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Tierisch relevant

Kälberstall
Agrarwissenschaftler beraten Landwirte zum Beispiel bei der artgerechten Haltung von Nutztieren in landwirtschaftlichen Betrieben.
Foto: Helge Gerischer

Agrarwissenschaften

Tierisch relevant

Massentierhaltung ist immer wieder ein brisantes Thema in den Medien. Das weiß auch Janna Luisa Pieper (25), die im dritten Semester den Master Agrarwissenschaften an der Uni Göttingen studiert. Sie interessiert sich vor allem dafür, wie Hühner, Schweine und Co artgerecht gehalten, ernährt und vor Krankheiten geschützt werden können. Später als Landwirtin zu arbeiten, kommt für sie aber weniger in Frage – für Agrarexperten ist das aber auch nur eine von vielen Berufsperspektiven.

Ziegen, die friedlich auf der Weide grasen. Was für die einen nach Urlaubsidylle klingt, ist für Janna Luisa Pieper täglicher Ausblick vom Institut für Nutztierwissenschaften an der Georg-August-Universität Göttingen. Schließlich besitzt die Hochschule zwei eigene Bauernhöfe, die die Agrarwissenschaftler auch für Forschungszwecke nutzen. „Wir haben zum Beispiel die natürlichen Verhaltensweisen der Ziegen beobachtet und systematisch dokumentiert. Mit diesem Wissen lässt sich überprüfen, ob Stallanlagen oder Haltungsverfahren tiergerecht sind oder ob etwas geändert werden muss“, erklärt die Masterstudentin, die selbst auf dem Land aufgewachsen ist und schon immer einen Faible für Tiere hatte.

Breit gefächertes Studium

Ein Porträt-Foto von Janna Luisa Pieper

Janna Luisa Pieper

Foto: privat

Die Nutztierwissenschaften sind einer von sechs Schwerpunkten, die die Masterstudierenden an der Göttinger Universität wählen können (außerdem gibt es noch Agribusiness, Integrated Plant and Animal Breeding, Pflanzenproduktion, Ressourcenmanagement sowie Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaus). Dabei beschäftigen sich die angehenden Agrarexperten damit, wie gesunde und möglichst stoffwechselstabile Nutztiere gezüchtet und gehalten werden – übrigens auch solche, die im Wasser leben. Aber auch alle Fragen rund um die Verhaltensforschung, Tierernährung oder die Qualität tierischer Erzeugnisse spielen eine Rolle, bis hin zu den wirtschaftlichen und juristischen Rahmenbedingungen oder verfahrenstechnischen Voraussetzungen. „In einem Rinder- oder Schweinestall etwa gibt es genaue Anforderungen an Spaltenböden, denn die Tiere sollen mit ihren Exkrementen so wenig wie möglich in Berührung kommen“, weiß die 25-Jährige.

Auf Exkursionen zu anderen landwirtschaftlichen Betrieben, Schlachthöfen oder auch ins europäische Ausland hat sie viel über die Herausforderungen der modernen Landwirtschaft erfahren – etwa auch, was es bedeutet, wenn ein Hof von konventioneller auf biologische Landwirtschaft umsteigt. „Die Landwirte haben sich immer viel Zeit für uns genommen und waren sehr offen für Diskussionen“, erinnert sie sich.

Später (k)ein Landwirt?

Bald beginnt für Janna Luisa Pieper das vierte Semester und damit auch die Zeit der Masterarbeit, für die sie aber nicht zwangsläufig ein tierspezifisches Thema wählen muss. Denn die Göttinger Universität bietet in den Agrarwissenschaften einen generalisierten Master an. Für die 25-Jährige war das ein entscheidendes Kriterium bei der Wahl ihrer Hochschule. Nach dem Abschluss ist für sie vieles denkbar: „Ich könnte mir gut vorstellen, Landwirte bei der Tierhaltung zu beraten, aber auch als Referentin bei einer Landwirtschaftskammer tätig zu sein oder ich hänge noch eine Promotion dran.“

Dass nur wenige Agrarwissenschaftler später in landwirtschaftliche Betriebe gehen, zeigt auch eine bundesweite Absolventenbefragung des VDL-Berufsverbandes Agrar, Ernährung, Umwelt e.V. von 2015. Für den Berufseinstieg sind demnach der Dienstleistungssektor (häufig Beratung), wissenschaftliche Einrichtungen und der Landwirtschaft vorgelagerte Unternehmen (zum Beispiel Landtechnik- und Pflanzenschutzhersteller) wichtige Branchen.

abi>> 18.07.2016