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Forschen in Deutschland und Südafrika

Blick auf eine Werkbank in einer großen Werkshalle.
Der Masterstudiengang „Digital Industrial Management and Engineering“ an der Hochschule Reutlingen verbindet Maschinenbau, Elektrotechnik und Informatik.
Foto: Julien Fertl

Digital Industrial Management and Engineering

Forschen in Deutschland und Südafrika

Raphael Vogt (26) verknüpft im Masterstudiengang „Digital Industrial Management and Engineering“ an der Hochschule Reutlingen Maschinenbau, Elektrotechnik und Informatik miteinander – und macht dank einer Kooperation mit der Stellenbosch University nahe Kapstadt innerhalb von vier Semestern gleich zwei Abschlüsse.

Vom Masterstudiengang „Digital Industrial Management and Engineering“ erfuhr Raphael Vogt zufällig: Nach seinem Bachelorabschluss in Maschinenbau an der Hochschule Konstanz nahm er sich eine Auszeit und jobbte mit einem Work & Travel-Visum ein Jahr lang in Kanada. Eine Freundin erfuhr dann jedoch von einem neuen Studienangebot an der Hochschule Reutlingen und erzählte ihm davon.

„Das hörte sich richtig gut an, denn bereits während meiner Bachelorarbeit in einem Unternehmen hatte ich viel mit Industrie 4.0 zu tun, genauer gesagt mit dem Echtzeitdaten-Management von Testfahrzeugen“, erinnert sich Raphael Vogt. Nach seiner Rückkehr im März 2017 nahm er daher direkt das Studium in Reutlingen auf. Der 26-Jährige gehört zu den ersten, die diesen neuen Studiengang belegen.

Am Ende gleich zwei Abschlüsse

Ein Porträt-Foto von Raphael Vogt

Raphael Vogt

Foto: Sandra Phillipin

„An meinem Masterstudium gefällt mir, dass ich an mein Maschinenbaustudium anknüpfen und gleichzeitig Aspekte der Informatik und des Wirtschaftsingenieurwesens einbinden kann“, sagt er. „Außerdem finde ich gut, dass es im zweiten Semester ein Pflichtsemester an der Stellenbosch University in Südafrika gibt.“ Die beiden Hochschulen kooperieren für den Master eng miteinander – auch über das Auslandssemester hinaus: „Wir schließen das Studium mit zwei Abschlüssen ab: dem Master of Science an der Hochschule Reutlingen und dem Master of Engineering an der Uni Stellenbosch.“ Dass daher viele Vorlesungen auch in Baden-Württemberg auf Englisch abgehalten werden, ist für ihn kein Problem.

Ein Großteil seines Studiums besteht aus einem Forschungsprojekt, das sich die Studierenden selbst auswählen können. Im ersten Semester gab es dafür unterstützende Vorlesungen wie „Research Methods and Planning“: „Dort haben wir besprochen, wie man ein Forschungsthema findet sowie die richtigen Methoden und Werkzeuge für wissenschaftliches Arbeiten anwendet.“ Außerdem belegte Raphael Vogt Vorlesungen wie „Digital Supply Chain Management“ und „Digital Factory and Logistics“, wo es um die Unterschiede zwischen traditionellen und digitalen Lieferketten, den neuen Konzepten des digitalisierten Supply Chain Managements sowie Smart Factories geht.

Eigenständige Forschung

Der 26-Jährige begann bereits während seines Semesters in Südafrika, indem er auch einige Vorlesungen besuchte, mit seiner Forschung an intelligenten Behältersystemen. „Ich vergleiche hierfür die Auto- und Pharmaindustrie miteinander und führe viele Experteninterviews“, erklärt Raphael Vogt. Behälter, die etwa mit Schrauben oder Medikamenten gefüllt sind, sollen digital überwacht werden. Wie kann man den Füllstand messen und wie eine automatische Nachbestellung initiieren? In der Medizinbranche kann außerdem wichtig sein, die Temperatur im Behälter zu kontrollieren, damit Medikamente nicht zu warm gelagert werden. Das System soll bedarfsorientiert und modular aufgebaut sein, das heißt: So viel wie nötig, so wenig wie möglich.

Im ersten Schritt erstellte Raphael Vogt ein Anforderungsprofil, fragte also bei Unternehmern konkret nach, was das intelligente Behältersystem aus ihrer Sicht können muss. Hierbei ist auch der Vergleich zwischen dem südafrikanischen und dem deutschen Markt interessant. Im nächsten Schritt möchte er einen Prototyp erstellen. Die Ergebnisse seines Forschungsprojekts werden schlussendlich in seine Masterarbeit einfließen, die im vierten Semester ansteht.

Industrie 4.0 wichtiges Thema

„Ich finde es sehr wichtig, dass Industrie 4.0 Thema des Studiums ist, weil derartige Systeme im Berufsleben immer gefragter sind.“ Hilfreich findet er auch, wie selbstständig er im Master arbeitet: Er muss seine Forschung selbst organisieren und sich Fristen setzen – eine gute Vorbereitung auf das Berufsleben. Und das Kennenlernen einer anderen Kultur – persönlich wie beruflich – sieht der Student als großen Vorteil, ebenso wie den doppelten Abschluss.

Nach dem Abschluss bietet der Master aus Sicht von Raphael Vogt dank seines Forschungsschwerpunkts eine gute Grundlage, um danach zu promovieren. „Ich werde aber wohl lieber direkt ins Berufsleben einsteigen“, sagt der 26-Jährige. Passend zu seiner derzeitigen Forschung kann er sich die Automobilbranche oder Medizintechnik vorstellen.

abi>> 27.08.2018