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Starthelfer fürs Berufsleben statt fürs Abi

Ein Lehrer steht vor einer Schulklasse.
Wer Probleme in der Schule hat, dem können Seminarleiter beruflicher Fortbildungszentren helfen, den Abschluss doch zu packen.
Foto: Martin Rehm

Aufhören nach dem ersten Staatsexamen – und dann? Lehramt

Starthelfer fürs Berufsleben statt fürs Abi

Nach dem ersten Staatsexamen startete Holger Sontopski (33) als Seminarleiter ins Berufseben. Für abi>> berichtet er, warum er sich gegen seinen zunächst geplanten Weg mit zweitem Staatsexamen und Referendariat entschied.

Ich wollte auf jeden Fall Lehrer werden und jungen Menschen dabei helfen, Spaß an der Schule zu haben. Da ich allerdings auch anspruchsvolle Themen bearbeiten wollte, entschied ich mich für das Lehramt an Gymnasien und dabei zunächst für die Fächer Deutsch und Religion. Während der ersten Semester wurde mir klar, dass mich die historischen Aspekte der beiden Fächer am meisten interessierten. Daher wechselte ich zur Kombination Deutsch und Geschichte.

Ideales Studium – Zweifel am Berufsziel

Porträtbild von Holger Sontopski

Holger Sontopski

Foto: privat

Das Studium war wie für mich geschaffen, da es durch die Vertiefung viele Möglichkeiten bot, Seminare und Vorlesungen nach meinen Interessen auszuwählen. Ich habe viele Seminare im Bereich Didaktik, Mediävistik und Landesgeschichte besucht. Dadurch musste ich für das erste Staatsexamen allerdings relativ viel nacharbeiten und im Selbststudium lernen. Es lag jedoch nicht am hohen Lernpensum oder den Prüfungen, dass ich mich anschließend dagegen entschied, das Referendariat und das zweite Staatsexamen zu machen.

Der Grund war ein anderer: Während des Studiums habe ich meine Pflichtpraktika am Gymnasium absolviert. Die haben mir grundsätzlich alle Spaß gemacht, aber wohler habe ich mich bei der Arbeit mit benachteiligten Jugendlichen gefühlt. Diese Erfahrung konnte ich bei einem Studentenjob im Beruflichen Fortbildungszentrum der Bayerischen Wirtschaft (BFZ) in Nürnberg machen. Dort habe ich als Dozent für Schulabschlussvorbereitung gearbeitet. Die Zielgruppe sind Jugendliche mit Lernverlangsamung oder aus schwierigen Verhältnissen.

Nach meinem ersten Staatsexamen bekam ich das Angebot, als Seminarleiter im BFZ zu arbeiten. Es war für mich eine attraktive Möglichkeit, da ich wusste, dass meine Aufgaben dort wesentlich vielfältiger und abwechslungsreicher sein würden.

Ein Entscheidungsprozess

Zum Ende meines Studiums und bevor ich das Angebot annahm, suchte ich zunächst das Gespräch mit meinen Professoren. Ich bekam dabei auch häufig die Empfehlung, lieber dieser Neigung nachzugehen, als ein unzufriedener Lehrer am Gymnasium zu sein. So wurde mir klar: Dieses Studium ist zwar für mich und meine Neigungen perfekt, aber für meine Vorstellung vom Arbeiten im Anschluss nicht. Letztendlich habe ich die Entscheidung, nach dem ersten Staatsexamen aufzuhören, aber erst nach einem langen Gespräch mit meiner Frau und meinen Eltern getroffen.

Ich nahm also die Stelle als Seminarleiter an und arbeite nun mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Dabei helfe ich ihnen, einen Weg ins Berufsleben zu finden. Außerdem bin ich nun für die Planung des erfolgreichen Mittelschulabschlusses bei uns im Haus verantwortlich. Mein Chef hat mich von Anfang an sehr gefördert. So erhielt ich zum Beispiel Weiterbildungen im Bereich „Umgang mit traumatisierten Menschen“. Außerdem hat er mich bei meinen Weiterbildungen zum Sozialwirt und zum Lehrer für Deutsch als Zweitsprache unterstützt. Alles zusammen hat mir einen guten Start ermöglicht. Dieser Weg war für mich der beste, den ich gehen konnte.

abi>> 29.06.2017