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Sanfter Tourismus zum Wohle aller

Viktoriya Churakov (25), fotografiert am 15.07.16, an der Schleuse Freudenheim in Mannheim. Churakov kuemmert sich um den Schleusenausbau und sorgt dafür, dass Wasserwege fuer die Schifffahrt befahrbar sind.
Wie können wir die gemeinschaftliche Nutzung von Ressourcen optimieren? Der Studiengang "Nachhaltiges Tourismusmanagement" beschäftigt sich mit dieser Frage.
Foto: Thomas Lohnes

Nachhaltiges Tourismusmanagement

Sanfter Tourismus zum Wohle aller

Caroline Frumert studiert „Nachhaltiges Tourismusmanagement“ an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE). Für ihre Masterarbeit sucht die 27-Jährige Lösungen, um Ressourcen wie Wasser gerecht auf Einheimische und Touristen zu verteilen.

Wie lässt sich eine Wasserquelle nutzen, sodass genug für alle da ist? Mit Fragen wie diesen beschäftigt sich Caroline Frumert für ihre Masterarbeit im Studienfach Nachhaltiges Tourismusmanagement. „Konkret bedeutet das zum Beispiel, die Wasserversorgung in spanischen Städten so zu gestalten, dass die Einheimischen nicht benachteiligt werden, weil übermäßig viel Wasser in touristischen Einrichtungen verbraucht wird“, erklärt die Studentin. „Auf der anderen Seite darf auch der Tourismus nicht zu kurz kommen, da er unter anderem für mehr Arbeitsplätze sorgt. Also gilt es, gemeinsame Lösungen zu entwickeln.“

Best-Practice-Beispiele finden und analysieren

Ein Porträt-Foto von Caroline Frumert

Caroline Frumert

Foto: privat

Das Thema ihrer Masterarbeit lautet: „Commons aus organisationstheoretischer Sicht“. Der englische Begriff „Commons“ steht für die gemeinschaftliche Nutzung von Ressourcen durch selbstorganisierte Prozesse. Es soll bedürfnisorientiert produziert, verwaltet, gepflegt und genutzt werden. Dies setzt auch eine neue betriebswirtschaftliche Perspektive voraus: „Klassische Organisationen, etwa Unternehmen oder Vereine, sind meist hierarchisch organisiert. Commons hingegen sind eher basisdemokratisch und hierarchiefrei aufgebaut“, sagt Caroline Frumert und nennt noch einen Unterschied: „In der klassischen Betriebswirtschaft wird der Mensch als ‚Humankapital‘, also als Objekt gesehen, bei den Commons hingegen als Subjekt mit eigenen Bedürfnissen. Trotzdem ist eine betriebswirtschaftliche Herangehensweise auch bei Commons erforderlich, um sie als Organisationsform verstehen zu können.“

Eine große Herausforderung ihrer Masterarbeit besteht darin, aufzuzeigen, wie sich Commons durch ein förderliches Miteinander von Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlern realisieren lassen. „Häufig gibt es Vorbehalte auf beiden Seiten, dabei kann man gemeinsam so viel erreichen! Daher versuche ich nun, sozialwissenschaftliche Forschungsgegenstände in eine Sprache zu übersetzen, die genauso von Betriebswirten verstanden wird, um Lösungen gestalten zu können.“

Ihre Masterarbeit untermauert die Studentin mit empirischen Daten. „Ich führe zum Beispiel qualitative Interviews mit Mitarbeitern nachhaltig wirtschaftender Unternehmen, um Beispiele dafür zu haben, wie manche das Denkmodell der Commons schon seit Jahren erfolgreich umsetzen.“ Auch Gespräche mit Expertinnen und die Literaturrecherche tragen zu ihren Ergebnissen bei.

Klassische Denkmuster aufbrechen

Die betriebswirtschaftlichen Grundlagen eignete sich Caroline Frumert in dem englischsprachigen Bachelorstudium „International Culture and Management“ an, das sie an der privaten European Management School (EMS) in Mainz absolviert hatte. „Anschließend habe ich ein Jahr lang als Sachbearbeiterin bei einem Energielieferanten gearbeitet und schnell gemerkt, dass ich mich noch weiterentwickeln möchte.“ Auf dem „Heldenmarkt“, einer Verbrauchermesse für nachhaltigen Konsum, entdeckte sie den Stand der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde und nahm sich Infomaterial mit. „Das Masterstudium Nachhaltiges Tourismusmanagement hat mich dann besonders angesprochen“, erinnert sie sich.

Als klassische Betriebswirtschaftlerin war sie von den neuen Eindrücken begeistert, die sich in Eberswalde auftaten. „Wie hier langjährige Denkmuster aufgebrochen und Gegenüberlegungen angestellt werden, hat mich gleich inspiriert. Wirtschaft sieht man hier als Hebel, um Soziales und die Umwelt in Einklang zu bringen“, beschreibt die Studentin die Hochschule.

Destinationen mit Fokus auf Nachhaltigkeit analysieren

Das viersemestrige Masterstudium beinhaltet im ersten Jahr Grundlagenmodule zu Themen wie Destinationsmanagement oder Marketing im Tourismus, immer mit Bezug zur nachhaltigen Gestaltung. „Auf jeweils einwöchigen Exkursionen nach Südtirol und auf die Ostseeinsel Usedom haben wir gelernt, Gesamtanalysen der Destinationen und Konzepte für Beratungen zum Thema Nachhaltigkeit zu erstellen“, berichtet Caroline Frumert. Im dritten Semester stand ein viermonatiges Projektpraktikum an; sie absolvierte es bei einer internationalen Genossenschaft für ethische Geldanlagen.

Nach der nun bald vollendeten Masterarbeit eröffnen sich ihr vielfältige Möglichkeiten. „Denkbar ist alles von Beratung und Consulting über Tätigkeiten als Veranstalter bis hin zu Marketing. Gerade die Kombination von BWL und nachhaltigem Tourismus öffnet viele Türen“, ist sich die 27-Jährige sicher.

abi>> 20.02.2018