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Jeder Mensch hat ein Recht auf Information

Blick auf eine Rampe am Eingangsbereich eines Gebäudes
Barrierefreiheit ist nicht nur in der Infrastruktur, sondern auch in der Kommunikation ein Thema.
Foto: Julien Fertl

Barrierefreie Kommunikation

Jeder Mensch hat ein Recht auf Information

Elena Husel (24) studiert im zweiten Semester Barrierefreie Kommunikation und lernt, Texte für unterschiedliche Zielgruppen in „Leichte Sprache“ zu übersetzen und Rechts- oder Fachtexte ins Standarddeutsche zu übertragen.

Mehr als 20 Millionen Erwachsene in Deutschland sind in ihrer Kommunikationsfähigkeit eingeschränkt. Gründe dafür können eine Behinderung oder Erkrankung sein, fehlende Deutschkenntnisse oder, weil sie im Laufe ihrer Schulbildung nicht die nötigen Fähigkeiten erwerben konnten. Um diesen Menschen zu helfen, führte die Universität Hildesheim im Wintersemester 2018/2019 den Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“ ein. Elena Husel ist eine der ersten Studierenden des neuen Studiengangs. Zuvor hatte sie Soziale Arbeit an der Hochschule Coburg studiert und wurde bei der Recherche für ihre Abschlussarbeit auf den jungen Studiengang in Hildesheim aufmerksam. „Ich habe eine Tagung besucht und wusste sofort, dass der Studiengang der richtige für mich ist.“

Laut UN-Behindertenrechtskonvention, die Deutschland im Jahr 2009 unterzeichnete, ist Inklusion ein Menschenrecht. Im Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) ist beschrieben, dass nicht nur Gebäude, sondern auch „visuelle und auditive Informationssysteme“ barrierefrei beschaffen sein müssen. Dies bedeutet, dass Menschen mit Kommunikationseinschränkungen ein Recht auf Zugang zu Informationen haben. Denn nur so kann Teilhabe für alle gewährleistet werden.

Zugang über mehrere Kanäle

Ein Porträt-Foto von Elena Husel

Elena Husel

Foto: Ahmed Taiba

So soll „Leichte Sprache“ Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen über eine geringe Kompetenz in der deutschen Sprache verfügen, das Verstehen von Texten erleichtern. Konkrete Zielgruppen sind Menschen, die einen Schlaganfall oder Unfall hatten, Analphabeten, Menschen, die Deutsch als Zweitsprache erlernt haben, die Lernschwierigkeiten haben oder Menschen mit geistiger Behinderung sowie von Geburt an gehörlose Menschen. „Leichte Sprache kommt aus der Behindertenbewegung. In der Praxis wurden Regelwerke für Leichte Sprache entwickelt, und es wird geforscht, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse sich mit denen aus der Praxis decken“, berichtet Elena Husel. „Es ist wichtig, Leichte Sprache zu standardisieren, damit zum Beispiel Menschen mit einer kognitiven Einschränkung einen Mietvertrag in Leichter Sprache lesen und verstehen können. Das ermöglicht die Teilhabe.“

Um aber tatsächlich Inklusion zu gewährleisten, bedarf es unterschiedlicher Zeichensysteme. Elena Husel ergänzt: „Ein Theaterstück wird inklusiver, wenn Besucherinnen und Besucher Informationen über mehrere Sinne aufnehmen können, zum Beispiel durch Übertitel und Gebärdensprache. So kann der gesprochene Text fast gleichzeitig mit den Augen erfasst werden.“

Potenzial für die zukünftige Gesellschaft

„Dass ich etwas mit Sozialer Arbeit machen wollte, habe ich durch einen Freiwilligendienst in Finnland festgestellt. Vorher wollte ich Journalistin oder Autorin werden.“ An der Universität in Hildesheim kann Elena Husel ihr Interesse für Verständlichkeit und Teilhabe mit ihrem Bachelorstudium Soziale Arbeit verbinden. Für ihre berufliche Zukunft sieht sie zurzeit drei Möglichkeiten: „‚Ich kann mir gut vorstellen, Soziale Arbeit und Verständlichkeit zusammenzubringen und würde gerne juristische Texte in Standarddeutsch übersetzen.“ Damit könnte sie beispielswiese als Sozialarbeiterin bei der Beratung von Menschen mit Fluchterfahrung arbeiten. „Oder ich promoviere und bleibe an der Uni, um das junge Forschungsgebiet Barrierefreie Kommunikation weiter voranzubringen“, erzählt Elena Husel. Außerdem interessiert sich die Studentin sehr für Bilder als Gedächtnisstütze. Daher könnte sie sich auch vorstellen, sich mit Übersetzungen und ‚Sketchnoting‘ selbständig zu machen, also dem Erstellen von Notizen, die aus Text und Bild bestehen. „Barrierefreie Kommunikation hat ein ungeheures Potential für die Zukunft unserer Gesellschaft“, sagt Elena Husel.

abi>> 05.08.2019