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Individuelle Stärken fördern

Studentin im Rollstuhl befindet sich auf dem Campus einer Hochschule.
Das Studium Lehramt für Sonderpädagogik mit der Fachrichtung Körperbehindertenpädagogik beinhaltet Kurse zur Pädagogik, Psychologie, Didadktik, Soziologie, Pflege- und Therapiestiuationen sowie Moralehtik.
Foto: Martin Rehm

Sonderpädagogik

Individuelle Stärken fördern

Paul Kammann studiert Lehramt für Sonderpädagogik mit der Fachrichtung Körperbehindertenpädagogik mit Mittelschuldidaktik an der Universität Würzburg. Persönliche Erfahrungen mit einem Familienmitglied haben den 22-Jährigen bei seiner Studienwahl beeinflusst.

Die Landesgartenschau hier in Würzburg, das wäre doch eine schöne Exkursion im Rahmen des Sachkundeunterrichts – doch können wir das mit unseren Schülergruppen umsetzen? Mit Fragen wie diesen setzt sich Paul Kammann bei Vorlesungen und Seminaren auseinander, außerschulische Lernorte schauen wir uns zunächst an und diskutieren im Seminar, inwieweit das entsprechende Thema als Unterrichtseinheit für unsere künftigen Schüler, die eine Behinderung haben, geeignet ist“, erklärt der Student.

Reger Austausch und viele Praktika

Ein Porträt-Foto von Paul Kammann

Paul Kammann

Foto: privat

Der 22-Jährige befindet sich im vierten Semester des Lehramtsstudiengangs. Bei der Bewerbung hat er sich für den Schwerpunkt Körperbehindertenpädagogik sowie die Ausrichtung Mittelschuldidaktik entschieden. „Daher habe ich noch die drei Didaktikfächer Deutsch, Geschichte und Musik. Alternative Schwerpunkte sind in Würzburg Geistigbehindertenpädagogik, Pädagogik für Verhaltensstörungen, Sprachheilpädagogik oder Lernbehindertenpädagogik.“

Zu den Theorieanteilen des Studiums gehören Vorlesungen und Seminare in Pädagogik, Psychologie, Didaktik, Soziologie, Pflege- und Therapiesituationen, medizinische und geschichtliche Hintergründe sowie Moralethik. „Wir diskutieren dabei unter anderem philosophische Fragen und reflektieren eigene Haltungen“, sagt Paul Kammann. „Das ist es, was das Studium so besonders macht – es führt nicht nur hin zu dem Beruf des Sonderpädagogen, sondern trägt auch zur eigenen Persönlichkeitsentwicklung bei.“ Auch die in Würzburg hohen Praxisanteile sagen ihm zu. „Während des Studiums sind sechs Praktika im schulischen Bereich Pflicht. Die Lehrstühle unterstützen uns dabei sehr und begleiten diese Praktika mit entsprechenden Veranstaltungen.“

Wegweisende Vorerfahrungen

Ein vierwöchiges Orientierungspraktikum sollte bereits vor Studienbeginn abgeschlossen werden. Paul Kammann konnte sich dabei ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) anrechnen lassen, dass er nach dem Abitur in einer Förderschule für Kinder mit Körperbehinderungen gemacht hatte. „Außerdem habe ich vor dem Studium als Integrationsassistent gearbeitet, also als Freizeitbegleitung für Menschen mit Behinderungen.“

Diese Erfahrungen waren mit ausschlaggebend für seine Studienwahl, insbesondere aber sein persönlicher familiärer Hintergrund. „Meine ältere Schwester ist körperbehindert, weshalb ich schon früh miterlebt habe, wie wichtig Förderung und Therapie ist. Trotz ihrer starken Beeinträchtigung lebt sie jetzt sehr mobil und selbstbestimmt. Zu wissen, was möglich ist, motiviert mich.“

Anspruchsvoller Beruf mit vielen Möglichkeiten

Für Paul Kammann steht fest, dass seine Entscheidung richtig war: „Es macht mir Freude, die individuellen Stärken und Potenziale der Schüler zu erkennen und sie dabei zu unterstützen, dass sie am Ende selbstständig in der Gesellschaft leben können“, erzählt der 22-Jährige und betont: „Sonderpädagoge ist ein sehr anspruchsvoller Beruf. Man muss sich ständig über das eigene Vorgehen Gedanken machen, um das Bestmögliche für die Schüler zu erreichen.“ Essentiell ist nach seiner Einschätzung, eine Beziehung zu Menschen aufbauen und auf sie eingehen zu können, ebenso ein hohes Maß an Flexibilität und Belastbarkeit: „Man wird mit schwierigen Situationen konfrontiert, auch mit so manchen persönlichen Schicksalen. Damit muss man umgehen können.“

In seine berufliche Zukunft blickt Paul Kammann optimistisch: „Es gibt viele Möglichkeiten für Sonderpädagogen. Wichtig wäre mir, dass die Rahmenbedingungen für Lehrkräfte stimmen und die Inklusion sinnvoll umgesetzt wird.“

abi>> 17.09.2018