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Für jedes Kind das passende Lernmaterial

Hände tasten Blindenschrift auf einem Blatt Papier
Im Studium der Inklusionspädagogik lernen angehende Lehrer, Schülern mit Handixap den Alltag zu erleichtern.
Foto: Nicole Schwab

Inklusionspädagogik

Für jedes Kind das passende Lernmaterial

Laut Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) haben Schulen den Auftrag, jeder Schülerin und jedem Schüler das gleiche Recht auf Bildung und Teilhabe zu ermöglichen. Um Lehrerinnen und Lehrer zu befähigen, der steigenden Heterogenität der Schüler gerecht zu werden, bietet die Universität Potsdam den Studiengang Inklusionspädagogik an.

Svenja Rohde (25), die im vierten Bachelorsemester Inklusionspädagogik an der Universität Potsdam studiert, berichtet: „Damit wir im Rahmenlehrplan bleiben und jedem Kind eine individuelle Förderung ermöglichen können, besteht ein großer Teil unserer späteren Arbeit darin, unterschiedlichste Lernmaterialen anzubieten. Beispielsweise bekommen Kinder, die schon sehr weit sind, bekommen komplexere Aufgaben als lernschwächere Kinder. Diese werden wiederum unterstützt, indem die Textlänge in der Aufgabenstellung verringert wird und ihnen mehr Möglichkeiten und haptisches Material zum Ausprobieren und Entdecken gegeben wird.“ Der spätere Berufsalltag der angehenden Inklusionspädagogen erfordert sehr viel Vorbereitung. Denn man muss erst herausfinden, was ein Schüler individuell wirklich braucht.

Normalerweise werden Studierende des Grundschullehramts auf mehrere Unterrichtsfächer vorbereitet. Im Studiengang Inklusionspädagogik ist die fachliche Ausbildung auf Mathematik und Deutsch beschränkt. Stattdessen werden die Studierenden zusätzlich in den Fachbereichen Bildungswissenschaften und Inklusion ausgebildet. Zur Inklusion gehören drei Förderschwerpunkte: Emotionale Entwicklung, Soziale Entwicklung sowie Sprache und Lernen.

Erfahrung in der Praxis sammeln

Ein Porträt-Foto von Svenja Rohde

Svenja Rohde

Foto: privat

Im Rahmen des Bachelorstudiums müssen verschiedene Praktika absolviert werden, darunter ein Einführungspraktikum über zehn Wochen. Svenja Rohde hospitierte im ersten Semester in einer Grundschule. „Für zwei Praktika war ich an einer Integrationsschule und konnte eng mit einer Sonderpädagogin zusammenarbeiten. Wir haben in kleineren Klassenverbänden Kinder im Alter von sechs bis neun Jahren unterrichtet, die diverse Verhaltensauffälligkeiten zeigten oder einen diagnostizierten Förderbedarf hatten“, erzählt sie. „Ziel war es, die Kinder darauf vorzubereiten, ab der dritten oder vierten Klasse wieder in eine Regelklasse integriert zu werden. Da habe ich festgestellt, dass es mir absolut liegt, Kinder bei ihrer sozial-emotionalen Entwicklung zu begleiten und sie zu unterstützen. Das bringt mich an meine kreativen Grenzen und es macht mir unendlich viel Spaß mit ihnen zu arbeiten.“

Heterogene Klassenzusammensetzung

Svenja Rohde will auch das Thema ihrer Bachelorarbeit im Bereich Emotionale und Soziale Entwicklung schreiben. „Mich interessiert dieser Bereich sehr, weil man mit Kindern, die zum Beispiel ein besonders hohes Aggressionspotential haben, so viel machen kann. Am Ende können sie genauso viel in der Schule erreichen wie andere Kinder“, erzählt die Studentin. „Dafür geben wir den Kindern Alternativen und Strategien an die Hand, damit sie lernen, mit ihren Aggressionen bestmöglich umzugehen.“
Das Studium der Inklusionspädagogik ist für die Studentin eine optimale Vorbereitung auf die spätere Praxis: „Die Klassen sind heutzutage extrem heterogen. Die Realität an Schulen sieht nun mal so aus, dass eine Vielzahl an unterschiedlichen Lernständen, Sprachen, aber auch Bedürfnissen innerhalb einer Klasse vertreten ist. Wir lernen im Studium später so zu arbeiten, dass wir idealerweise alle Schüler ‚mitnehmen‘ können.“

Berufliche Zukunft noch offen

Wo sie mit ihrem Masterabschluss arbeiten wird, weiß Svenja Rohde noch nicht. Der Studiengang Inklusionspädagogik ist noch jung. „Im letzten Semester sind die ersten Masterstudierenden fertig geworden. Noch weiß niemand so genau, was sie oder er damit macht, ob das Studium in ein normales Grundschullehrerdasein mündet oder in den Förderbereich. Aber es gibt bereits ganz viele Inklusionsschulen, an denen nach genau dem Konzept und der Grundeinstellung gearbeitet wird, die in meinem Studium vermittelt werden.“

abi>> 30.07.2019