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Bilden statt nur betreuen

Ein Kind lernt mit Bildern Wörter kennen.
Seit 2004 gibt es in Deutschland Studiengänge im Bereich Kindheitspädagogik. Das Studienfeld beschäftigt sich mit der Frage, mithilfe welcher Methoden und unter welchen Bedingungen Kinder bestmöglich lernen können.
Foto: Socher

Kindheitspädagogik studieren

Bilden statt nur betreuen

Die Kindheit ist eine äußerst prägende Zeit des Lernens. Deshalb sollen jüngere Kinder in Tagesstätten, Krippen und Co. heutzutage gezielt gefördert statt nur betreut werden wie noch vor einigen Jahrzehnten. Die Kindheitspädagogik beschäftigt sich mit den Methoden, wie Kinder im Vor- und Grundschulalter am besten in ihrer Entwicklung unterstützt werden können.

Früh übt sich, was ein Meister werden will“ oder „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ – Sprüche, die antiquiert klingen, aber Wahrheit in sich tragen. Denn die Kindheit stellt die Weichen für den Zug des Lebens. Dass dies gerade auch für die Bildung gilt, bemerkte man hierzulande spätestens nach dem Pisa-Test-Schock in den 2000er-Jahren, als Deutschland im internationalen Bildungsvergleich nur mittelmäßig abschnitt. „Wenn es um Kindertageseinrichtungen ging, stand bis zu den 70er-Jahren eher die Betreuung der Kinder im Vordergrund“, erinnert sich Gerhard Brand, stellvertretender Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) und Landesvorsitzender des VBE Baden-Württemberg.

Doch das hat sich geändert, wie er betont: „Vor allem in den Jahren seit der Jahrtausendwende hat die Bedeutung der Kindheitspädagogik extrem zugenommen. Damit sind auch die Betreuung und Erziehung von Kindern im Alter von 0 bis 12 Jahren gemeint, aber nun verstärkt die Bildung“, erklärt er.

Junges, aber wachsendes Studien- und Berufsfeld

Ein Porträtbild von Gerhard Brand

Gerhard Brand

Foto: VBE Baden-Württemberg

Um Kinder auf dem Weg zur Schulreife und im Grundschulalter fundiert begleiten zu können, sollte ein Teil der Betreuer selbst vertieft gebildet sein – also einen Hochschulabschluss mitbringen. „Die Akademisierung des Berufsfeldes schreitet voran“, sagt Gerhard Brand. „Wenn wir die Kindheit als elementare Bildungszeit betrachten, ist es nur konsequent, die Bildung in der frühen Kindheit auf ein wissenschaftliches Fundament zu stellen.“

Ein Studium der Kindheitspädagogik ist seiner Meinung nach demjenigen zu empfehlen, „der den Umgang mit Kindern schätzt und sie auf den ersten Schritten ihres Entwicklungsweges unterstützen möchte“, erläutert Gerhard Brand. Und das Interesse steigt: „Die Zahl der Anfänger und Absolventen früh- und kindheitspädagogischer Studiengänge wächst seit deren Einführung 2004 kontinuierlich an.“ Laut Statistischem Bundesamt arbeiteten 2017 rund 5.600 Kindheitspädagogen in deutschen Kindertagesstätten. Das macht zwar nur ein Prozent aller Kita-Mitarbeiter aus, der Trend zeigt aber nach oben.

Kinder individuell fördern

Das gesteigerte Interesse am Studienfeld kann auch Anja Colwig, Beraterin für akademische Berufe der Agentur für Arbeit Wismar, bestätigen: „Ich werde in der Beratung oft nach Studiengängen gefragt, die in die Kindheitspädagogik führen. Davon gibt es mittlerweile viele. Sie heißen beispielsweise Erziehung und Bildung im Kindesalter, Pädagogik der Kindheit und Jugend oder Early Education“, zählt sie auf. Knapp 30 Bachelor- und Masterstudiengänge in diesem Bereich listet studienwahl.de (Stand Juni 2018) bundesweit auf. Darunter finden sich auch duale Angebote, die das Studium mit Praxisphasen in einer Einrichtung oder mit einer Ausbildung zum Erzieher kombinieren.

Die Kindheitspädagogik gehört zu den Erziehungswissenschaften, die sich grundlegend mit der Entwicklung des Menschen zum Führen eines selbstständigen und verantwortungsvollen Lebens beschäftigen. „Die Kindheitspädagogik betrachtet dabei explizit die Erziehungswirklichkeit von Kindern bis etwa zehn Jahren“, sagt die Berufsberaterin.

In den entsprechenden Studiengängen werden Kenntnisse darüber vermittelt, wie Kinder mit ihren individuellen Voraussetzungen, Begabungen und Entwicklungsrisiken gefördert werden können. „Unter den Modulen finden sich Grundlagen der Frühpädagogik, der Pädagogik, Psychologie, Soziologie, Anthropologie, Recht und Betriebswirtschaftslehre sowie Leitungs- und Managementkompetenz“, sagt Anja Colwig. Studierende lernen, wie sie mit Kindern und Familien zusammenarbeiten und auch, wie sie wissenschaftliche Daten erheben und analysieren können. (Mehr über Inhalte und Ablauf eines solchen Studiums liest du in „Wie lernen Kinder erfolgreich?“.)

Teamfähig, geduldig, empathisch

Wer überlegt, ein solches Studium aufzunehmen, sollte der Beraterin zufolge Begeisterung für Kinder mitbringen, aber auch mit den Eltern zusammenarbeiten wollen. Wichtig ist es, teamfähig, geduldig, empathisch, verantwortungsbewusst und belastbar zu sein.

Kindheitspädagogen arbeiten nach dem Studium vor allem in Kindertagesstätten. Oft übernehmen sie nach mehreren Berufsjahren leitende Funktionen. „Allerdings sollten sie wissen, dass sie dort mit den Erzieherinnen und Erziehern konkurrieren und trotz eines akademischen Abschlusses nicht mehr verdienen als diese“, gibt Anja Colwig zu bedenken. Zudem können Absolventen im außerunterrichtlichen Grundschulbereich tätig sein, bei Frühförderstellen, Familienzentren, bei Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, in Beratungsstellen oder in Einrichtungen für Kinder mit Behinderungen. (Mehr über letzteres Arbeitsfeld kannst du in „Man muss jeden Menschen vorbehaltslos annehmen können“ erfahren.)

Mehr Infos

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Kindheitspädagogik)

www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. (Suchwort: Kindheitspädagogik)

www.studienwahl.de

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung. Informationen zu passenden Studiengängen und -berufen findest du im Teilberufsfeld „Erziehung, pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen“.

www.berufsfeld-info.de/abi

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Das BMBF unterstützt durch verschiedene Forschungsförderungsmöglichkeiten und andere Maßnahmen die Länder, Träger und Kommunen dabei, durch gute frühkindliche Bildung die Chancengerechtigkeit von Kindern zu verbessern.

www.bmbf.de/de/fruehe-foerderung-67.html

Bundesinstitut für politische Bildung

Dieses Institut führt auf seiner Internetseite Informationen zu einer Studie über entwicklungspsychologische Erkenntnisse und ihre Bedeutung für Politik und Gesellschaft.

www.bpb.de/apuz/136762/wie-lernen-kleinkinder

Verband Bildung und Erziehung (VBE)

Der VBE vertritt als parteipolitisch unabhängige Gewerkschaft die Interessen von etwa 164.000 Pädagogen vom Kindheitsbereich über die Sekundarstufen I und II bis zur Lehrerbildung.

www.vbe.de

abi>> 12.07.2018