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Grenzenlose Leidenschaft für Biologie

Eine Biologiestudentin liest in einem Fachbuch.
Im Studiengang "Applied Biology" treffen sich Studierende aus der ganzen Welt um gemeinsam zu forschen.
Foto: Nicole Schwab

Applied Biology als Bildungsausländer

Grenzenlose Leidenschaft für Biologie

Später möchte Mohamed Saad in die Forschung gehen und mit seinen Erkenntnissen junge Leute für Naturwissenschaften begeistern. Dafür studiert der 21-jährige Ägypter derzeit im vierten Semester im Bachelorstudiengang Applied Biology an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Deutsch kann er noch nicht sehr gut, dafür spricht er fließend Englisch.

Seit September 2016 lebt Mohamed Saad in Rheinbach bei Bonn, wo die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg einen ihrer Standorte hat. Hierher und generell nach Deutschland ist er gekommen, um Applied Biology zu studieren. Inhaltlich gefiel ihm das Studienangebot der Hochschule: Die Schwerpunkte des sechssemestrigen Bachelorstudiengangs sind moderne Disziplinen der Biologie mit einem Fokus auf der Biomedizin. „Bei meiner Suche fand ich außerdem heraus, dass dieses Studium für mich in Deutschland am wenigsten kosten wird“, erklärt der junge Ägypter seine Wahl.

Studienkolleg als Umweg zur deutschen Hochschulzulassung

Ein Porträt-Foto von Mohamed Saad

Mohamed Saad

Foto: privat

Mohamed Saads Kommilitonen sind Studierende aus der ganzen Welt: Muttersprachler aus Irland und den USA, aber auch junge Leute aus Kolumbien, Saudi-Arabien, Indien, Spanien, Frankreich und natürlich Deutschland. Sieben Prozent der Studienplätze des zulassungsbeschränkten Studiengangs gehen an Bewerber, die ihre Hochschulzugangsberechtigung in einem Nicht-EU-Land erworben haben. Wessen Schulabschluss von der deutschen Kultusministerkonferenz nicht als Abitur anerkannt wird, hat die Möglichkeit, die Zugangsberechtigung über ein zweisemestriges Studienkolleg in Deutschland zu erlangen.

Mohamed Saad hatte Glück: Seine zwölfjährige ägyptische Schulausbildung plus zwei Semester an der Cairo University wurden in Deutschland als Hochschulzulassung anerkannt. Die geforderten Englischkenntnisse auf Fortgeschrittenenniveau konnte er mit einem exzellenten IELTS-Testergebnis nachweisen. „Der Zulassungsprozess war daher nicht sehr kompliziert. Probleme hatte ich eher mit dem Visum: Ich musste einen Monat darauf warten und verpasste die Einführungswoche“, erzählt er. Doch dann konnte sein Studium in Deutschland beginnen.
Holpriger Start in ein neues Leben

Der Studienstart vor zwei Jahren war für den angehenden Wissenschaftler auch der Start in ein neues Leben, in einer neuen Kultur. In Deutschland oder Europa war er nie zuvor gewesen. „Der Lebensstil hier ist komplett anders. In Ägypten wäre es zum Beispiel sehr unanständig, wenn sich ein Paar auf offener Straße küsst, selbst wenn die beiden verheiratet sind – das hat mich gleich am ersten Tag ganz schön geschockt“, erinnert er sich lachend.

Mittlerweile hat er sich dank eines Tandemprogramms der Uni, über das er mit einem deutschen Kommilitonen Freizeit verbringt, an das Leben in Deutschland gewöhnt. Nun ist ihm wichtig, Deutsch zu lernen. „An der Uni oder im Studentenwohnheim spricht jeder Englisch, aber außerhalb des Campus brauche ich dringend Deutsch. An der Uni habe ich deshalb gerade zwei Sprachkurse belegt“, sagt der 21-Jährige. Mittlerweile kann sich Mohamed Saad auf einfache Art verständigen. „Am Anfang fiel mir das sehr schwer, denn ich habe erst im Kopf auf Arabisch übersetzt, bevor ich in der Fremdsprache antworten konnte. Jetzt klappt das schon besser“, beschreibt er.

Lernen braucht mehr Zeit

Und an der Hochschule? Das Lernen in Englisch fällt ihm grundsätzlich nicht schwer. „Allerdings ist es natürlich trotzdem nicht meine Muttersprache und der Lernprozess dauert daher länger“, merkt der angehende Biologe an. Auch in der Kommunikation zwischen Studierenden und Dozenten läuft nicht immer alles rund: „Die meisten Dozenten sprechen fließend Englisch, doch in einigen wenigen Fällen fehlt mal ein englisches Wort oder der Dozent spricht es auf Deutsch aus, was dann erst mal lustig klingt. Aber da mache ich ihnen keinen Vorwurf und verstehen kann ich es meist trotzdem“, erzählt er.
Inhaltlich beschäftigten sich die Studierenden mit verschiedenen Bereichen der Biologie, berichtet der junge Ägypter: „Das geht von den grundlegenden zellulären Prozessen über Krankheiten bis hin zu unterschiedlichen Analysetechniken, die aktuell in Laboren zum Einsatz kommen. Letztere lernen wir an einigen Praxistagen kennen.“

Begeisterung für Naturwissenschaften teilen

Mohamed Saad strebt eine Forscherlaufbahn an. Sein Wunsch ist es, nach dem Studium als promovierter Biologe für eine akademische Institution an wissenschaftlichen Studien zu arbeiten. Um noch mehr Praxiserfahrung zu sammeln, absolvierte er über das Erasmus+-Programm ein Praktikum an der privaten Istanbuler Kültür Universität und unterstützte die Mitarbeiter dort bei einer Studie zu Brustkrebs. Und damit nicht genug Auslanderfahrung für den Ägypter: Sein fünftes Semester wird Mohamed Saad im englischen Oxford verbringen. Ein Praxis- und oder Auslandssemester ist fester Bestandteil des Studiengangs Applied Biology.

Nach seinem Studienabschluss in Deutschland möchte der 21-Jährige wieder zurück in seine Heimat: „Dort möchte ich mein Wissen mit jungen Ägyptern teilen, die wie ich für die Naturwissenschaften brennen.“

abi>> 01.10.2018