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Zwei Rechtswelten intensiv erleben

Junger Mann mit Brille steht neben einem Regal in einer Bibliothek und liest in einem Buch.
In binationalen Bachelorstudiengängen der Rechtswissenschaften beschäftigen sich die Studierenden mit den Gemeinsamkeiten und Unterschieden des deutschen und eines ausländischen Rechtssystems.
Foto: Julien Fertl

Jura binational

Zwei Rechtswelten intensiv erleben

Andere Länder, andere Gesetze: Die Rechtssysteme verschiedener Staaten unterscheiden sich oft grundlegend. Deshalb braucht man Experten, die sich in beiden Welten auskennen. Florian Weiss absolviert deshalb einen binationalen Bachelorstudiengang in Jura.

Derzeit lebt Florian Weiss in Paris und studiert im sechsten Semester des Deutsch-Französischen Bachelorstudiengangs Rechtswissenschaften der Universität zu Köln und der Universität Paris 1/Panthéon-Sorbonne. Dieses binationale Studium wird jeweils zwei Jahre in Köln und in Paris absolviert. „In der Schule ist Französisch als Fremdsprache zwar gerade nicht mehr so in Mode, wird aber dringend gebraucht“, erzählt der 21-Jährige und begründet: „Frankreich ist in der Wirtschaft ein wichtiger Partner für Deutschland. Englisch allein ist nicht alles.“

Die Faszination für das Französische hat sich bei ihm während eines Schüleraustausches entwickelt. „Es war schon immer mein Traum, später nach Frankreich zu gehen“, berichtet er. „Da ich mich für Politik interessiere und gerne diskutiere, war Jura für mich die richtige Wahl.“

Nach einem Aufnahmetest, der unter anderem die Sprachkenntnisse überprüft, wurde der ausschließlich mit Deutsch als Muttersprache aufgewachsene Student für den Studiengang zugelassen. Er studiert nun in einer exklusiven Gruppe aus 30 deutschen und 30 französischen Studierenden. „In dieser überschaubaren Gruppe hat man gleich Anschluss. Man lernt zusammen und ist mit Deutschen und Franzosen von Beginn an befreundet“, erzählt er.

Deutsches und französisches Rechtssystem

En Porträt-Foto von Florian Weiss

Florian Weiss

Foto: Anne Roßius

In den ersten zwei Jahren in Köln hat Florian Weiss sein Grundstudium zusammen mit den Studierenden absolviert, die Jura für das Staatsexamen studieren. „Der Neuanfang in Paris hat mir großen Spaß gemacht“, sagt der Student. „Es war zwar eine große Umstellung, aber ich bin flexibler geworden und habe über den Tellerrand geschaut. Das Studium in Frankreich ist in vieler Hinsicht anders als in Deutschland. So kann man von beiden Systemen profitieren.“

Nach den Grundlagenfächern Zivilrecht, Strafrecht und öffentlichem Recht in Deutschland steht nun französisches Recht auf dem Lehrplan. „Mit der französischen Juristensprache habe ich kein Problem“, meint Florian Weiss: „Man muss die Ausdrücke eben lernen.“

Ein weiterer Vorteil des kleinen deutsch-französischen Studiengangs ist das Netzwerk, von dem auch schon die Studierenden profitieren. Dieses kann bei der Praktikumssuche hilfreich sein, weil viele Ehemalige des Studienganges heute in Großkanzleien tätig sind. Florian Weiss hat so in einer Großkanzlei in Köln seine ersten praktischen Erfahrungen sammeln können. In Paris kam ein Praktikum in einer deutsch-französischen Kanzlei hinzu. „Der Vorteil des Studiengangs ist, dass man später in Deutschland und in Frankreich einsetzbar ist. Der Abschluss wird in beiden Ländern anerkannt und Absolventen sind gesucht“, weiß der angehende Jurist.

Berechtigt fürs erste deutsche Staatsexamen

Wenn Florian Weiss sein zweites Jahr in Paris beendet hat, will er zurück nach Deutschland gehen. „Da ich in Köln die Zwischenprüfung in den Grundlagenfächern abgelegt habe, bin ich berechtigt, an der ersten juristischen Prüfung zum Staatsexamen teilzunehmen“, sagt er. Denn er hat lediglich mit dem französischen Recht einen anderen Schwerpunkt gewählt als die Jurastudierenden in Deutschland.

Am Ende des Studiums erlangt er somit einen französischen Bachelorabschluss und ein deutsches Staatsexamen, das ihn zum Vorbereitungsdienst berechtigt. „Ich würde später gerne in die Richtung Wirtschafts- oder Arbeitsrecht gehen und Unternehmen beraten. Ich denke, ich werde gute Chancen haben, eine Stelle zu finden, denn Juristen mit guten französischen Sprachkenntnissen werden händeringend gesucht“, erklärt Florian Weiss.

abi>> 14.08.2017