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Gemeinsam lernen, gemeinsam leben

Eine Lehrerin und ein Schüler im Rollstuhl sitzen im Klassenzimmer.
Wie können Kinder mit und ohne Behinderung miteinander, voneinander lernen? Das Thema Inklusion spielt an Schulen und auch bereits im Lehramtsstudium eine immer größere Rolle.
Foto: Stache

Lehramt mit Schwerpunkt Inklusion - Hintergrund

Gemeinsam lernen, gemeinsam leben

Schüler mit und ohne Behinderung gemeinsam zu unterrichten, stellt Lehrer vor unterschiedliche Herausforderungen. Spezialisierte Lehramtsstudiengänge sollen dabei helfen, aus dem Schlagwort „Inklusion“ Realität werden zu lassen.

Ob mit oder ohne Behinderung, alle Kinder sollen gemeinsam lernen, dazu verpflichtete sich Deutschland 2009 mit Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention. Sie stärkt die Rechte von Menschen mit Behinderung – in der Schule, im Beruf und im alltäglichen Leben.

Ein Porträtbild von Christina Marx

Christina Marx

Foto: privat

Die Bemühungen tragen bereits Früchte: Fast jedes dritte Kind mit Förderbedarf besuchte in Deutschland im Schuljahr 2013/14 eine Regelschule – ein Anstieg um 71 Prozent gegenüber dem Schuljahr 2008/09, stellte die Bertelsmann-Stiftung fest. Dennoch sinkt der Anteil der Schüler, die eine Förderschule besuchen, kaum. „Das liegt vor allem daran, dass bei immer mehr Schülern ein sonderpädagogischer Förderbedarf festgestellt wird“, erklärt Christina Marx von der Sozialorganisation „Aktion Mensch“, die auch im Expertenkreis „Inklusive Bildung“ der Unesco sitzt.

Große Unterschiede zwischen Bundesländern

Der Stand in Sachen Inklusion ist in den Bundesländern derzeit sehr unterschiedlich. Bremen hat beispielweise als erstes Bundesland die Förderschulen weitgehend abgeschafft, auch in Schleswig-Holstein wird viel für Inklusion getan. „Eine ganze Reihe von Förderzentren haben dort inzwischen keine eigenen Schüler mehr, sondern agieren ausschließlich als Unterstützungssystem in der allgemeinen Schule“, erklärt Professor Andreas Hinz, Leiter des Arbeitsbereiches Allgemeine

Rehabilitations-/Integrationspädagogik an der Universität Halle.
Auch sind Unterschiede zwischen großen und kleinen Bundesländern abzulesen. Im Schuljahr 2014/2015 wurden in Bremen laut Aktion Mensch drei Viertel der Kinder mit Förderbedarf inklusiv unterrichtet, in Hessen gerade einmal knapp ein Viertel. Und je höher die Bildungsstufe, desto geringer wird diese Quote. „Es wird – es muss – sich dabei noch einiges tun“, sagt Christina Marx.

Heterogenität als Thema im Studium

Fest steht also: Wer sich heute für den Lehrerberuf entscheidet, für den wird Inklusion Teil der Arbeitswelt sein (siehe auch „Mit- und voneinander lernen“). Für Andreas Hinz umfasst der Begriff Inklusion dabei viel mehr als nur den Aspekt Behinderung. Er plädiert dafür, „Heterogenität der Schüler zum Thema für das ganze Lehramtsstudium zu machen, so dass es ein permanenter Aspekt der Lehrerbildung ist.“

Auch bei der Ausbildung der Lehrer gibt es große Unterschiede – zwischen den Bundesländern, aber auch zwischen einzelnen Hochschulen. Jede Einrichtung setzt eigene Schwerpunkte: Während an einigen Hochschulen gerade beim Gymnasiallehramt Inklusion nach wie vor keine Rolle spielt, ist es an anderen Universitäten mittlerweile Pflicht, ein Praktikum an einer inklusiv arbeitenden Schule zu absolvieren. Darüber hinaus bieten einige Hochschulen spezielle Schwerpunkte im Lehramtsstudium an, wie „Heterogenität und Inklusion“ an der Pädagogischen Hochschule Weingarten oder „Inklusive Pädagogik“ an der Universität Bremen (siehe auch „Allen Kindern einen guten Schulstart ermöglichen“).

Für den Lehrerberuf selbst, sagt Andreas Hinz, müsse die Veränderung gar nicht so groß sein: „Je nachdem, wie man seine Aufgabe als Lehrer versteht: Inklusion bedeutet ja nichts weniger als die Strategie, die Schüler in ihrer Unterschiedlichkeit mit- und voneinander lernen zu lassen.“ Und eben nicht, dass alle Schüler ein vorgeschriebenes Lernziel im gleichen Tempo auf die gleiche Art erreichen müssen.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchworte: Lehramt, Inklusion.)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. (Suchworte: Lehramt, Inklusion.)
www.studienwahl.de

Aktion Mensch

Die Sozialorganisation informiert Kinder, Jugendliche und Studenten ebenso wie Lehrer und Ausbilder über das Thema Bildung und Inklusion.
www.aktion-mensch.de/themen-informieren-und-diskutieren/bildung.html

Deutsche UNESCO-Kommision

Hintergrundinformationen rund um inklusive Bildung
www.unesco.de/bildung/inklusive-bildung.html

Bundeszentrale für politische Bildung (BPB)

BPB-Unterrichtsthema „Inklusion“ mit unterschiedlichen Medien und Angeboten
www.bpb.de/lernen/themen-im-unterricht/208749/inklusion

Kultusministerkonferenz

Der Zusammenschluss der Kultusminister aller deutscher Bundesländer umreißt das Thema Inklusion für allgemeinbildende Schulen.
www.kmk.org/themen/allgemeinbildende-schulen/inklusion.html

Regionale Beratungs- und Unterstützungszentren (Rebuz) Bremen

Die Rebuz bieten Beratung für die Bereiche Inklusion, Diagnostik, Prävention und mehr.
www.rebuz.bremen.de

abi>> 05.07.2017