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„Das Beste aus zwei Welten“

Programmier-Computer in einem Vorlesungssaal.
Wissenschaftliche Literatur frei zugänglich machen: Im Bereich Digital Humanities dreht sich alles um die Verknüpfung von Geisteswissenschaften und Informatik.
Foto: Christof Stache

Digital Humanities

„Das Beste aus zwei Welten“

In Marlene Festags Bachelorstudium dreht sich alles um Geisteswissenschaften wie Theaterwissenschaft und Germanistik, gleichzeitig lernt die 20-Jährige programmieren. Die Studentin hat sich für den Studiengang Digital Humanities an der Universität Leipzig entschieden.

Nach dem Abi hat Marlene Festag ein Jahr als Au-pair in Spanien verbracht und dort die Universität Santiago de Compostela als Gasthörerin besucht. „Hier habe ich mir unter anderem Vorlesungen in Maschinenbau sowie französischer und spanischer Philologie angeschaut“, erzählt die Studentin. Während des Auslandsaufenthalts hat sie lange überlegt, wie sie im Rahmen eines Studiums ihr Interesse an Sprachen, aber auch an technischen und mathematischen Zusammenhängen weiterverfolgen kann. „Zunächst hatte ich Computerlinguistik in Saarbrücken ins Auge gefasst. Nach einem Besuch in Leipzig habe ich mich dann aber online über die dortigen Möglichkeiten informiert und bin so auf Digital Humanities gestoßen“, sagt die 20-Jährige.

Mittlerweile studiert sie dies im zweiten von sechs Semestern an der Universität Leipzig. „Man nimmt das Beste aus beiden Welten mit: Im Bereich Informatik liegt der Fokus auf der angewandten Informatik, das bedeutet viel programmieren, viel Mathematik, später dann auch Logik. Aus den Geisteswissenschaften kann man sich entweder ein festes Wahlfach wie Germanistik oder Soziologie aussuchen oder man wählt – so wie ich – jedes Semester einen neuen Bereich.“ Hinzu kommen die Module „Digital Humanities“ und „Digital Philology“ sowie ein Seminar, das sich mit den heutigen Herausforderungen der Geisteswissenschaftler im Zuge der Digitalisierung beschäftigt und auf Englisch gehalten wird.

Keine Zeit für Langeweile

Ein Porträt-Foto von Marlene Festag

Marlene Festag

Foto: privat

„Meine Uni-Woche wird nie langweilig“, sagt die Studentin. „In der Informatik gibt es oft wöchentliche Übungsserien und man wendet die Vorlesungsthemen direkt an. In Theaterwissenschaft lerne ich derzeit, mich in Diskussionsrunden und Hausarbeiten fundiert mit diversen Medien auseinanderzusetzen.“ Besonders spannend findet sie das Thema „Open Access“. „Damit ist der freie Zugang zu wissenschaftlicher Literatur und anderen Materialien im Internet gemeint. Das hat auch einen philosophischen Aspekt: Wem gehört Wissen? Wer kontrolliert fachliche Korrektheit in einer digitalen Welt? Was ist eigentlich der digitale Wandel?“ Solchen Fragen versucht die 20-Jährige im Studium auf den Grund zu gehen.

Wo IT-Anwendungen in den Geisteswissenschaften zum Einsatz kommen, ist sehr unterschiedlich – schließlich fallen darunter viele verschiedene Forschungsgebiete. „In digitaler Philologie geht es zum Beispiel um die Digitalisierung, Verschlüsselung und Speicherung von Texten: Wie kann man ein altes Papyrusfragment für künftige Generationen bewahren und weiter daran forschen? Und was ist das richtige Dateiformat dafür? Wie könnte eine digitale Bibliothek aller Bücher der Welt aussehen?“, erklärt Marlene Festag.

Eigeninitiative gefragt

Als sie sich als eine der Ersten zum Start des Studiengangs im Wintersemester 2016/2017 für Digital Humanities eingeschrieben hat, gab es keine Zulassungsbeschränkung. „Da aber eine hohe Nachfrage herrscht, kann es sein, dass sich dies zukünftig ändert.“ Wer sich für diese junge Forschungsrichtung interessiert, sollte laut der Studentin Spaß an mathematischem und analytischem Denken haben. „Ein solides Schulenglisch für die Digital-Humanities-Module und gute Selbstdisziplin und Organisation sind ebenfalls wichtig, da man seinen Stundenplan zum großen Teil selbst zusammenstellt. Auch wird einem im Studium nicht das Programmieren beigebracht, da muss man sich schon dafür interessieren und auch privat damit beschäftigen.“

In den kommenden Semestern will sie gerne ihr Wissen im Bereich „Data Science“ vertiefen. Dabei geht es um das Analysieren von Daten und das Erkennen von Mustern darin. „Interessant fände ich auch, mich mit einer Schnittstelle von Musik und Programmierung zu beschäftigen. Ich interessiere mich generell dafür, wie unsere Welt funktioniert und was die logischen Zusammenhänge zwischen verschiedenen Forschungsgebieten sind.“

Konkrete Pläne für ihren weiteren beruflichen Weg hat sie noch nicht. „Zurzeit kann ich mir eher vorstellen, nach dem Bachelor in die Wirtschaft zu gehen. Aber auch ein konsekutives Studium in den Digital Humanities oder logistischer Informatik schließe ich nicht aus.“

abi>> 31.07.2017