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Das Einmaleins des Unterrichtens lernen

Eine junge Lehrerin schreibt etwas an die Tafel
Wissbegierde, eine soziale Ader und ihr Interesse für Menschen, brachten Nina Maaß (22) dazu, sich für ein Lehramtsstudium zu entscheiden.
Foto: privat

Lehrer/in werden – Hintergrund

Das Einmaleins des Unterrichtens lernen

Nach dem Abi die Perspektive wechseln und nicht in der Klasse sitzen, sondern davor stehen? Dafür haben sich allein im Wintersemester 2018/19 bundesweit wieder knapp 60.000 junge Menschen entschieden und ein Lehramtsstudium aufgenommen. Ihre Wege können dabei sehr unterschiedlich aussehen, denn Bildung ist Ländersache. Trotzdem gibt es Eckpunkte, die für alle angehenden Lehrer gelten.

Nina Maaß‘ beruflicher Weg war schon lange vorgezeichnet – zumindest aus Sicht ihrer Mutter: „Sie hat immer behauptet, ich hätte eine Lehrerpersönlichkeit“, erzählt die 22-Jährige lachend. „Das stimmt aber auch, ich bin wissbegierig und habe eine soziale Ader.“ Das und ihr Interesse an Menschen führte sie in ihr Lehramtsstudium an Gymnasien an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, zunächst in den Zwei-Fach-Bachelor in Mathematik und Biologie. Ihre Fächer konnte sie nicht völlig frei wählen, denn Niedersachsen lässt nur bestimmte Fächerkombinationen im Lehramt zu.

Schon während des ersten Pflichtpraktikums in einer Schule merkte Nina Maaß, dass sie sehr gerne vor der Klasse steht. „Diese Mischung aus freundlich, aber bestimmt gelingt mir ganz gut“, schätzt sie sich ein. Den Fokus auf rein erzieherische Aufgaben möchte die angehende Lehrerin allerdings nicht setzen: „Mir geht es darum, Wissen und Kompetenzen zu vermitteln, um die Lernenden bestmöglich auf ihr zukünftiges Leben vorzubereiten. Deshalb habe ich mich für das Gymnasiallehramt entschieden.“

Gestufte Lehrerausbildung

Ein Porträt-Foto von Nina Maaß

Nina Maaß

Foto: privat

Mittlerweile ist die 22-Jährige bereits im dritten von vier Semestern des Masterstudiums Lehramt an Gymnasien. Im sogenannten Master of Education vertieft sie ihre fachlichen Kenntnisse und ergänzt diese mit bildungs- und erziehungswissenschaftlichen Inhalten. „Didaktik und Pädagogik haben im Masterstudium einen viel höheren Stellenwert als im Bachelor‘“, sagt sie. Außerdem hat die Hobby-Volleyballerin zu ihren zwei Bachelorfächern nun noch Sport als Erweiterungsfach hinzugenommen.

Der Übergang zwischen Bachelor und Master war für Nina Maaß an ihrer Heimatuni Oldenburg nur eine Formalie. „Ich hatte meine Bachelorarbeit noch gar nicht offiziell abgegeben, da bin ich schon in den Master gestartet, habe meine Bewerbung also nur pro forma abgegeben – eine bestimmte Punktzahl musste ich dafür nicht haben“, erzählt sie.

Nach ihrem Masterabschluss, der dem ersten Staatsexamen gleichgestellt ist, hofft die angehende Lehrerin darauf, bald einen Platz für den Vorbereitungsdienst zu ergattern. „Mit Mathe stehen die Chancen auf ein Referendariat in Niedersachsen gerade ganz gut“, erklärt Nina Maaß.

Bildung ist Ländersache

Ein durchgängiges Lehramtsstudium auf Staatsexamen gibt es in Niedersachsen – anders als an einzelnen Universitäten in Bayern, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Thüringen – nicht (mehr). Dort, wie auch in vielen anderen Bundesländern, wurde die Lehrerausbildung auf das Bachelor- und Mastersystem umgestellt. Der Bachelor dauert in der Regel sechs bis acht Semester und wird in zwei Fächern studiert. Der Master dauert in der Regel zwei bis vier Semester und vertieft die beiden Fächer des Bachelor. Die Wahl eines Drittfachs ist möglich.

Doch egal welche Fächerkombination, ob besondere Schulfächer wie „Schulgarten“ in Thüringen, „Alltagskultur und Gesundheit“ in Baden-Württemberg, Wirtschaftspädagogik für Berufsschulen oder klassische Hauptfächer wie Deutsch, Mathe oder Englisch: „Wer auf Lehramt studiert, legt sich in der Regel immer auf eine Schulart fest“, sagt Judith Blumenberg, Berufs- und Studienberaterin der Agentur für Arbeit Erfurt. Entsprechend der verschiedenen Schularten gibt es in Deutschland das Lehramtsstudium für Grundschulen (Primarstufe), für Real-, Haupt- und Mittelschulen (Sekundarstufe I), für Gymnasien (Sekundarstufe II), für Förder- und Sonderschulen sowie für berufliche oder berufsbildende Schulen und Berufskollegs. Je nach Bundesland sind auch schulartübergreifende Studiengänge möglich.

Aufgrund der feinen Unterschiede im föderalen Schulsystem in Deutschland rät die Berufsberaterin, früh den Kontakt zur Wunschhochschule zu suchen und sich über die dortigen Optionen zu informieren. „An den meisten Hochschulen gibt es Zentren für die Lehrerausbildung. Dort werden Studieninteressierte ausführlich zu den Besonderheiten der Lehrerausbildung im jeweiligen Land beraten“, sagt sie. (abi>> hat eine Übersicht über die Schulsysteme der Bundesländer zusammengestellt. Einen ersten Überblick über die Lehramtsausbildung in einzelnen Bundesländern liefert das Portal studienwahl.de.) Auf Lehramt studiert man fast ausschließlich an Universitäten, in Baden-Württemberg an Pädagogischen Hochschulen. In einigen Bundesländern ist das Lehramtsstudium auch an Fachhochschulen möglich, bis auf eine Ausnahme betreffen diese Studiengänge allerdings nur das Lehramt für Berufskollegs.

Überall Pflicht: das Referendariat

Nach dem Studium ist jedenfalls in ganz Deutschland ein ein- bis zweijähriger, überwiegend schulpraktischer Vorbereitungsdienst vorgesehen – egal ob mit Masterabschluss oder erstem Staatsexamen. (Mehr über den Ablauf eines Vorbereitungsdienstes erfährst du in „Unterrichten unter strenger Beobachtung“.) Eine Garantie auf einen Platz für das sogenannte Referendariat gibt es allerdings in den wenigsten Fällen. Grundsätzlich ist es möglich, für das Referendariat in ein anderes Bundesland auszuweichen – allerdings nur, wenn es die studierte Schulart und die Fächerkombination vor Ort auch gibt. Dasselbe gilt später auch für Absolventen.

Der Vorbereitungsdienst wird durch Bestehen des zweiten Staatsexamens abgeschlossen. Anders als in Berlin (Stand: Januar 2018) ist in den meisten Bundesländern eine Verbeamtung nach dem Vorbereitungsdienst mittlerweile wieder vorgesehen – vorausgesetzt, die Lehreranwärter erfüllen bestimmte Kriterien, etwa gute physische und psychische Gesundheit.

Lehrermangel vs. Lehrerüberschuss

Informiert man sich aktuell über den Lehrerberuf, stößt man fast unweigerlich auf Schlagwörter wie Lehrermangel – und Lehrerüberschuss. Was trifft denn nun zu und für wen? „Wer Mathe, Chemie, Physik oder Informatik, aber auch Englisch, Musik oder Kunst auf Lehramt an Gymnasium studiert, hat derzeit später gute Chancen auf eine Stelle“, ordnet Dr. Marco Mundelius aus dem Statistikreferat der Kultusministerkonferenz (KMK) ein. „Es zeichnet sich aber ab, dass wir in anderen Fächern in der Sekundarstufe II, also an allgemeinbildenden Gymnasien, auf ein Überangebot an Lehrern zusteuern.“

An Grundschulen und Berufsschulen dagegen herrsche eher Lehrermangel, im Osten Deutschlands mehr als im Westen. (Mehr über das Studium der Grundschulpädagogik erfährst du in „In den prägenden Jahren eine wichtige Rolle spielen“.) Auch können nach der neuesten KMK-Modellrechnung vom Oktober 2018 sonderpädagogische Lehrämter im Durchschnitt bis ins Jahr 2030 nur zu knapp 87 Prozent besetzt werden.
„Grundsätzlich sollte man sich aber nicht nur von Zahlen leiten lassen. Unsere Modellrechnung basiert auf Bedarfsprognosen der Kultusministerien in den Ländern, die sich mit politischen Verschiebungen wieder ändern können“, betont der Experte. Auch Berufsberaterin Judith Blumenberg erklärt: „Ich empfehle, nicht ausschließlich nach Lehrerbedarf zu studieren, sondern vor allem nach Neigung. Denn nur, wer für ein Fach wirklich brennt, kann andere Leute damit anstecken. Und genau darum geht’s doch beim Lehrerdasein: Schüler zum Lernen zu motivieren!“

Habe ich das Zeug zum Lehrer?

Ein Porträt-Foto von Judith Blumenberg

Judith Blumenberg

Foto: privat

Neben der Liebe zum Fach sollten Studieninteressierte zudem gerne mit Menschen arbeiten sowie Selbstbewusstsein, Engagement, Stressresistenz und Flexibilität mitbringen: „Einiges davon kann man lernen, anderes liegt in der eigenen Persönlichkeit begründet“, sagt Judith Blumenberg.

Um herauszufinden, ob man für den Lehrerberuf geeignet ist, empfiehlt die Berufsberaterin ein Praktikum, ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder zumindest einen Selbsttest. (Mehr zu den Herausforderungen im Lehramt erfährst du im Interview „Ein Beruf, der viel zurückgibt“. ) „Wer etwa beim Online-Selbst-Test „Career Counseling for Teachers“ (CCT ) bei den sozialpädagogischen Fragen gedanklich aussteigt, ist für den Beruf eher nicht geeignet“, sagt sie. In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ist der Test übrigens für alle Pflicht, die auf ein Lehramt studieren wollen. Ein weiterer Test ist die Selbsterkundung zum Lehrerberuf mit Filmimpulsen (SeLF) der Ludwig-Maximilians-Universität München. Durch 16 kurze Filme und Reflexionsfragen können Teilnehmer ihren Berufswunsch hinterfragen.

Übrigens: Einige Hochschulen fordern bei der Studienbewerbung ein Stimmgutachten ein, das sogenannte phoniatrische Gutachten. Bei diesem untersucht ein Facharzt, ob der Bewerber dem stimmlich und akustisch anstrengenden Beruf des Lehrers gewachsen ist, also zum Beispiel, ob er ausdauernd, laut und deutlich genug sprechen kann. Das Gutachten kann zwischen 100 und 150 Euro kosten.

Alternativen zum Lehrerdasein

Trotz aller Tests, Praktika und Co. kann es natürlich sein, dass man erst im Laufe seines Lehramtsstudiums herausfindet, dass einem das Unterrichten nicht liegt. Mit dem Bachelor, Master oder dem Staatsexamen in der Tasche können sich Absolventen aber auch in der freien Wirtschaft bewerben.

Andersherum gilt unter Umständen Dasselbe: In sogenannten Mangelfächern – derzeit nicht nur in MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik), sondern auch im musisch-künstlerischen Bereich – sowie insbesondere an Grund- und Berufsschulen haben Quereinsteiger mit Fachstudium und Berufserfahrung in vielen Bundesländern Chancen als Lehrer. Für das Lehramt an berufsbildenden Schulen entscheiden sich zum Beispiel viele Menschen während ihrer eigenen dualen Berufsausbildung. Voraussetzung für quereinsteigende Lehrer ist meist, dass sie ihre Befähigung im Rahmen eines Referendariats und anschließendem zweiten Staatsexamen nachweisen.

Weitere Informationen

BERUFENET
Das Netzwerk der Bundesagentur für Arbeit für Berufe mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Lehramt)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

 

studienwahl.de
Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. (Suchwort: Lehramt oder Studienfeld Lehramt)
www.studienwahl.de

 

Kultusministerkonferenz (KMK)
Die KMK informiert auf ihrer Webseite über die Lehreraus- und fortbildung in Deutschland, über die Anerkennung von Lehramtstudienabschlüssen in den Ländern, sowie über den prognostizierten Lehrereinstellungsbedarf.
www.kmk.org/themen/allgemeinbildende-schulen/lehrkraefte.html

 

Pädagogischer Austauschdienst des KMK
Staatliche Einrichtung für den internationalen Austausch und die internationale Zusammenarbeit im Schulbereich.
www.kmk-pad.org

 

Career Counselling for Teachers (CCT)
Selbsterkundungtest für alle, die Lehrer/in werden wollen
www.cct-germany.de

 

Selbsterkundung zum Lehrerberuf mit Filmimpulsen (SeLF)
Angebot der Ludwig-Maximilians-Universität München
www.self.mzl-lmu.de

 

PArcours – Eignungsberatung
Angebot für Studieninteressierte und Lehramtsstudierende der Universität Passau
www.parcours-eignung.de

 

Informationssystem Studienwahl & Arbeitsmarkt (ISA)
Überblick über unterschiedliche Bedarfsprognosen im Teilarbeitsmarkt Lehrer
www.uni-due.de/isa/auswahl_frm.htm

 

Portal des Deutschen Bildungsservers
Das Portal begleitet angehende Lehrer auf ihrem Weg von der Studienentscheidung bis zu den ersten Berufsjahren. Es bietet Informationen über Länder- und Hochschulgrenzen hinweg.
www.lehrer-werden.de

 

Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD)
Auf dem Portal „Studieren weltweit“ informiert der DAAD auch über Auslandsaufenthalte im Lehramtsstudium. Die Infos ganz kompakt gibt’s in einer Broschüre zum Download.
www.studieren-weltweit.de/Lehramt

 

Verband Bildung und Erziehung (VBE)
Vertritt als parteipolitisch unabhängige Gewerkschaft die Interessen von rund 164.000 Pädagoginnen und Pädagogen bundesweit
www.vbe.de

 

Gewerkschaft Erziehung und Wissensschaft (GEW)
www.gew.de

abi>> 25.03.2019