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Maßgeschneidertes Material

Zu sehen sind Büroklammern aus Nitinol.
Büroklammern mit Gedächtnis – die Formgedächtnis-Legierung Nitinol wird beispielsweise in der Medizintechnik eingesetzt.
Foto: Martin Rehm

Materialwissenschaften

Maßgeschneidertes Material

Das Interesse an Naturwissenschaften und die verblüffenden Eigenschaften einer besonderen Büroklammer waren für Niklas Herwig (23) der Anlass, sich in den Bachelorstudiengang Materialwissenschaften an der Georg-August-Universität in Göttingen einzuschreiben.

Ganz mit dem Gedanken beschäftigt, ob er sich mit einem Chemie-Studium nicht vielleicht zu sehr festlegen könnte, geriet Niklas Herwig am Infotag der Uni Göttingen eher zufällig in die Veranstaltung der Materialwissenschaftler. „Der Professor legte eine komplett verbogene Büroklammer in heißes Wasser: dort nahm sie wieder ihre ursprüngliche Form an“, erinnert sich der 23-Jährige. Dieses kleine Experiment mit der Nitinol-Klammer hatte seine Wirkung nicht verfehlt: Niklas Herwigs Interesse für innovative Materialien war geweckt – nicht nur für die Formgedächtnis-Legierung Nitinol, die in der Medizintechnik bei Implantaten wie Gefäßstützen, sogenannten Stents, Verwendung findet.

Dass der Studiengang mit einer Regelstudienzeit von sechs Semestern zudem mit den Fakultäten für Chemie, Physik, Geowissenschaften und Geographie sowie Forstwissenschaften und Waldökologie kooperiert, war für Niklas Herwig ein weiterer Pluspunkt. „Damit ist interdisziplinäres Forschen aus verschiedenen Blickwinkeln und mit unterschiedlichen Schwerpunkten möglich“, findet er.

Anwendungsorientierte Grundlagenforschung

Ein Porträt-Foto von Niklas Herwig

Niklas Herwig

Foto: Privat

Die ersten Semester des zulassungsfreien Studiums dienen der Vermittlung und Vertiefung der naturwissenschaftlichen Grundlagen. Niklas Herwig besuchte Vorlesungen der Physiker und Chemiker, Module wie „Experimentalphysik“, „Allgemeine und Anorganische Chemie“ und „Atombau und chemische Bindung“. „Das ist schon sehr arbeitsintensiv, aber eigentlich reicht ein ausgeprägtes Interesse an Naturwissenschaften. Besonders anspruchsvolle Seminare, Quantenmechanik zum Beispiel, gibt es für uns Nicht-Physiker in der abgespeckten Version“, erklärt er.

Es empfiehlt sich, seine mathematischen Kenntnisse vor Beginn des ersten Semesters im 14-tägigen Kurs „Mathematik für Physiker“ aufzufrischen. Im weiteren Verlauf kommen immer mehr materialwissenschaftliche Veranstaltungen, angelehnt an die Fakultäten, hinzu: „In der zweiten Hälfte des Bachelors hat man eine große Auswahl an Seminaren, die sich mit Werkstoffen wie Kunststoff, Metall, Holz oder Glas und den entsprechenden Bearbeitungsverfahren befassen. Besonders spannend ist es, wenn man Materialien aus dem Alltag kennenlernt.“

Nah an der Praxis

Neben der theoretischen Auseinandersetzung mit materialwissenschaftlichen Fragestellungen finden auch immer praktische Module statt. „Wir haben im Labor Kunststoff hergestellt und ihn auf seine mechanischen Eigenschaften hin untersucht: Ist der Kunststoff dehnbar genug für unsere Anwendung, etwa für einen Fahrradschlauch? Wie bruchfest ist ein Material und warum? Das ist ein wichtiger Punkt beim materialwissenschaftlichen Forschen, denn für spätere Anwendungen werden maßgeschneiderte Materialien benötigt“, erläutert Niklas Herwig.

Praxisnahe Erfahrungen sammeln die Studierenden in den Anwendungspraktika im Labor oder in einem Betrieb. Für den Blick über den Tellerrand empfiehlt Niklas Herwig unbedingt ein Industriepraktikum. Er selbst hat sein Praktikum bei einem Unternehmen gemacht, das Dichtungen herstellt und dabei etwa Zellkautschuk, Moosgummi und geschäumte Kunststoffe verarbeitet.

Den Master hat er direkt an den Bachelor angeschlossen und befindet sich derzeit im ersten von vier Fachsemestern. Für die Zeit danach kann er sich eine Tätigkeit im Bereich Forschung und Entwicklung oder in der Qualitätssicherung vorstellen. „Ich bin aber noch unentschlossen: Möglich wäre auch die Promotion oder eine Anstellung in einem Forschungsinstitut“, ergänzt er.

abi>> 02.03.2016