinformatiker können aber auch im Umweltmonitoring, in der Ver- und Entsorgung oder in Forschung und Lehre tätig sein.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwirt: Geoinformatiker/in)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

Studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

Verband Deutscher Vermessungsingenieure – Berufsverband für Geodäsie und Geoinformatik

www.vdv-online.de

Institut für Geoinformatik der Universität Münster

www.uni-muenster.de/Geoinformatics

DVW – Gesellschaft für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement

www.dvw.de

abi>> 18.11.2015