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Die Kunst der Selbstdarstellung

Buchstabenbausteine bilden das Wort Rhetorik.
Ein Studium der Rhetorik eröffnet unzählige Berufsmöglichkeiten in den verschiedensten Bereichen.
Foto: Tim Wraneschitz

Allgemeine Rhetorik

Die Kunst der Selbstdarstellung

Wie setzt man Sprache am besten ein, um andere von sich und seinen Anliegen zu überzeugen? Dies lernt Tilman Schmeller (23) an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen, die deutschlandweit den einzigen Studiengang für Allgemeine Rhetorik anbietet.

Tilman Schmeller ist ein Exot unter Exoten. Der 23-Jährige studiert im sechsten Semester Allgemeine Rhetorik an der Universität Tübingen und schreibt gerade seine Bachelorarbeit. Er absolviert ein Doppelstudium und ist zusätzlich für Jura eingeschrieben. „Der besondere Reiz des Studiums liegt unter anderem darin, dass es nicht gängig ist“, sagt er. „Viele studieren Jura, aber in Kombination mit dem Rhetorikstudium habe ich eine einzigartige Qualifikation.“

Warum Rhetorik?

Ein Porträt-Foto von Tilman Schmeller

Tilman Schmeller

Foto: privat

Nach dem Abitur hat Tilman Schmeller zunächst zwölf Monate bei einer Nichtregierungsorganisation in Ghana gearbeitet. Vorher hatte er sich jedoch schon in Tübingen Seminare im Studiengang Allgemeine Rhetorik angeschaut und sich für das Doppelstudium entschieden. „Meine Kommilitonen studieren Rhetorik meist mit anderen Zielsetzungen. Die es als Hauptfach gewählt haben, möchten später oft im Journalismus, Hörfunk oder Fernsehen arbeiten. Andere wollen Redenschreiber oder Rhetorik-Trainer werden, die Gruppen auf Präsentationen vorbereiten und beispielsweise Körpersprachentrainings abhalten. Einige, die Rhetorik als Nebenfach gewählt haben, begreifen es als Zusatzqualifikation“, fasst der angehende Jurist zusammen.Schließlich ist die Fähigkeit, sich auszudrücken und sich selbst darstellen zu können, in vielen Berufen eine Schlüsselqualifikation. So arbeiten viele ehemalige Rhetorikstudierende auch in Personal- oder PR-Abteilungen von Unternehmen oder in Werbeagenturen.

Für Tilman Schmeller sind neben der Exklusivität der Ausbildung die großen Wahlmöglichkeiten im Rahmen der Studienordnung ein weiterer Reiz des Studiums. „Man kann sich Vorlesungen und Seminare zu Bereichen aussuchen, die einen besonders ansprechen. Interessiert man sich für Politik und Medien, kann man ein Seminar zu Reden aus dem Bundestag wählen. Für historische Rhetorik kommen wohl eher Ciceros Reden infrage oder die Beschäftigung mit sprachlichen Mitteln“, nennt der Student Beispiele. „Lediglich die Anzahl der Veranstaltungen ist festgelegt.“

Rhetorik in Theorie und Praxis

Die Studierenden beschäftigen sich jedoch nicht nur theoretisch mit Rhetorik. In Praxisseminaren, die meist im Block stattfinden, zeigen externe Trainer, wie man überzeugend auftritt, Körpersprache bewusst einsetzt, sich beim Reden im Raum bewegt und so sein Publikum bestmöglich erreicht. Logopäden unterrichten, wie man seine Stimme richtig einsetzt. In interkultureller Rhetorik befassen sich die Studierenden außerdem mit sprachlichen Geboten und Verboten in anderen Kulturen.

Nach seinem Bachelorabschluss in Allgemeine Rhetorik ist Tilman Schmellers Studentenleben noch nicht vorbei. „Ich muss ja noch mein Jurastudium beenden“, erklärt der Doppelstudent. „Nach dem Staatsexamen steht das Referendariat an, vielleicht eine Doktorarbeit. Aber meinen Bachelor in Rhetorik habe ich dann schon in der Tasche.“ Der politisch interessierte Tilman Schmeller kann sich vorstellen, in Fraktionen, Ministerien oder in der Diplomatie tätig zu werden. Bald macht er ein Praktikum bei der Europäischen Union in Brüssel. „Mit dem Abschluss in Rhetorik habe ich viele Optionen“, findet er. „Ich profitiere in jedem Fall davon.“

abi>> 26.06.2017