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Fasziniert von der urbanen Pflanzenwelt

Mann beobachtet Vögel mit einem Fernglas.
Welche Vogelpopulationen leben in der Stadt? Stadtökologen beschäftigen sich unter anderem mit dieser Fragestellung.
Foto: Axel Jusseit

Stadtökologie

Fasziniert von der urbanen Pflanzenwelt

Bodenproben sammeln, Wurmkisten basteln, Biotope kartieren: Julia Palliwoda (27) absolviert den Masterstudiengang Stadtökologie an der Technischen Universität (TU) Berlin. Dabei geht sie mit der Pflanzenwelt in der Stadt auf Tuchfühlung.

Studierende, die sich mit Stadtökologie beschäftigen, sitzen keinesfalls nur im Hörsaal; Exkursionen sind ebenfalls fester Bestandteil des Studiums. „Einmal sollten wir beispielsweise untersuchen, welche Vogelpopulationen in Berlin leben. Also gingen wir um 5 Uhr früh in einen Park, um dort den Vogelstimmen zu lauschen“, erzählt Julia Palliwoda. Mit dem Masterstudiengang Stadtökologie hat sich die 27-Jährige für ein noch junges Forschungsgebiet entschieden, bei dem naturwissenschaftliches Fachwissen mit dem Know-how über urbane Lebensräume kombiniert wird.

Zuvor absolvierte sie ein Bachelorstudium in Geografie an der Humboldt-Universität zu Berlin. „Als ich meine Bachelorarbeit zum Thema Urban Gardening schrieb, merkte ich, dass mich die ökologische Richtung, also die Interaktion von Lebewesen mit ihrer Umwelt, besonders interessiert“, berichtet sie. „Mich fasziniert, wie sich Pflanzen den Bedingungen in Städten anpassen, zum Beispiel wie Kräuter in Fugen auf Gehwegen oder an Straßen wachsen.“

Einführung in urbane Ökosysteme

Ein Porträt-Foto von Julia Palliwoda

Julia Palliwoda

Foto: Privat

Also nahm sie sich vor, die urbane Pflanzenwelt im Master genauer zu erforschen. „Damals gab es allerdings erst wenige Studiengänge, die sich auf die Ökologie in Städten konzentrierten“, sagt Julia Palliwoda.

Einer davon ist der Masterstudiengang an der TU Berlin. Wer sich dort einschreiben möchte, muss ein einschlägiges grundständiges Studium im natur-, geo- oder umweltwissenschaftlichen Bereich vorweisen können. Kommilitonen der 27-Jährigen haben vorher beispielsweise Landschaftsarchitektur oder Ressourcenmanagement studiert. Außerdem müssen Interessierte über gute Englischkenntnisse verfügen, da viele der Veranstaltungen auf Englisch gehalten werden.

Im ersten von insgesamt vier Semestern werden die Studierenden in alle Fachgebiete der Stadtökologie eingeführt. „Wir haben unter anderem gelernt, was urbane Ökosysteme sind, wie die Lebensräume der Tier- und Pflanzenwelt in der Stadt aussehen und wie diese von Menschen beeinflusst werden“, schildert Julia Palliwoda. Vermittelt wird außerdem, welche Lösungskonzepte es für umweltgerechte Städte gibt.

Masterprojekt zu exotischen Pflanzen an Flughäfen

Im weiteren Verlauf haben die angehenden Stadtökologen eine große Auswahl an Wahlpflichtfächern, die sie sich je nach Interesse und Wissensstand selbst zusammenstellen können. So bietet die TU Berlin Lehrveranstaltungen zu Bereichen wie Böden, Wasser, Vegetation oder Klima. Als „Herzstück des Studiums“ bezeichnet Julia Palliwoda ein Masterprojekt, das im zweiten und dritten Semester stattfindet. „Hierbei sollten wir in Gruppen einen kompletten wissenschaftlichen Prozess von der Fragestellung über die Recherche bis hin zur Datenerhebung und Auswertung durchlaufen“, sagt sie. Sie und ihre Gruppe verglichen die Vegetation von Wiesenflächen auf Flughäfen und historischen Parkanlagen: „Eigentlich ging es um den Einfluss früherer Nutzungen, als sich an gleicher Stelle noch Wälder oder Wiesen befanden. Dabei fanden wir unter anderem heraus, dass auf den Flughafenarealen mehr exotische Pflanzen wachsen, weil Flugzeuge aus aller Welt auch viele Samen und Sporen transportieren.“

Inzwischen hat Julia Palliwoda ihre Masterarbeit fertiggestellt. Als nächstes möchte die Berlinerin ihre Forschungen fortsetzen: „Es macht mir Spaß, theoretisch zu arbeiten, deshalb würde ich gerne eine Doktorarbeit schreiben und bewerbe mich momentan um Stipendien.“ Erforschen möchte sie die Wahrnehmung und Nutzung von Pflanzen in Stadtparks durch den Menschen. Sie ist überzeugt, dass Stadtökologen künftig eine wichtige Rolle einnehmen werden: „Pflanzen sorgen in Städten für eine Klima- und Luftverbesserung, außerdem bieten sie Stadtbewohnern die Möglichkeit, sich in ein Stück Natur zurückzuziehen.“

abi>> 11.12.2015