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Wissen für neuen Weg nutzen

Ein Student blättert in einem Jurabuch.
Sich durch tausende Seiten Rechtstexte blättern, büffeln unter hohem Konkurrenzdruck – das ist nicht für jedermann etwas, jeder vierte Jurastudierende bricht sein Studium vorzeitig ab. Doch ist das erste Staatsexamen in der Tasche, bieten sich ihnen und auch Studierenden in Medizin, Lehramt und Co. einige Alternativen.
Foto: Reimold

Aufhören nach dem ersten Staatsexamen – und dann?

Wissen für neuen Weg nutzen

Wer zum Beispiel Mediziner, Pharmazeut oder Volljurist werden möchte, muss nach dem Studium das mehrstufige Staatsexamen ablegen. Doch was ist, wenn man diese Hürde nicht schafft oder Zweifel am gewählten Beruf aufkommen? Auch dann gibt es Lösungswege.

Rund 1.245 Studiengänge in Deutschland schließen derzeit laut Hochschulkompass mit dem Staatsexamen ab. Sie verteilen sich auf nur wenige Fachbereiche. „Das Studienmodell findet sich insbesondere noch bei den medizinischen Studiengängen, also Human-, Zahn- und Veterinärmedizin, sowie bei der Pharmazie und bei den Rechtswissenschaften“, erklärt Rainer Schultz, Leiter der Zentralen Studienberatung an der Georg-August-Universität Göttingen. Auch bei den Lehramtsstudiengängen war das Staatsexamen lange Zeit der einzig mögliche Abschluss. „Hier hat im Zuge der Bologna-Reform nun jedoch bereits ein Großteil der Bundesländer auf Bachelor und Master umgestellt.“ Ähnlich verhält es sich bei der Lebensmittelchemie.

Was ist anders beim Staatsexamen?

Ein Porträtbild von Rainer Schultz

Rainer Schultz

Foto: privat

Beim Staatsexamen handelt es sich – wie der Name bereits vermuten lässt – um eine Prüfung, die von staatlichen Prüfungsämtern abgenommen wird. „Ziel ist dabei die staatliche Regulierung des Zugangs zu bestimmten Berufsfeldern“, sagt Rainer Schultz. „Bachelor- und Masterabschlüsse hingegen werden durch Prüfungen direkt an den Hochschulen erworben.“

Das bestandene erste Staatsexamen ist die Voraussetzung für weitere Studienabschnitte oder den jeweiligen Vorbereitungsdienst, der wiederum mit dem zweiten, teils auch einem dritten Staatsexamen abgeschlossen wird. Erst diese letzte staatliche Prüfung berechtigt dazu, den angestrebten Beruf auszuüben beziehungsweise die Zulassung dafür zu beantragen.

Fast jeder vierte Jurastudierende bricht ab

Durch den Ablauf ergeben sich jedoch besondere Herausforderungen, wie der Studienberater erläutert: „Beim Staatsexamen werden oftmals Inhalte aus dem gesamten Studium oder längeren Studienabschnitten geprüft. Dadurch kann sich ein höherer Leistungsdruck ergeben.“ Das wirkt sich beispielsweise auf die Quote der Abbrecher aus.

In Zahlen bedeutet dies laut einer Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung von 2017, dass 13 Prozent der Staatsexamensstudierenden ihr Studium vorzeitig beenden. Unter ihnen ist insbesondere die Quote bei den Rechtswissenschaften mit 24 Prozent recht hoch, im Lehramt liegt sie bei 13 Prozent und im Medizinstudium bei elf Prozent. Zum Vergleich: Unter allen Bachelorstudierenden, die nicht auf ein Staatsexamen hinarbeiten, hört fast jeder Dritte vor dem Abschluss auf, beim Master sind es 15 Prozent an Unis und sieben Prozent an Fachhochschulen.

Bei Zweifeln frühzeitig Rat suchen

Im Vergleich zu Bachelor- und Masterstudiengängen bedeutet das Staatsexamen längere Studienzeiten ohne einen ersten Abschluss. „Zwar erfolgt zum Beispiel bei Jura auch eine Zwischenprüfung nach drei oder vier Semestern, danach aber kann man ohne wirkliche Hürden bis zur Abschlussprüfung weiter studieren“, erklärt Rainer Schultz.

So bemerken manche erst spät, dass sie in einer Studienkrise stecken. Andere schaffen zwar das erste Staatsexamen, stellen dann aber im Vorbereitungsjahr fest, dass der Beruf doch nicht das Richtige für sie ist. „Daher sollte man aufmerksam bleiben und sich mit Studienproblemen so früh wie möglich ehrlich auseinandersetzen“, lautet sein wichtigster Rat.

Die Gründe können unterschiedlich sein: fehlende Motivation, Leistungsschwierigkeiten, äußere Faktoren wie Finanzen, familiäre Probleme oder auch die mangelnde Integration am Studienort. „Je nach Ursache, muss man nicht unbedingt gleich das komplette Studium infrage stellen. Oder es bietet sich an, in einen verwandten Studiengang zu wechseln“, erklärt der Experte. Auch aus Staatsexamensstudiengängen lassen sich einzelne bereits erbrachte Leistungen in Absprache mit der Hochschule dann oftmals anrechnen.

Mit dem ersten Staatsexamen ins Berufsleben

Mit einem erfolgreich abgeschlossenen ersten Staatsexamen stehen in manchen Studiengängen bereits berufliche Alternativen offen. Dazu sagt Rainer Schultz: „Es handelt sich hier um einen staatlich anerkannten Abschluss, der bei den Rechtswissenschaften von der Wertigkeit her in etwa einem Masterabschluss entspricht. Entsprechend gibt es Entwicklungsmöglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt sowie Alternativen zu den klassischen Berufsfeldern, gerade mit ergänzenden Qualifikationen.“

Rainer Schultz muss es wissen, denn er selbst ist auch diesen Weg gegangen: Er schloss sein Jurastudium mit dem ersten Staatsexamen ab und entschied sich dann, in Nordirland noch ein Masterstudium im Bereich Soziale Arbeit zu absolvieren. „Gerade diese Kombination hat mir anschließend berufliche Möglichkeiten eröffnet“, beschreibt er. Optionen für eine solche berufliche Weiterentwicklung sind je nach Studienfach unterschiedlich (siehe auch „Alternativen für Abgänger“). „Lehramtsstudierende können zum Beispiel nach einem Abschluss an einer privaten Bildungseinrichtung oder bei Schulbuchverlagen tätig werden“, nennt Rainer Schultz eine der Möglichkeiten (siehe auch „Starthelfer fürs Berufsleben statt fürs Abi“).

Je nach Problem und Zeitpunkt der Krise können Ratsuchende verschiedene Anlaufstellen nutzen. „Es gibt immer Ansprechpartner in den konkreten Studiengängen, die einem fachliche Rückmeldung geben können. Zentrale Studienberatungen wiederum unterstützen zum Beispiel bei einer Umorientierung“, erklärt Rainer Schultz. Nach einem bereits bestandenen ersten Staatsexamen hilft auch die Berufsberatung der Agenturen für Arbeit weiter. Viele Hochschulen bieten außerdem einen Career Service, der ebenfalls bei der beruflichen Orientierung beratend zur Seite steht.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchworte: Medienpädagoge/-pädagogin, Medienbildung)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Stichwort: Medienpädagogik).
www.studienwahl.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

„Studienabbruch – und dann?“

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung informiert über Alternativen nach einem Studienabbruch.
www.studienabbruch-und-dann.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studien- und Promotionsmöglichkeiten sowie internationale Kooperationen
www.hochschulkompass.de

abi>> 29.06.2017