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Bilder im Kopf erzeugen

Zeichensprache
Mit Hilfe von Gebärdenzeichen ist eine Kommunikation zwischen hörenden und gehörlosen Menschen möglich.
Foto: Martina Striegl

Gebärdensprachdolmetschen

Bilder im Kopf erzeugen

Philipp Wendisch (23) studiert den achtsemestrigen Bachelorstudiengang Gebärdensprachdolmetschen an der Hochschule Magdeburg-Stendal und möchte später Gehörlosen bei der Kommunikation helfen.

Die Gebärdensprache beherrscht Philipp Wendisch seit er ein Kind ist: Seine Eltern sind gehörlos, daher ist er damit aufgewachsen. „Ich kann mich zwar mit Gehörlosen unterhalten, aber Dolmetschen ist noch mal etwas ganz anderes: Man muss viel schneller sein und kann nicht immer darum bitten, dass etwas wiederholt wird, wenn man es beim ersten Mal nicht verstanden hat“, erklärt der 23-Jährige.

Ein Porträt-Foto von Philipp Wendisch

Philipp Wendisch

Foto: Privat

Um schneller zu werden, lernen er und seine Kommilitonen unter anderem Spezialgebärden: Für längere Redewendungen wie zum Beispiel „Da fällt mir ein Stein vom Herzen“ gibt es eine einzige kurze Gebärde, sodass nicht jedes Wort einzeln übersetzt werden muss. „Außerdem lernen wir, uns eine ‚Bühne’ aufzubauen“, so der Student weiter. Steht in einer Geschichte zum Beispiel ein Stuhl rechts und ein Regal links, muss man sich für den Rest der Geschichte merken, dass die Gegenstände immer an der selben Stelle stehen. „Wichtig ist zudem, bei den Gehörlosen Bilder im Kopf entstehen zu lassen.

Um im Dolmetschen Sicherheit zu gewinnen, besuchen die Studierenden Veranstaltungen sowohl zum Verständnis als auch zur Anwendung von Gebärden. Im fünften Semester lernen sie zudem lautsprachbegleitende Gebärden. Diese Gebärdenzeichen werden simultan zu jedem gesprochenen Wort angewandt, sodass Gehörlose einem Gespräch zwischen Hörenden auch folgen können. Drei gehörlose Dozenten sorgen dafür, dass die Studierenden viel lernen, und bei gerade einmal 16 Kommilitonen pro Semester bleibt viel Zeit, das Erlernte auch zu üben.

Dolmetschen in beide Richtungen

Darüber hinaus wird im Studium viel Wert auf die deutsche Sprache gelegt: „Im Fach Sprachwissenschaften lernen wir viel über Morphologie, also die Struktur von Wörtern, und über Phonologie, also den Klang“, erklärt Philipp Wendisch. Schließlich geht es beim Gebärdensprachdolmetschen ums Dolmetschen in beide Richtungen – also auch in die gesprochene Sprache –, daher muss man ein gutes Gefühl für die deutsche Sprache bekommen. In zwei Praktika können die Studierenden das Erlernte dann in die Praxis umsetzen: In einem Praktikum begleiten sie einen Dolmetscher bei seiner Arbeit, in einem zweiten Praktikum wenden sie die Gebärdensprache selbst an.

Philipp Wendisch möchte nach seinem Studienabschluss gern freiberuflich oder bei einer Agentur arbeiten, die Privatpersonen zum Beispiel bei Behördengängen, bei Arzt- oder Theaterbesuchen begleitet. Die Dolmetscher werden je nach Bedarf von den Gehörlosen für eine bestimmte Zeit gebucht. „Alternativ könnte ich auch für Gerichte arbeiten – wobei die Arbeit dort sehr anspruchsvoll ist“, weiß Philipp Wendisch. Auch Ämter, Krankenhäuser und Schulen, die gehörlose Schüler unterrichten, sind oft auf Gebärdensprachdolmetscher angewiesen. Mögliche Einsatzgebiete sieht der Student für sich also viele.

abi>> 09.06.2015