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Den Glauben hinterfragen lernen

Ein Student sitzt in der Bibliothek und liest in der Bibel.
Mit der Auslegung des Alten und Neuen Testaments, der Kirchengeschichte und weiteren theologischen Themen beschäftigen sich Studierende des Studiengangs „Christentum und Kultur“.
Foto: Sonja Brüggemann

Christentum und Kultur

Den Glauben hinterfragen lernen

Geschichte, Sprachen, Philosophie: In seinem Bachelorstudium „Christentum und Kultur“ an der Universität Heidelberg lernt Johannes Stuhrmann (24) eine große Bandbreite an Fächern kennen.

Die Dinge aus einer christlichen Perspektive zu betrachten, war für Johannes Stuhrmann nichts Neues: Nach dem Abi entschied sich der Sohn eines Pfarrers zu einem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) in einem evangelischen Kloster. Als er sein Bachelorstudium Christentum und Kultur an der Fakultät für evangelische Theologie der Universität Heidelberg antrat, dachte er, schon halbwegs Ahnung zu haben von Gott und der Bibel. „Doch im ersten Semester merkte ich bald, wie viele blinde Flecken ich habe“, sagt der 24-Jährige.

In diesem Studiengang bekommen die Studierenden einen Überblick über Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens sowie etwa über das Alte und Neue Testament, Kirchengeschichte und praktische Theologie. Zudem sind zwei Sprachen Pflicht, je nach Studienschwerpunkt – etwa Altes Testament, Neues Testament oder Religionswissenschaft – Latein, Hebräisch oder Altgriechisch. Johannes Stuhrmann konzentrierte sich auf kirchengeschichtliche und systematische Kurse. Hierfür sind Latein und Altgriechisch entscheidend, beide Sprachen musste er im Studium nachholen. Dafür wurde ihm gewährt, ein Semester über die Regelstudienzeit von sechs Semestern zu studieren – nun ist er bereits in seinem siebten und letzten.

Systematik und Geschichte

Ein Porträtbild von Johannes Stuhrmann

Johannes Stuhrmann

Foto: Maria Walker

In Vorlesungen tastete er sich fortan an die Theologie heran. Im Fach „Systematische Theologie“ ging es zum Beispiel darum, die Bibel methodisch zu lesen und zu erforschen. In religionswissenschaftlichen Veranstaltungen lernte Johannes Stuhrmann einiges über andere Religionen, etwa den Islam. „Eine sehr hilfreiche Erfahrung“, findet er, „denn wenn man eine andere Religion kennenlernt, verändert sich auch der Blick auf die eigene.“ Im Fach Christologie beschäftigte er sich unter anderem mit der Frage, wie Theologen auf die Kritik der Aufklärung reagiert haben.

Die unterschiedlichen Herangehensweisen faszinieren den 24-Jährigen an seinem Studiengang: „Hier kommen Philosophie, Geschichte und Sprachwissenschaften zusammen.“ Als zweites, gleichgewichtetes Fach studiert er Germanistik.

Theologische Größen

Johannes Stuhrmann gefällt es zudem, eine der ältesten Wissenschaften zu studieren. Denn dadurch hat er für viele Fragestellungen geschichtsträchtige Persönlichkeiten wie Martin Luther als Bezugspunkt. „Man sieht, wie andere zu einer anderen Zeit über das gleiche Thema nachgedacht haben – das ist extrem spannend.“

Aber auch aktuelle Themen werden im Studium behandelt. In einem Seminar diskutierte er zum Beispiel mit seinen Kommilitonen über die Vielzahl der Freikirchen, die insbesondere in Latein- und Nordamerika verbreitet sind. Historische, biblische oder aktuelle Fragestellungen – das Studium wirkt in den Alltag nach. „Wir sitzen oft in der Mensa und diskutieren weiter über den Stoff der Vorlesungen“, erzählt er.

Bereitschaft zur Veränderung

Für den Zugang zum Studium musste Johannes Stuhrmann keine bestimmten Voraussetzungen erfüllen, die fehlenden Sprachkenntnisse konnte er während des Studiums nachholen. „Wer sich für den Studiengang entscheidet, sollte auf jeden Fall ein Interesse an theologischen Fragestellungen mitbringen“, findet Johannes Stuhrmann. Außerdem braucht es „die Bereitschaft, sich in seinem Glauben zu hinterfragen und in seiner Denkweise verändern zu lassen.“

Inzwischen ist der Student im siebten Semester. Nun wird er ein Praktikum bei einer evangelischen Zeitschrift absolvieren, da ihn der Journalismus sehr interessiert. Dass die Kirche im gesellschaftlichen Leben eine stetig geringere Rolle einnimmt, bereitet Johannes Stuhrmann keine Sorgen. „Die Kirche hat immer noch einen großen Stellenwert und eine Stimme“, sagt er, „außerdem ist sie nach wie vor eine der größten Arbeitgeberinnen.“

abi>> 21.03.2018