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Grenzgänger in vielerlei Hinsicht

Gezeigt werden verschiedene Reiseutensilien wie etwa einen Reisepass, eine Weltkarte, Flugtickets und Kreditkarten, denn das Studium findet in drei Ländern statt.
Der interdisziplinäre Studiengang Border Studies statt wird in Deutschland, Frankreich und Luxemburg, auf deutsch, französisch und englisch gelehrt.
Foto: Julien Fertl

Border Studies

Grenzgänger in vielerlei Hinsicht

Den Rest ihres Lebens nur am Schreibtisch zu verbringen, fand Lydia Bier nicht reizvoll. Deshalb entschied sie sich nach ihrem Bachelorabschluss in Translation für einen Master in Border Studies. Für das interdisziplinäre Programm pendelt die 24-Jährige nicht nur zwischen drei Ländern, sondern bewegt sich auch in drei Sprachen.

Lydia Biers Studium verlangt ihr einige Flexibilität ab: „Innerhalb einer Woche pendle ich zwischen Metz in Frankreich und Esch in Luxemburg, dazu kommen Blockseminare in Saarbrücken. Im dritten Semester werden weitere Veranstaltungen in Kaiserlautern folgen“, erzählt sie.

Die 24-Jährige ist jetzt im zweiten Semester des neuen Masterstudiengangs Border Studies. Erst im Wintersemester 2017/2018 wurde er von der Universität Luxemburg, der Universität Lorraine, der Universität des Saarlandes und der Technischen Universität Kaiserslautern gemeinsam ins Leben gerufen. „Ich bin an allen vier Unis eingeschrieben, das war am Anfang eine ziemlicher Rennerei“, erinnert sie sich.

Im ersten Semester wohnte sie auf dem Campus in Esch in Luxemburg, jetzt hat sie eine Wohnung in Saarbrücken. „Dieses ständige Überqueren von Grenzen – und damit meine ich nicht nur die nationalen Grenzen, sondern auch die Sprachbarrieren oder die Unterschiede in den Organisationstrukturen – erleben wir im Studium ständig. Dieses praktische Erfahren ist auch die Idee hinter dem internationalen Studienprogramm – sehr eindrucksvoll, aber nicht immer praktisch“, merkt sie an.

Wahl zwischen zwei Schwerpunkten

Ein Porträt-Foto von Lydia Bier.

Lydia Bier

Foto: privat

Auch fachlich dreht sich das interdisziplinäre Studium Border Studies um Grenzen – sie werden aus einem wirtschaftlichen, politischen, soziologischen und sprach- sowie kulturwissenschaftlichen Blickwinkel betrachtet. „Wir machen uns Gedanken über nationale und europäische Identitäten, weltweite Mobilität, Migration, kulturelle Diversität, Staatsbürgerschaft und grenzüberschreitende Zusammenarbeit“, erklärt Lydia Bier.

Die Freibergerin wird sich in den nächsten zwei Semestern auf die Sprach- und Kulturwissenschaften konzentrieren. Andere haben sich Raumwissenschaften im Spannungsfeld zwischen Geographie und Raumplanung als Schwerpunkt ausgesucht. „Wir sind nur 14 Leute im Semester, alle mit ganz unterschiedlichem Hintergrund: Einige Geographen sind dabei, Sprachwissenschaftler, Soziologen, die aus Frankreich, Luxemburg, Deutschland oder sogar aus Kamerun kommen“, sagt sie.

Kommunikation in drei Sprachen

Wenn Leute mit unterschiedlichen Muttersprachen ihre Köpfe zusammenstecken und heiß diskutieren, hat das seinen ganz eigenen Reiz, betont sie: „Wir unterhalten uns eigentlich laufend in allen Sprachen, auch durcheinander. Manchmal fragt der eine was in Französisch und der andere antwortet in Deutsch oder in Englisch. Wir müssen alle drei Sprachen auf sehr guten Niveau sprechen können“, führt sie aus. Zulassungsvoraussetzung fürs Studium ist jeweils das Level B2 nach dem gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GER). Lydia Bier als studierte Übersetzerin für Französisch und Englisch hatte mit dem Nachweis keine Probleme.

Die Veranstaltungen in Metz werden nur auf Französisch gehalten, in Luxemburg wird in allen drei Sprachen doziert und an den beiden deutschen Unis meist in Deutsch und manchmal auf Englisch. „Das hängt ganz vom Dozenten ab: Er entscheidet, in welcher Sprache er lehren möchte“, berichtet sie. Das verdeutliche auch die Unterschiede in Europa. „Die Franzosen tun sich sehr schwer mit Fremdsprachen, die Luxemburger wechseln locker hin und her und wir Deutschen schlagen uns ganz wacker“, bilanziert sie lachend. Die junge Deutsche gibt zu, dass das Schreiben der Hausarbeiten in der jeweils geforderten Sprache durchaus anstrengend sei: „Da braucht man dann etwas, bis man reinkommt.“

Dennoch: „Das Multilinguale im Studium ist genau das, was ich gut finde. Als Übersetzerin habe ich gelernt zwischen den Sprachen Brücken zu bauen. Deshalb habe ich mir den Studiengang ganz bewusst ausgesucht und auch, weil ich keine Lust habe, den Rest meines Lebens am Schreibtisch zu verbringen und nur zu übersetzen“, sagt sie. Stattdessen hat sie im Vorjahr als Teil des Studiums ein achtwöchiges Praktikum bei einer deutsch-französischen Stiftung absolviert und arbeitet derzeit für zehn Wochen bei der Stadt Saarbrücken im Bereich grenzüberschreitendes Kulturmanagement.

Nachdenken über Grenzen in der ganzen Welt

Ihre Wirkstätte nach der Masterarbeit im vierten Semester sei durchaus nicht nur auf das Dreiländereck Deutschland-Frankreich-Luxemburg begrenzt. Exkursionen nach Slowenien etwa behandelten auch völlig andere Aspekte von Grenzgängen. „Da beschäftigen wir uns mit den aktuellen Migrationsbewegungen am Beispiel der Balkanroute und in der Literatur geht es auch viel um die Grenzen zwischen den USA und Mexiko“, merkt Lydia Bier an. „Weil unser Fachgebiet so neu ist, gibt es für Absolventen keine fixen Berufe. Durch unsere Kenntnisse können wir in der öffentlichen Verwaltung, bei Handelsunternehmen, in den Medien, bei Stiftungen oder bei NGOs arbeiten. Ich bin mir sicher, dass sich für mich etwas sehr Interessantes auftun wird“, blickt sie zuversichtlich in ihre Zukunft.

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abi>> 25.09.2018