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Mit Ziegelsteinen in den Hörsaal

Das deutsche Gesetzbuch aufgeschlagen
Das rote Gesetzbuch ist stetiger Begleiter von Jurastudierenden, die es daher auch scherzhaft als "Ziegelstein" bezeichnen.
Foto: Ria Kipfmüller

Rechtswissenschaft

Mit Ziegelsteinen in den Hörsaal

Anwalt für Immobilienrecht – das ist das Berufsziel von Felix Grözinger. Das lern- und arbeitsintensive Jurastudium an der Universität Augsburg ebnet dem 21-Jährigen den Weg zum „Volljuristen“.

Mehr als 4.500 Seiten zwischen roten Buchdeckeln – kein Wunder, dass die juristischen Standardwerke „Deutsche Gesetze“ und „Verfassungs- und Verwaltungsgesetze“ auch „Ziegelsteine“ genannt werden. Oder, nach ihren Begründern, schlicht „der Schönfelder“ und „der Sartorius“. „Die Bücher schleppen wir in der Uni immer mit uns herum“, sagt Felix Grözinger. Und da der 21-Jährige an der Uni Augsburg studiert, dürfen in Vorlesungen, Tutorien, Übungen, Fallbesprechungen und Prüfungsvorbereitungen zudem die „Gesetze des Freistaats Bayern“ nicht fehlen.

Lösung juristischer Fälle

Seit dem dritten Semester ist diese Fachliteratur sein steter Begleiter. In den ersten zwei Semestern des Grundstudiums, in dem Basiswissen in Zivil-, Straf- und Öffentlichem Recht vermittelt wurde, genügten kleine Textausgaben. Natürlich könne man die Gesetze auch online finden, sagt Grözinger. Er ziehe es aber vor, „analog“ in den Sammlungen zu lesen. Denn bei den Klausuren stehen den Studierenden ebenfalls nur die Bücher zur Verfügung. „Bei denen weiß ich in etwa, wo was steht und finde die entsprechenden Passagen schneller.“ Klausuren schreibt Felix Grözinger viele. In den Vorlesungsabschlussklausuren hat er sich bereits mit der Lösung juristischer Fälle beschäftigt. Dabei und bei den Fallbesprechungen lernen die Studierenden unter anderem auch, Texte im Gutachterstil zu verfassen. Und sie erhalten Einblicke in die praktische Rechtsanwendung, die durch Praktika bei einem Gericht oder in einer Verwaltungsbehörde vertieft werden. Praxiserfahrung sammelt Felix Grözinger zudem bei seinem Job in einer Wirtschaftskanzlei. Außerdem ist er Leiter des Teams Mietrecht der Law Clinic, einer Studenten-Initiative: Dort berät er sozial schwache Mieter, wenn etwa eine Nebenkostenabrechnung fehlerhaft ist oder sie eine Eigenbedarfskündigung erhalten haben.

Lange Vorbereitung

Ein Porträt-Foto von Felix Grözinger

Felix Grözinger

Foto: privat

Vier Klausuren sind in den ersten Uni-Jahren besonders wichtig: Sie sind Teil der Zwischenprüfung, die bis zum sechsten Semester bestanden sein müssen. Felix Grözinger hat bereits alle erfolgreich hinter sich gebracht. Nun beschäftigt er sich mit seinem Schwerpunktbereich „Gesellschafts-, Bank- und Kapitalmarktrecht“, der Gegenstand seiner Juristischen Uniprüfung sein wird. Diese ist Teil der Ersten Juristischen Prüfung, auf die er sich eineinhalb Jahre vorbereiten und dafür an einem Repetitorium teilnehmen wird, welches die Studierenden kurz „Rep“ nennen. Diese meist kommerziellen Wiederholungskurse helfen beim systematischen Lernen. Obwohl es nicht gerade billig ist, entschied Felix Grözinger sich für das „Rep“ eines privaten Anbieters, um bei der Fülle an Stoff nicht den Überblick zu verlieren.

Berufsziel Rechtsanwalt

Anschließend beginnt sein Vorbereitungsdienst, dem die Zweite juristische Prüfung folgt. Nach Bestehen kann er von der zuständigen Kammer eine Zulassung als Rechtsanwalt erhalten. Dann will er sich bei Kanzleien bewerben, die auf Immobilienrecht spezialisiert sind. Bei der Bewerbung werde sicherlich auch die Abschlussnote eine Rolle spielen: „Da wird durchaus ein Prädikatsexamen gefordert.“ In Bayern spricht man von einem „Prädikat“ bei der Note „befriedigend“, von einem „Großen Prädikat“ ab „vollbefriedigend“ und besser. Die Note „sehr gut“ bekommt, wer mindestens 16 von 18 zu erreichenden Punkten erhält – das schaffe aber so gut wie niemand, sagt Felix Grözinger. 2018 waren es in Bayern bei der Zweiten Juristischen Staatsprüfung nur drei von 1.666 Teilnehmern – gerade einmal 0,18 Prozent.

abi>> 29.07.2019

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