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Selbstständiges Lernen fördern

Frau hilft Schülern bei Matheaufgaben
Vor Aufnahme eines Lehramtsstudiums müssen einige Fragen geklärt werden, zum Beispiel: An welcher Schulart will ich später unterrichten?
Foto: Axel Jusseit

Lehramt studieren

Selbstständiges Lernen fördern

Nach dem Abi die Seiten wechseln? Die Lehrertätigkeit zählt für viele Abiturienten nach wie vor zu den interessantesten beruflichen Optionen. Da die Lehrerausbildung von Bundesland zu Bundesland jedoch unterschiedlich aufgebaut ist, gibt es einiges zu beachten.

In der Oberstufe spielte Thekla Mayerhofer zunächst eine Zeit lang mit dem Gedanken, Eventmanagement zu studieren. „Eine Art Eventmanagerin bin ich heute auch. Und Seelentrösterin, Streitschlichterin, Ärztin und Krisenmanagerin“, sagt die Grundschullehrerin schmunzelnd. Der Lehrerjob besteht eben nicht nur aus Unterrichten: „Ich bespreche mich mit meinen Kollegen, organisiere Exkursionen, Klassenfahrten und Projekttage und habe ein offenes Ohr für die Sorgen der Kinder und Eltern“, berichtet die 26-Jährige. „Wenn die Schüler um 13 Uhr nach Hause gehen, kümmere ich mich um die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts. Dafür reicht es nicht, wenn ich mir einfach den Lehrplan zu Gemüte führe, sondern ich schaue mir genau an, wo meine Schüler zurzeit stehen und was sie als nächstes lernen können. Dann erstelle ich entsprechende Unterrichtsmaterialien.“

Frontalunterricht ist überholt

Ein Porträt-Foto von Thekla Mayerhofer

Thekla Mayerhofer

Foto: Privat

Nach ihrem Referendariat kam Thekla Mayerhofer an die Grundschule Ulrich von Hutten in Halle, wo sie seit 2013 Mathematik, Deutsch, Sport und Englisch unterrichtet. Ihr Schwerpunkt ist die Schuleingangsphase, in der die ersten und zweiten Schulklassen gemeinsam unterrichtet werden. Ihr Studium absolvierte sie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. „Für mich stand von Anfang an fest, dass ich an einer Grundschule arbeiten will. Ich finde es wahnsinnig spannend zu erleben, wie aus verspielten Kindergartenkindern Schüler werden, die konzentriert arbeiten und in kurzer Zeit unglaublich viel lernen“, schildert sie.

Ihre Schüler kommen aus ganz unterschiedlichen Familien, zum Teil mit Migrationshintergrund, manche Kinder haben eine Behinderung. „Das Konzept, bei dem die Lehrerin nur vorne steht und vorgibt, was die Kinder zu lernen haben, ist überholt“, lautet ihre Erfahrung. „Ich möchte, dass meine Schüler in der Lage sind, selbstständig und in ihrem eigenen Tempo zu lernen. Deshalb ist es wichtig, dass ich sie genau beobachte und ihnen als Lernbegleiterin zur Seite stehe.“ Ihre Entscheidung für den Lehrerberuf bezeichnet die 26-Jährige als die beste ihres Lebens. „Als Studentin konnte ich mir noch nicht vorstellen, wie anstrengend der Job einmal sein würde. Gleichzeitig wurden meine Erwartungen in Bezug auf die Arbeit mit den Kindern übertroffen – ich wusste nicht, dass es so schön werden und ich täglich so positive Rückmeldungen bekommen würde“, sagt sie.

Motivation und Eignung prüfen

„Freude am Umgang mit Jugendlichen und Kindern und daran, ihnen Wissen zu vermitteln, ist sicherlich die Kernvoraussetzung für den Lehrerberuf“, sagt Daniel Born vom Hochschulteam der Agentur für Arbeit Karlsruhe-Rastatt. „Ein Praktikum hilft, von der Schüler- in die Lehrerperspektive zu wechseln, einen Einblick in die vielen Facetten des Lehrerberufs zu erhalten und die didaktischen, pädagogischen und psychologischen Anforderungen an die Lehrerrolle kennenzulernen“, empfiehlt er. Auch ein Ehrenamt in der Jugendarbeit, ein Nachhilfejob oder ein Freiwilliges Soziales Jahr bieten die Möglichkeit, sich vor Studienbeginn zu erproben und einem Praxisschock vorzubeugen.

Im Internet finden sich außerdem verschiedene Tests zur Selbsterkundung und Einschätzung der persönlichen Eignung für den Lehrerberuf, zum Beispiel der Selbsttest für das Lehramtsstudium in Baden-Württemberg, die Selbsterkundung zum Lehrerberuf mit Filmimpulsen (SeLF) oder Career Counselling for Teachers (CCT). In Bundesländern wie Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sind solche Tests sogar Voraussetzung für die Studienzulassung. Auch die Entscheidung, ob man später etwa an einem Gymnasium, einem Berufskolleg oder einer Grund-, Haupt- oder Realschule unterrichten will, muss im Vorfeld getroffen werden.

Keine Jobgarantie

Zwar werden vielerorts Lehrer gesucht, dennoch gibt es keine Jobgarantie für Lehramtsstudierende. Welche Fächerkombinationen in den nächsten Jahren gebraucht werden, hängt von verschiedenen Faktoren ab. „Es ist sinnvoll, sich bei der Wahl der Fächerkombination vorab mit den Prognosen hinsichtlich des Lehrerbedarfs in dem Bundesland, in dem man gerne arbeiten möchte, zu beschäftigen“, sagt Daniel Born. Einen guten Überblick über Lehrereinstellungsbedarf und -angebot gibt die Kultusministerkonferenz (KMK) in ihrer „Modellrechnung 2012 – 2025“.

Während in Bayern beispielsweise schon heute ein Bedarf an Lehrkräften für die Mittel- und Förderschulen herrscht, rechnet das Bayerische Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst hingegen bis ins nächste Jahrzehnt mit einem Überangebot an Bewerbern für Gymnasien und Realschulen – obwohl die Zahl der Studienanfänger bereits heute rückläufig ist.

Laut KMK gibt es hinsichtlich des Lehrerbedarfs deutliche Unterschiede zwischen westlichen und östlichen Bundesländern, Schularten und Fächern. So werden künftig etwa vor allem in den ostdeutschen Bundesländern Lehrer gesucht, deutschlandweit insbesondere an berufsbildenden sowie Förder- beziehungsweise Sonderschulen, in den Fächern Mathematik und Naturwissenschaften.

Bildung ist Ländersache

Weitere Informationen zu den Arbeitsmarktchancen liefern die Internetangebote der einzelnen Bundesländer. Denn: Bildung ist in Deutschland Ländersache. „Das führt dazu, dass 16 Bundesländer nicht nur eigene Schularten haben, sondern auch jeweils selbst festlegen, wie die Lehrer für diese unterschiedlichen Schularten ausgebildet werden“, erklärt Berufsberater Born.

So wird zum Beispiel in Baden-Württemberg das Lehramtsstudium zum Wintersemester 2015/16 vom Staatsexamen auf das Bachelor-/Mastersystem umgestellt. Damit gehen mehrere Änderungen einher, unter anderem verlängert sich das Studium für angehende Werkreal-, Haupt- und Realschullehrer von acht auf zehn Semester. Eine ausführliche Übersicht über die Lehrerausbildung in den verschiedenen Ländern findet sich auf studienwahl.de. Einen Überblick zum Lehramtsstudium gibt es in den FAQ. Da die Lehrerausbildung in den einzelnen Bundesländern einem stetigen Wandlungsprozess unterliegt, sollte man sich vor Aufnahme eines Lehramtsstudiums auf jeden Fall beim Kultusministerium des jeweiligen Bundeslandes und an der Wunschhochschule nach den aktuell gültigen Ausbildungsmodalitäten erkundigen.

Hinschauen beim Hochschulwechsel

Ebenso muss man sich genau informieren, wenn man plant, während des Lehramtsstudiums die Hochschule zu wechseln. Die „Regelungen und Verfahren zur Erhöhung der Mobilität und Qualität von Lehrkräften“ der KMK von 2013 sehen zwar vor, dass die Hochschulen Studien- und Prüfungsleistungen gegenseitig anerkennen, insofern keine wesentlichen Unterschiede zwischen den Studiengängen bestehen. Dennoch kann sich die Umsetzung in der Praxis angesichts der länderspezifischen Regelungen im Einzelfall schwierig gestalten, vor allem wenn das Studium bereits fortgeschritten ist.

Aber auch wenn es mit dem Wechsel klappt, gibt es einiges zu beachten: „Man bewirbt sich regulär bei der neuen Universität und diese entscheidet, welche bisherigen Studienleistungen anerkannt werden“, erklärt Sabine Reich, Berichterstatterin der Kultusministerkonferenz (KMK) für Lehrerbildung. Grundsätzlich sei es möglich, von einem Bachelor- oder Masterstudium in einen Studiengang, der mit Staatsexamen abschließt, zu wechseln. Schwieriger werde es hingegen beim Wechsel vom Staatsexamen in Bachelor-/Masterstrukturen. „Dann kann man, trotz fortgeschrittenem Studium, nur in einen Bachelorstudiengang wechseln“, sagt Sabine Reich. „Erst wenn man den Bachelorabschluss oder einen anderen berufsqualifizierenden Hochschulabschluss hat, kann man in einem Masterstudiengang zugelassen werden.“

Grundsätzlich werden die verschiedenen Studienabschlüsse in ganz Deutschland anerkannt, auch wenn die Lehramtstypen und Schulformen in den Bundesländern unterschiedliche Bezeichnungen tragen. „Sofern Stellen vorhanden sind, können sich fertige Lehrer überall bewerben“, weiß Sabine Reich. Das Gleiche gilt für den Vorbereitungsdienst. Allerdings kann man bei der Einstellung in den Schuldienst nicht überall mit gleichen Konditionen rechnen. Nicht in allen Ländern ist beispielsweise eine Verbeamtung üblich; auch Gehaltseinstufungen können sich unterscheiden.

Tätigkeit außerhalb der Schule

Ausgebildete Lehrer können – wie andere Hochschulabsolventen – auch Aufgaben in der freien Wirtschaft übernehmen oder in der außerschulischen Pädagogik arbeiten, beispielsweise an Sprachschulen oder Bildungseinrichtungen für Erwachsene.

Lehrer, die geisteswissenschaftliche Fächer wie Deutsch oder Geschichte studiert haben, sind zum Beispiel auch bei Schulbuchverlagen beschäftigt, während Lehrer mit naturwissenschaftlichem Studium die Möglichkeit haben, sich etwa bei Forschungseinrichtungen zu bewerben. Wer an der Hochschule bleiben möchte, kann auch als Dozent in die Lehrerbildung gehen.

Auf einen Blick: Lehrerausbildung in den Bundesländern

Die Lehrerausbildung unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland. Einen Überblick bieten die Kultusministerien der Bundesländer, die Hochschulen, an denen ein Lehramtsstudium möglich ist, und das Portal studienwahl.de unter www.studienwahl.de/de/studieren/studienfelder/lehraemter0222.htm.

 

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchworte: Lehrer/in, Lehramt)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. (Suchwort: Lehramt)
www.studienwahl.de

Ausführliche Informationen zum Lehramtsstudium, sortiert nach Bundesländern und Schularten, gibt es unter www.studienwahl.de/de/chstudieren/chstudienfelder.htm

Kultusministerkonferenz (KMK)

Die KMK ist ein Zusammenschluss der für Bildung und Erziehung, Hochschulen und Forschung sowie kulturelle Angelegenheiten zuständigen Minister bzw. Senatoren der Länder.
www.kmk.org

Die KMK informiert auf ihren Seiten über Lehrereinstellungsbedarf und -angebot in Deutschland: http://www.kmk.org/fileadmin/pdf/Statistik.pdf

„Regelungen und Verfahren zur Erhöhung der Mobilität und Qualität von Lehrkräften“ von 2013: http://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse.pdf

Deutscher Lehrerverband

Der Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer in der Bundesrepublik. www.lehrerverband.de

Verband Bildung und Erziehung, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

Die Mitglieder der Bildungsgewerkschaft GEW gehören pädagogischen und wissenschaftlichen Berufen an.
www.gew.de

Deutscher Bildungsserver

Das Portal des Deutschen Bildungsservers liefert Infos rund um die Lehrerausbildung.
www.lehrer-werden.de

Selbsttest für das Lehramtsstudium in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg ist der Selbsterkundungstest für Lehramtsstudierende verpflichtend.
www.bw-cct.de

SeLF

SeLF – Selbsterkundung zum Lehrerberuf mit Filmimpulsen – wurde an der Ludwig-Maximilians-Universität München entworfen. www.self.mzl.lmu.de

Career Counselling for Teachers (CCT)

Laufbahnberatung für (angehende) Lehrer inklusive Selbsttest www.cct-germany.de

abi>> 09.11.2015