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Bindeglied zwischen den Kulturen

Ein aufgeschlagenes Buch mit japanischen Schriftzeichen und deren Bedeutung.
Manche japanische Schriftzeichen erfordern bis zu sechs verschiedene Arten der Aussprache.
Foto: Jens Oellermann

Ostasien

Bindeglied zwischen den Kulturen

„Über die Sprache findet man in eine ganz andere Gedankenwelt hinein.“ Maike Herr (24) liebt das. Sie studiert im sechsten Semester den internationalen Bachelorstudiengang Ostasien mit dem Schwerpunkt Japanologie an der Universität Hamburg und Anglistik im Nebenfach.

Warum gerade Japanisch? Schließlich gilt es nicht nur, eine fremde Sprache mit zwei verschiedenen Schriftsystemen zu lernen, sondern auch die Schriftzeichen zu pauken. Erst wer ungefähr 2.500 davon versteht, so heißt es, kann eine japanische Zeitung lesen. Zudem erfordern manche Schriftzeichen je nach Kontext bis zu sechs verschiedene Arten der Aussprache. „Ich lerne Sprachen sehr leicht und muss auch nicht viel Zeit investieren, um Zeichen zu üben“, erzählt Maike Herr.

Auslandssemester in Tokio

Die ersten beiden Semester im Bachelorstudiengang sind hauptsächlich dem Spracherwerb gewidmet, denn die Sprache ist das Mittel zum Zweck: Gelesen und gelernt wird anhand japanischer Texte. Ein intensiver Sprachkurs zieht sich durch bis zum sechsten Semester. Japanische Geschichte aus Landessicht gehört im dritten und vierten Semester zum Stoff, aber auch die Einbettung Japans in die asiatische Nachbarschaft. Kultur und Gesellschaft, damals wie heute – all das sollen die Studierenden erfahren. Auch ein Auslandssemester ist verpflichtend.

Maike Herr hat ihres im vierten Semester absolviert. Sie war in Tokio. „Das war sehr spannend, aber auch sehr anstrengend“, erinnert sie sich. Sie war an einer Frauenuniversität, die japanischen Kommilitoninnen erlebte sie als zurückhaltend. „Da prallten Welten aufeinander: Ich selbst bin nämlich sehr direkt und oft ungeduldig“, sagt Maike Herr über sich. Jenseits der Uni empfand sie Tokio als großartig und ist auch im Land herumgereist. Mit der Sprache hatte sie keine Probleme: Schon während eines Schüleraustauschs in Australien hatte die 24-Jährige an der dortigen Schule Japanisch belegt. Die Faszination ging so weit, dass sie während der Ferien einen Monat lang in Japan gelebt und dort in Jugendherbergen gejobbt hat. Zurück in Hamburg hat sie die Sprache weitergeführt.

Skypen mit japanischen Germanisten

In ihren Hauptseminaren sitzen maximal 20 Kommilitonen, Videos und Präsentationen gehören zum Studienalltag. Seit kurzem formen japanische Germanisten und deutsche Japanologen Skype-Tandems, um voneinander zu lernen. Zudem sprechen in der Reihe „Vernetzung von Studium und Beruf“ regelmäßig auch Diplomaten vor den Studierenden.

Für Maike Herr ist das eine ganz konkrete Anregung. An die acht Bachelorsemester will sie den Master in Japanologie anhängen und dann in den diplomatischen Dienst gehen. Falls das nicht klappt, hat sie einen Plan B: interkulturelle Kommunikation in einem Unternehmen, wo sie Bindeglied ist zwischen deutscher und japanischer Wirtschaft und beide Gedankenwelten zusammenbringen kann. Das konnte sie kürzlich bereits üben: Eine Woche lang betreute sie den japanischen Dozenten eines Workshops und hat ihm das Leben in der Hansestadt nahegebracht. „Er war begeistert davon, was ich ihm von Hamburg vermittelt habe“, sagt sie.

abi>> 11.08.2015