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In den prägenden Jahren eine wichtige Rolle spielen

Ein buntes Klassenzimmer
Lehrerinnen und Lehrer haben die Aufgabe, die Lust am Lernen so lange wie möglich aufrecht zu erhalten.
Foto: Jessica Braun

Lehrer/in werden – Grundschullehramt

In den prägenden Jahren eine wichtige Rolle spielen

Lehrer am Gymnasium zu werden, scheint als Abiturient naheliegend – das ging auch Philipp Heintze (28) so. Dann hat er sich allerdings entschieden, Grundschulpädagogik zu studieren. An der Freien Universität (FU) Berlin beschäftigt er sich nun viel mit der Frage, wie er den jüngsten Schülern das Lernen beibringen kann.

Kinder sind ungemein wissbegierig. "Das geht leider im Laufe der Jahre oft verloren und weicht manchmal gar einer totalen Abneigung gegenüber der Schule. Ich möchte daher herausfinden, wie ich als Lehrer die Motivation fürs Lernen so lange wie möglich aufrechterhalten kann“, sagt Philipp Heintze. Der 28-Jährige studiert derzeit im fünften Semester im Dreifach-Bachelor Grundschulpädagogik an der Freien Universität Berlin und hat sich für die Fächer Deutsch, Mathematik und Sachkunde entschieden.

Zuvor hatte er fünf Jahre in der Filmbranche gearbeitet. „Lehrer werden, das spukte mir aber seit dem Abi im Kopf rum. Ich erkläre gerne Dinge. Das war damals für meine Studienwahl ausschlaggebend. Ich habe mir das Studium nach dem Abi aber nicht zugetraut, vor allem hatte ich fachliche Zweifel“, erinnert er sich. „Wie viele andere auch hatte ich ja nur das Gymnasium auf dem Schirm.“

In Gesprächen mit seiner damaligen Freundin entdeckte er dann aber das Grundschullehramt für sich. „Ich habe mich daran erinnert, wie prägend diese Jahre für mich waren. Da wurde mir klar, dass ich in dieser entscheidenden Lebensphase eine wichtige Rolle für Kinder spielen kann – und genau das auch tun möchte“, sagt er heute.

Zwei Schulpraktika aus Eigeninitiative

Ein Porträt-Foto von Philipp Heintze

Philipp Heintze

Foto: privat

Bei zwei Praktika an Berliner Schulen probierte er noch vor dem Studium aus, ob ihm der Beruf tatsächlich liegt. „Ich war im wohlbehüteten Pankow und in Reinickendorf an einer Brennpunktschule – ein sehr spannender Kontrast. An beiden Schulen habe ich wunderbare, sehr gute Erfahrungen gemacht, etwa, wie unvoreingenommen Kinder auf einen zugehen und einen in ihr Herz schließen. Besonders in Reinickendorf habe ich zudem gemerkt, wie wichtig es sein kann, dass Schüler nicht nur einen Vater als männliche Identifikationsfigur haben.“

Das gute Feedback seiner Betreuungslehrer und die Freude am Lehren haben bei ihm die letzten Zweifel ausgeräumt: Er schrieb sich fürs Studium ein. Anders als viele seiner Mitstudierenden musste Phillip Heintze am Ende des zweiten Semesters kein sechswöchiges Schulpraktikum absolvieren – seine Praktika wurden ihm angerechnet.

Bestärkendes Miteinander im Studium

Gut am Studium findet der 28-Jährige, dass er sehr anschaulich lernt, wie einfach auch komplexe Sachverhalte vermittelt werden können. „Faszinierend, wie genial einfach Mathe sein kann! Das hätte ich mir auch in meiner Schulzeit so gewünscht“, erzählt er lachend. Zudem schätzt er das Miteinander: „Konkurrenz gibt es bei uns nicht. Unser Studium ist nicht nur inhaltlich sozial.“

Dass er einer der wenigen Männer ist – zirka 80 Prozent seiner Kommilitonen sind Frauen – macht ihm nichts aus, im Gegenteil. „Ich empfinde den Gedankenaustausch mit Frauen als ungemein bereichernd“, sagt er. Deshalb findet er es schade, dass viele Männer vor dem Grundschullehramt zurückschrecken.

Verständnis haben, aber authentisch bleiben

Phillip Heintze denkt, dass es ihm später helfen wird, authentisch seinen Mann zu stehen: „Ich möchte nicht nur analysieren und reflektieren, sondern auch Kritik üben können und Schülern sagen, dass mich ein gewisser Verhaltenszug nervt.“ Nach der Bachelorarbeit im nächsten Semester warten allerdings noch vier Semester Masterstudium, ein eineinhalbjähriger Vorbereitungsdienst und das zweite Staatexamen auf ihn. „Darüber bin ich froh. Morgen gleich zu unterrichten und die volle Verantwortung zu übernehmen, könnte ich mir jetzt noch nicht vorstellen“, sagt er.

Trotz seiner positiven Erfahrungen an der Brennpunktschule Reinickendorf würde er lieber erst einmal nicht vor einer schwierigen Klasse stehen müssen. „Ich möchte meinen Fokus auf Inhalte legen und mich nicht nur mit erzieherischen Aufgaben beschäftigen müssen. Vielleicht zieht es mich eher in eine kleinere Stadt.“ Ob ihm dies gelingt, ist ungewiss, denn sein Studium ist gezielt auf das landesspezifische Schulsystem abgestimmt. Das Besondere dabei: In Berlin und Brandenburg geht die Grundschule, im Unterschied zu allen anderen Bundesländern, bis zur 6. Klasse. Da heißt es: bewerben und Daumen drücken.

abi>> 19.03.2019