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Von der Faser bis zum Textil

Ein Mann überprüft Garne, während sie durch die Maschine laufen.
Der Studiengang Textiltechnik ist eine Spielart des Maschinenbaus und befasst sich zum Beispiel damit, wie Textilien hergestellt werden und wie Produktionsmaschinen weiterentwickelt werden können.
Foto: Thomas Lohnes

Textiltechnik

Von der Faser bis zum Textil

Die Zeiten des hölzernen Webstuhls sind passé, stattdessen produzieren hochtechnologische Maschinen Textilien aus unterschiedlichen Materialien. Wie diese funktionieren und verbessert werden können, lernt Amrei Becker (25) in ihrem Masterstudium Textiltechnik an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen.

Denkt Amrei Becker an Textilien, sprudeln deren Einsatzmöglichkeiten nur so aus ihr heraus: „Klar, jedem fällt erst einmal Kleidung ein – aber es gibt noch so viel mehr! Reifencord zum Beispiel ist ein Gewebe, das Auto- oder Fahrradreifen verstärkt. Ski oder auch Bauteile für Flugzeuge werden aus Glas- und Carbonfasern hergestellt. Künstliche Kreuzbänder aus Textil ersetzen körpereigene Sehnen. Und Geotextile geben beispielsweise Deichen Halt.“ Diese riesige Bandbreite ist es, die die 25-Jährige am Masterstudiengang Textiltechnik an der RWTH Aachen begeistert.

Spezialisierung des Maschinenbaus

Ein Porträt-Foto von Amrei Becker.

Amrei Becker

Foto: privat

In ihrem Studienfach dreht sich alles um die Herstellung – von der Faser über das Garn bis zum fertigen Produkt – sowie den Einsatz von Textilien. „Textiltechnik ist eine Spezialisierung des Maschinenbaus. Das Studium ist daher technisch und forschungsorientiert“, erklärt Amrei Becker. Die Studierenden lernen im Hörsaal, im Technikum und im Labor, wie etwa Maschinen zur Textilherstellung funktionieren, welche Werkstoffe es gibt und wie sie verarbeitet werden. Gelehrt wird auch, wie die Qualität des Textils überprüft wird.

„Daneben gibt es Wahlbereiche wie Medizintechnik, Faserverbundwerkstoffe oder Mess- und Prüfverfahren. Jetzt, im ersten Mastersemester, schreibe ich über ein Projekt im Bereich Chemiefasertechnik – vielleicht wähle ich in den letzten beiden Semestern aber noch mal ganz andere Themen“, zeigt sich die Studentin experimentierfreudig. Denn egal welcher Bereich: „Die Textiltechnik ist genau mein Ding.“

Angst vor technischem Studium ist unbegründet

Dabei führte ein Umweg zu ihrem Wunschstudium. „Ein Praktikum in der 9. Klasse an der Oper in Düsseldorf weckte in mir zunächst den Wunsch, Kostümdesignerin zu werden.“ Nach dem Abitur reiste Amrei Becker nach Irland. „In Dublin belegte ich dann einen Modedesign-Kurs an der Grafton Academy of Fashion Design und konnte mich dort beim Gestalten von Schnittmustern und Kleidung kreativ austoben. Ich zog den zweieinhalbjährigen Kurs mit Freude durch, merkte aber, dass mir die Mathematik fehlte“, erzählt sie.

Zurück in Deutschland stieß sie dann auf den Lehramts-Bachelor Textiltechnik an der RWTH, der die Studierenden zu Lehrern für Berufskollegs ausbildet. „Textilien und Technik hörte sich nach der perfekten Kombination an. Doch ich hatte Angst vor Fächern wie Mathe, Mechanik oder Regelungstechnik – völlig unbegründet, wie sich dann herausstellte. Mit der richtigen Lerngruppe und Motivation für den Studiengang sind sie gut zu meistern“, macht Amrei Becker Mut.

Biologisch abbaubare Textilien zum Schutz der Umwelt entwickeln

Es folgte für sie noch eine kleine Weichenstellung, denn Lehrerin wird Amrei Becker nun doch nicht. Im weiterführenden Studium wollte sie sich allein auf die Textiltechnik konzentrieren. Daher absolviert sie nun den reinen Master Textiltechnik – und geht völlig in ihrem Fachbereich auf: „Neben dem Studium arbeite ich als wissenschaftliche Hilfskraft am Institut, außerdem nehme ich an vielen Exkursionen des Textilinstituts teil und möchte noch ein freiwilliges Praktikum machen, um ein Unternehmen genauer kennenzulernen.“ Im Auftrag des Gesamtverbands der deutschen Textil- und Modeindustrie warb sie zudem eineinhalb Jahre lang im Team „Go Textile!“ für die vielseitigen Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten der Branche.

Für ihren Einstieg ins Berufsleben reizt die Studentin die Wissenschaft: „In meiner Bachelorarbeit forschte ich an biologisch abbaubaren Textilien, die etwa als Fischernetze zum Einsatz kommen und die Verschmutzung der Meere verringern könnten – das war sehr spannend“, berichtet sie. „Ich kann mir daher gut vorstellen, später in der Entwicklungsabteilung eines Textilunternehmens zu arbeiten oder zunächst zu promovieren.“

abi>> 13.03.2018