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Lust auf Land und Leute machen

Eine junge Frau macht Notizen vor einem Beamer
Um den Schülern das eigene Fach näherzubringen ist häufig Kreativität gefragt.
Foto: Hans-Martin Issler

Lehrer/in werden – Im Lehramtsstudium ins Ausland

Lust auf Land und Leute machen

Plätzchen „à la maman“ backen, Grimm’sche Märchen interpretieren und über den Gelben Sack diskutieren: Lehramtsstudent Hendrik Peeters (22) hat sich einiges einfallen lassen, um Schülern in Frankreich die deutsche Sprache und Kultur näherzubringen. Genau das war seine Aufgabe als Fremdsprachenassistent, berichtet er abi>>.

Wer in Nordrhein-Westfalen eine moderne Fremdsprache auf Lehramt studiert, für den ist ein Auslandsaufenthalt von mindestens drei Monaten verpflichtend. Ich studiere Französisch und Chemie auf Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen an der Uni Paderborn, also war klar, dass mich mein Studium auch ins Ausland führen würde.

Deutschunterricht an drei Schulen

Ein Porträt-Foto von Hendrik Peeters

Hendrik Peeters

Foto: privat

Statt für ein Semester an eine französische Uni zu gehen, wollte ich aber voll in das französische Schulsystem und die Kultur eintauchen. Ich möchte meinen Schülern in Deutschland später ganz authentisch Sprache und Land vermitteln können. Deshalb habe ich mich für eine Fremdsprachenassistenz an einer französischen Schule entschieden. Ein Fremdsprachenassistent begleitet als Muttersprachler im Ausland den Deutschunterricht an öffentlichen Schulen. Organisiert wird dies bundesweit vom Pädagogischen Austauschdienst (PAD) der Kultusministerkonferenz (KMK).

In meinen Fall waren es sogar drei Schulen: eine Oberstufenschule, in Frankreich Lycée genannt, und zwei Collèges, vergleichbar mit der deutschen Sekundarstufe I für Schüler zwischen elf und 14 Jahren. Alle drei Schulen waren im südfranzösischen Castres, etwa 80 Kilometer von Toulouse entfernt – ein Städtchen mit zirka 40.000 Einwohnern. Dort habe ich 2016/17 sechs interessante, sehr bereichernde Monate verbracht. Mich hat die Zeit in Frankreich sowohl fachlich als auch persönlich weitergebracht.

Ab nach Südfrankreich

Aber von vorne: Fast ein ganzes Jahr zuvor hatte ich mich beim PAD für die Fremdsprachenassistenz beworben – samt Motivationsschreiben, Lebenslauf, Leistungsbescheinigungen und dem Gutachten eines meiner Dozenten. Bei einem Bewerbungsgespräch wurden dann nicht nur meine Französischkenntnisse überprüft, sondern auch, ob ich mich im tagesaktuellen Geschehen in Deutschland auskenne. Mitte Juni bekam ich die Zusage und im Juli ein Schreiben der Akademie Toulouse mit der Info, dass ich die Möglichkeit habe, in Castres Deutsch mit zu unterrichten. Die Region Toulouse war tatsächlich mein Erstwunsch.

Dann machte ich mich ans Organisieren – Auslandskrankenversicherung abschließen, Urlaubssemester beantragen und ganz wichtig: Wohnung suchen. Ich habe im Internet nach Wohnungsanzeigen geschaut und viele Vermieter – später auch Makler – angeschrieben. Bei Letzteren wurde ich zum Glück fündig.

Blind wollte ich aber keine Wohnung nehmen, also bin ich in den Semesterferien zur Besichtigung hingeflogen, was eine sehr gute Idee war. So konnte ich die Deutschlehrerinnen kennenlernen, denen ich später assistieren würde. Außerdem nutzte ich die Gelegenheit, ein Bankkonto zu eröffnen. Für die Fremdsprachenassistenz bekommt man je nach Land etwa 800 Euro Aufwandsentschädigung.

Teamteaching und Eigenverantwortung

In Abstimmung mit den Deutschlehrinnen in Castres habe ich nach einer kurzen Einarbeitungszeit die Vorbereitung kompletter Unterrichtsstunden übernommen – sowohl in den beiden Collèges als auch im Lycée. Der Unterricht selbst erfolgte im Teamteaching, also zu zweit. Dabei wird entweder abwechselnd gelehrt oder die Klasse aufgeteilt. In den Collèges habe ich versucht, den jüngeren Schülern Deutschland spielerisch näherzubringen – zum Beispiel mit dem Lied „Backe, backe Kuchen“ und einem echten Plätzchen-Rezept meiner Mutter. Alles authentisch und lecker, da waren sich die Schüler, Lehrer und ich nach dem Backen jedenfalls einig!

Im Lycée mit den älteren Schülern habe ich viel in Kleingruppen gearbeitet und Themen diskutiert, die für das Baccalauréat, das französische Abitur, auf dem Lehrplan standen. Dazu zählten etwa „Mythen und Helden“ oder „Umwelt“ – gemeinsam haben wir also „Frau Holle“ gelesen und über das komplexe deutsche Mülltrennungssystem diskutiert.

„Besser als ein Auslandssemester“

Wenn man weiß, dass es für die Schüler aufs Abi zugeht, lastet viel Verantwortung auf einem, zumal ich damals selbst erst 20 Jahre alt und damit kaum älter als die Abiturienten war. Trotzdem haben mich alle ernstgenommen. Als Muttersprachler stahlt man Kompetenz aus und es war ein großes Interesse an der deutschen Kultur da. Auch die Lehrerkollegen waren offen und haben mir viel Wertschätzung entgegengebracht. Mit ein paar kam ich auch privat gut klar, wurde zum Essen, auf Feiern oder zum Weihnachtsmarktbesuch eingeladen. Zudem habe ich einiges mit den anderen Fremdsprachenassistenten aus China, Nicaragua und England unternommen.

Wenn ich vergleiche, was mir meine Kommilitonen von ihrem Auslandssemester erzählen, weiß ich: Castres hat mich auch sprachlich enorm weitergebracht. Ich habe gehört und verstanden, was Alltagsfranzösisch ausmacht und wie Jugendliche reden, habe nicht nur mit anderen „Internationals“ Englisch gesprochen. Jetzt weiß ich: ich kenne das „echte“ Frankreich, kann unterrichten und habe erlebt, dass ich alleine zurechtkomme – ich bin persönlich gewachsen und habe nun die Sicherheit, dass ich das richtige Fach und den richtigen Beruf gewählt habe!

abi>> 25.03.2019