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Klingende Kunstwerke

Eine Frau taucht einen Pinsel in einen Malkasten.
Fotografie, Bildhauerkunst oder auch Malerei - die freie Kunst beinhaltet alle Bereiche der bildenden Künste.
Foto: Jens Oellermann

Freie Kunst

Klingende Kunstwerke

Philipp Hawlitscheks (27) zentrales Anliegen ist es, sich eine eigene, künstlerische Haltung zu erarbeiten. Nach Abschluss des Masterstudiengangs Freie Kunst ist er für eine Meisterklasse an der Hochschule für Bildende Kunst in Saarbrücken geblieben.

Eimer, Rohre, Schalen, Seile, Inliner auf Holzboden: Philipp Hawlitschek zieht, schleift und hebt gemeinsam mit einem Kommilitonen Gegenstände durch einen Raum. Je nach Material, Distanz und Geschwindigkeit kommen ganz unterschiedliche Geräusche dabei heraus. Die Aktion der beiden Kunststudenten nennt sich „Schieben was das Zeug macht“. Geräusche in Szene zu setzen, hat den 27-Jährigen schon vor seinem Abitur so begeistert, dass er sich auf die Suche nach einem passenden Studium machte: „Es geht dabei nicht um Musik, sondern um ein Zusammenwirken von Zeit, Raum und Klang“, erklärt er.

Fündig geworden ist er an der Hochschule der Bildenden Künste Saar, wo er gerade seinen Master in Freier Kunst absolviert hat. „Bundesweit gibt es zwei Kunsthochschulen, die einen eigenen Lehrstuhl für Klangkunst haben“, schildert Philipp Hawlitschek. „An den Kunsthochschulen ist die Zulassung zum Bachelor die größte Hürde“, sagt er. Mit seiner Bewerbermappe setzte er damals alles auf eine Karte und reichte ausschließlich Klangkunstarbeiten ein – mit Erfolg. Der Bachelor umfasst acht Semester, das Masterstudium sieht zwei Semester vor. Alternativ wird ein zehnsemestriger Diplomstudiengang angeboten. Philipp Hawlitschek entschied sich für die Bachelor-Master-Variante: „Ich wollte die Option haben, nach dem Bachelor die Hochschule wechseln zu können.“ Das hat er dann doch nicht gemacht. „Wenn man Freie Kunst studiert, hängt die künstlerische Ausbildung maßgeblich von den Professoren ab. Die Studienentscheidung ist sehr stark personengebunden“, erklärt er. Ebenso wichtig sei aber auch der Austausch im Klassenverband.

Die eigene künstlerische Haltung formen

Ein Porträt-Foto von Philipp Hawlitschek

Philipp Hawlitschek

Foto: Privat

Für die Zulassung zum Masterstudium musste er neben den 210 Credit Points aus dem Bachelorstudium auch ein Motivationsschreiben sowie eine Mappe vorweisen können. „Das war aber unkompliziert, und ist nicht vergleichbar mit der Zulassung zum Bachelorstudium“, betont er. Sowohl Bachelor- als auch Masterstudium sind sehr offen gehalten und bieten neben dem Modulplan viele Wahlmöglichkeiten. „Ein Großteil der zu erbringenden Leistungen im Bachelor sind künstlerische Projekte, die man selbst konzipiert und umsetzt. Der Master ist – darauf aufbauend – dann die nächste Ebene. Idealerweise hat man nach dem Bachelor zumindest eine Vorstellung vom eigenen künstlerischen Anliegen und kann das im Master verdichten“, erzählt er.

Generell sei das Studium eine Vorbereitung auf die künstlerische Selbstständigkeit: „Man kann sich nach dem Studium kaum auf feste Stellen bewerben, sondern braucht möglichst viele eigene Arbeiten, mit denen man sich für Aufträge empfehlen kann. Ziel des Studiums ist es, eine eigene künstlerische Haltung zu entwickeln und diese umsetzen zu können. Im Master steht die freie Atelierarbeit noch stärker im Vordergrund“, erläutert er. Pro Semester sind 720 Stunden Atelierarbeit vorgesehen. Daneben gibt es Pflichtveranstaltungen in der Fachpraxis wie der Erwerb bestimmter Werkstattscheine.

Zudem finden sich im Modulplan auch Themen, die notwendig sind, um beruflich bestehen zu können, angefangen vom Umgang mit Galeristen und Sammlern, Bewerben auf Ausschreibungen bis hin zu Versicherungen und Steuern.

Nach dem Master in die Meisterklasse

Aktuell ist Philipp Hawlitschek Meisterschüler bei Professor Andreas Oldörp (Artistic Research in Sound). Nach der Meisterklasse heißt es am Ball bleiben, sich auf Stipendien und Kunstpreise bewerben: „Als selbstständiger Künstler braucht man Durchhaltevermögen, da ein geregeltes monatliches Einkommen mit der Kunst selten eine Option ist. Wenn man es ernst meint, merkt man, dass es richtig harte Arbeit ist, die einem erstmal keiner zahlt. Aber es gibt immer wieder Möglichkeiten, etwas umzusetzen, einen Auftrag für eine Arbeit zu bekommen. Die Künstlerförderung in Deutschland im Sinne von Stipendien und Preisen ist, denke ich, nicht die schlechteste.“

abi>> 28.12.2015