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Welterbe schützen lernen

Der Kölner Dom
Der Kölner Dom ist eine der Welterbestätten in Deutschland. Im Masterstudium „World Heritage Studies“ an der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg lernen die Studierenden, Weltkultur- und naturerbe zu schützen.
Foto: Knopp

World Heritage Studies

Welterbe schützen lernen

Was schätzen die Menschen an alten Gebäuden, Kunst und Gebräuchen? Wie müssen wir mit unserem deutschen Kulturerbe und den Kunstschätzen anderer Länder umgehen? Diesen Fragen geht Fanny Steckel (26) in ihrem Studium „World Heritage Studies“ an der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg auf den Grund.

Pyramiden, Klöster und Altstädte einerseits, einmalige Landschaften wie das norddeutsche Wattenmeer oder das Great Barrier Reef vor Australien andererseits – das alles und noch viel mehr findet sich unter den 1.092 Unesco-Welterbestätten, die es derzeit in 167 Ländern weltweit gibt. Ihnen widmet sich der englischsprachige Masterstudiengang World Heritage Studies. Er wurde 1999 an der BTU Cottbus eingeführt und war der erste, der sein Programm speziell auf die Unesco-Konvention zum Schutz der kulturellen und natürlichen Vielfalt abstimmte.

Eine der Studierenden ist Fanny Steckel. Die 26-Jährige lernt kulturelles Erbe und Naturerbe zu identifizieren, zu schützen, zu managen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Da sie zu den Besten ihres Jahrgangs zählt, hat sie außerdem die Möglichkeit, sowohl an der BTU als auch an der Deakin University im australischen Melbourne je einen Masterabschluss zu erlangen.

Elemente aus mehreren Disziplinen

Ein Porträtbild von Fanny Steckel

Fanny Steckel

Foto: privat

Bereits vor ihrem jetzigen Studium sammelte Fanny Steckel interkulturelle Erfahrung: Nach dem Abitur in Berlin studierte sie zunächst Kunstgeschichte an der University of Reading in England, anschließend machte sie einen Master in Global Arts in London. „Schon in der Schule hat mich Kunstgeschichte interessiert. Nachdem ich mich mit Kunst in seinen unterschiedlichen Ausprägungen sowie mit seinen sozialen Aspekten befasst habe, interessierte mich – auch durch ein Praktikum bei einer Kunstzeitschrift – immer mehr die Frage des Kulturerbes. Außerdem hat mich die Interdisziplinarität des Studiengangs in Cottbus sehr gereizt.“

In dem Masterprogramm kooperieren nämlich mehrere Fakultäten der BTU, sodass Elemente der Geisteswissenschaften, der Architektur, der Konservierung, der Ökologie, der kulturellen Geographie, des Managements und Tourismus sowie des Marketings und der PR einfließen. Pflichtkurse im ersten Semester vermitteln Grundwissen zur Geschichte und dem Aufbau der Unesco, der Entwicklung der Welterbekonvention und den Schutzmaßnahmen der Organisation. Später können die Studierenden eigene Schwerpunkte setzen. „Mich interessiert eine akademische Laufbahn, deshalb habe ich einen theoretischen Schwerpunkt zum Diskurs der Kulturen gewählt“, sagt Fanny Steckel.

Wichtiger Bestandteil des Studiums sind zudem Studienprojekte und Praktika. „In Studienprojekten habe ich beispielsweise Denkmäler in Berlin erfasst und Ausstellungsmaterial erarbeitet. Manche Kommilitonen sind in die ehemalige Königsstadt Bagan in Myanmar geflogen und haben für die dortigen Kulturstätten an einem Konzept für einen unschädlichen Tourismus gearbeitet. In einem weiteren Studienprojekt nimmt eine Gruppe Studierender jedes Jahr an der jährlichen Sitzung des Welterbekommittees teil“, zählt sie die Möglichkeiten auf, Einblicke in die Arbeit mit Kultur- und Naturdenkmälern zu erhalten.

Kunstraub aus der Kolonialzeit aufarbeiten

Mit ihrem Master qualifiziert sich Fanny Steckel für Tätigkeiten rund um den Globus. Sie könnte bei der Unesco, deren nationalen Kommissionen oder im Management von Welterbestätten tätig werden, außerdem in Museen, Organisationen oder an Universitäten, die sich mit dem Schutz von Kultur- und Naturgütern befassen. Sie selbst strebt eine Tätigkeit im kuratorischen Bereich eines Museums an. Besonders interessiert sie die Rückführung von kolonialen Artefakten, die in deutschen oder europäischen Museen ausgestellt werden – Kunstschätze also, die während der Kolonisation von Deutschen oder anderen besetzenden Nationen beispielsweise in Afrika erworben oder erbeutet wurden.

Zu diesem Thema wird sie voraussichtlich ihre Masterarbeit im kommenden fünften Semester schreiben: „Durch meinen Hintergrund in Kunststudien mit einem besonderen Fokus auf Erinnerungsstudien – Schwerpunkte, die ich auch im Master World Heritage Studies verfolgt habe – interessiert mich sehr, warum wir mit der Aufarbeitung der deutschen Kolonialzeit auch im Museumsbereich zurückliegen. Mich faszinieren Museen und Galerien als Orte für menschlichen Austausch – da gibt es viel Potenzial.“

abi>> 11.10.2018