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„Qualifizierte Berater sind auch in Zukunft gefragt“

Frau erklärt einem Mann etwas in einem Ordner.
Berater sind in der Regel bei Unternehmen oder in der Sozialwirtschaft tätig - je nachdem, in welchem Bereich sie zuvor beruflich unterwegs waren.
Foto: André Braun

Interview

„Qualifizierte Berater sind auch in Zukunft gefragt“

Manfred Leppers ist Referent bei der Deutschen Gesellschaft für Supervision e. V. (DGSv). Im Gespräch mit abi>> erklärt er, welchen Weg man einschlagen sollte, um Coach oder Supervisor zu werden, und warum es für Berater keine klassischen Jobausschreibungen gibt.

abi>> Coaching und Supervision – dahinter stecken spezielle Beratungskonzepte. Was unterscheidet sie voneinander?

Manfred Leppers: Mit Coaching und Supervision ist die personen- oder organisationsbezogene professionelle Beratung, Begleitung und Unterstützung in der Arbeitswelt gemeint. Supervision fördert die berufliche Entwicklung, die Kommunikation am Arbeitsplatz sowie die Zusammenarbeit von Teams und unterstützt auf reflexiver Basis Veränderungs- und Entscheidungsfindungsprozesse. Beim Coaching geht es darum, den ratsuchenden Klienten etwa in Krisen- oder Konfliktsituationen ergebnis- und lösungsorientiert zu beraten. Beide Beratungskonzepte sind als resiliente Strategien zu verstehen – also Strategien, die dem Erhalt der psychischen Widerstandsfähigkeit und der Work-Life-Balance dienen. Es geht also auch um Burn-out-Prävention.

abi>> Wie wird man Coach oder Supervisor?

Manfred Leppers: Im Gegensatz zu vielen anderen Berufen können Abiturienten nicht direkt mit einem entsprechenden Bachelorstudium starten. Ein klassischer Berufsweg ist zum Beispiel ein Studium in Psychologie, Pädagogik oder Sozialpädagogik mit anschließender Festanstellung. Heutzutage gibt es aber auch viele, die über ein BWL- oder Jurastudium einsteigen. Nach mindestens dreijähriger Berufserfahrung kann man eine Weiterbildung zum Coach oder Supervisor oder ein Masterstudium absolvieren. Entsprechende Studiengänge werden aktuell an rund zehn Universitäten und Fachhochschulen angeboten.

Für die Zulassung zu den von der DGSv zertifizierten Weiterbildungen und Studiengängen ist es zudem Voraussetzung, dass man längerfristige Fort- und Weiterbildungen im Umfang von insgesamt 300 Unterrichtsstunden absolviert und selbst an einer Supervision oder anderen Formen arbeitsweltbezogener Beratung teilgenommen hat. Letzteres bieten übrigens auch einige Hochschulen und private Weiterbildungsstätten an.

abi>> Wo arbeiten Berater? Und braucht das Land überhaupt noch mehr von ihnen?

Manfred Leppers: In der Regel sind sie bei Unternehmen oder in der Sozialwirtschaft tätig – je nachdem, in welchem Gebiet oder welcher Branche sie zuvor beruflich unterwegs waren. Schließlich kennen sie in ihrem Berufsfeld bereits die jeweilige Berufspraxis. In der Regel arbeiten Berater selbstständig oder teilselbstständig. Von unseren knapp 4.500 Mitgliedern sind etwa ein bis zwei Prozent festangestellt – etwa in großen Unternehmen, die über eine eigene Supervision- oder Coaching-Abteilung verfügen, oder in Beratungsunternehmen.

Der Coaching-Markt kann durchaus neue qualifizierte Berater gebrauchen. Es gibt zum einen weiterhin einen steigenden Bedarf an Coaching, zum anderen liegt der Altersdurchschnitt der aktiven Berater relativ hoch, sodass in einigen Jahren starke Abgänge zu verzeichnen sein werden. Mehr als zwei Drittel der Supervisoren sind übrigens Frauen!

abi>> 29.06.2016