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Ein Studium, zwei Abschlüsse

Junge Frau wirft vor Freude ihre Zeugnisse in die Luft.
Wer einen internationalen Studiengang mit Doppelabschluss absolviert, darf sich über gleich zwei Studienabschlüsse freuen.
Foto: Jessica Braun

Doppelabschlüsse

Ein Studium, zwei Abschlüsse

Das Angebot an internationalen Studiengängen mit Doppelabschluss wächst. Das bedeutet, man erwirbt nicht nur zwei Studienabschlüsse, sondern verbringt einen großen Teil seiner Studienzeit im Ausland. Die Studierenden wissen das zu schätzen. Kein Wunder, immerhin handelt es sich dabei um mehr als eine Stippvisite.

Wenn alles glatt geht, wird Eva Hauber (21) am Ende ihres Bachelorstudiums zwei Abschlusszeugnisse erhalten: eines von der Hochschule Rosenheim und eines von der University of South Wales. Wie das kommt? Wer in Rosenheim Betriebswirtschaft studiert, kann an einem Doppelabschluss-Programm teilnehmen, bei dem man einen Teil seines Studiums in Großbritannien oder Finnland absolvieren kann.

„In der Regel geht man im fünften Studiensemester ins Ausland“, erzählt Eva Hauber, die kurz vor ihrer Abreise nach Wales steht. Auch das anschließende Praxissemester wird von der Partnerhochschule betreut. „Im Praxissemester werde ich eine wissenschaftliche Arbeit für die walisische Hochschule schreiben, die ich später zur Bachelorarbeit ausbauen und in Rosenheim einreichen kann“, schildert sie.

Von der Masse abheben

Ein Porträt-Foto von Eva Hauber

Eva Hauber

Foto: Privat

Da BWL ein beliebtes Studienfach ist, empfand Eva Hauber das Programm als gute Möglichkeit, sich von der Masse abzuheben. „Die Studienleistungen, die ich in Wales erbringe, fließen in die Gesamtnote mit ein“, sagt sie. Um zugelassen zu werden, musste sie 120 Credit Points erarbeiten, Bewerbungen schreiben, Empfehlungen einholen und mit der University of South Wales klären, welche Veranstaltungen sie vor Ort besuchen muss. „Klar gibt es viel zu organisieren, aber ich habe sowohl in Rosenheim als auch in Wales Ansprechpartner, die mir helfen“, berichtet sie.

Das ist insbesondere mit Blick auf die Finanzierung notwendig, denn die Studiengebühren in Wales belaufen sich auf über 10.000 Euro. „Es gibt Stipendien, etwa von der britischen Regierung, das ‚Programm zur Steigerung der Mobilität von deutschen Studierenden‘, kurz Promos, sowie Auslands-BAföG. Damit kann man einen Großteil abfangen“, weiß sie.

Zwei oder drei Studienabschlüsse

Immer mehr deutsche Hochschulen bieten Studiengänge mit Doppelabschluss an. Dem Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) zufolge gibt es aktuell 230 entsprechende Bachelor- und 346 Masterprogramme (Stand: Juli 2015). So bietet beispielsweise die Universität Bayreuth einen rechtswissenschaftlichen Studiengang in Kooperation mit der Universität Sevilla an, die Technische Hochschule Wildau kooperiert im Studiengang Logistik mit Partnerhochschulen in Polen oder Ungarn. Die Technische Universität Dresden wiederum ermöglicht es angehenden Ingenieuren der Elektrotechnik, der Informationssystemtechnik, der Regenerativen Energiesysteme und der Mechatronik, einen zweiten Studienabschluss von einer französischen Uni zu erwerben. Einige der im Hochschulkompass gelisteten Angebote sind dabei nicht nur bi-, sondern gar trinational, das heißt, die Studierenden absolvieren ihr Studium an drei Hochschulen in drei Ländern. (Lies hierzu die Reportage „Drei Länder – drei Hochschulen“.)

„In den meisten Fällen wird ein ‚double degree‘ verliehen, das bedeutet, Absolventen erhalten zwei Zeugnisse, eines von der Heimat- und eines von der Partnerhochschule. Beim ‚joint degree‘ bekommen sie ein gemeinsames Zeugnis beider Hochschulen“, erläutert Almut Lemke, Referentin beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und zuständig für das Thema Doppelabschluss.

Großbritannien, China oder Frankreich?

Der DAAD fördert solche Studiengänge über das Programm „Integrierte internationale Studiengänge mit Doppelabschluss“. Angeboten werden sie sowohl von Universitäten als auch von Fachhochschulen in diversen Fachrichtungen. „Die aktuell geförderten 115 Studiengänge befinden sich zu je ungefähr einem Drittel in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, den Sprach- und Kulturwissenschaften sowie den Ingenieurwissenschaften“, erklärt Almut Lemke.

Bevorzugte Partnerländer der vom DAAD geförderten Hochschulen sind derzeit Großbritannien, China, die USA, die Russische Föderation, Polen, Italien und Spanien. Für Kooperationen mit Frankreich gibt es eine eigene Institution: die Deutsch-Französische Hochschule (DFH). Sie ist allein für 176 integrierte Bachelor- und Masterprogramme an 185 Partnerhochschulen in Deutschland und Frankreich zuständig. (Lies hierzu die Reportage „Campusleben auf Französisch“)

Bei den Bachelorstudiengängen im DAAD-Programm gehen die Studierenden mindestens für ein Jahr an die ausländische Partnerhochschule, in den Masterstudiengängen mindestens ein Semester lang. „Das Studium dort verläuft nach einem zwischen beiden Hochschulen abgestimmten Studienplan. Nach Möglichkeit sollen die deutschen Studierenden zumindest zeitweise gemeinsam mit den Teilnehmern der Partnerhochschule studieren“, zeigt Almut Lemke auf.

Finanzierung rechtzeitig klären

Auslandsaufenthalte sind in der Regel mit Mehrkosten verbunden, zumal man umziehen oder pendeln muss. Um die Kosten stemmen zu können, stehen verschiedene Förderangebote zur Verfügung. Die DFH beispielsweise fördert ihre Programmteilnehmer während des Frankreichaufenthalts mit monatlich 270 Euro. Eine weitere Möglichkeit ist BAföG im Ausland, für das man sich bei dem Auslandsamt bewirbt, das für das jeweilige Zielland zuständig ist. Zur monatlichen Förderung kommt ein einmaliger Reisekostenzuschlag, eventuell Beihilfe zur Krankenversicherung, zu Studiengebühren und höheren Lebenshaltungskosten.

Das Mobilitätsprogramm Promos fördert Auslandsaufenthalte von bis zu sechs Monaten. „Um die Stipendien bewerben sich die Studierenden direkt bei ihren Heimathochschulen“, sagt Almut Lemke. Eine Förderung über das EU-Programm Erasmus+ ist ebenfalls möglich.

Beim DAAD können Interessierte in der Stipendiendatenbank nach geeigneten Förderangeboten recherchieren. Ein Beispiel sind die DAAD-Jahresstipendien für Studierende aller Fächer. Die monatliche Stipendienrate sowie der Reisekostenzuschuss richten sich nach dem jeweiligen Gastland. In jedem Fall wichtig: Um die Beantragung sollte man sich rechtzeitig kümmern, mindestens mehrere Monate vor der geplanten Abreise.

Der Aufwand lohnt sich

Überhaupt sollte man sich darüber im Klaren sein, dass ein bi- oder trinationaler Studiengang mit hohem Organisationsaufwand verbunden ist und guter beziehungsweise frühzeitiger Planung bedarf. Der Aufwand lohnt sich aber – und Vorzüge gibt es auch: eine gute Betreuung vor Ort und vorbereitende Kurse. „Die Studierenden profitieren von engen, oft langjährigen Kooperationen zwischen den Hochschulen“, weiß Almut Lemke.

Nicht zuletzt wissen Personalverantwortliche die im Ausland erbrachten Studienleistungen zu schätzen (siehe den Beitrag „Interkulturelle Kompetenzen gefragt“) „Neben den erworbenen Sprachkenntnissen werden durch die Auslandsaufenthalte besonders berufsbefähigende Qualifikationen wie Erfahrungen in gemischten Teams oder Praktika gefördert“, sagt Referentin Lemke. Pluspunkte kann man aber nicht nur bei potenziellen deutschen Arbeitgebern sammeln: Wer sich später etwa bei einem Unternehmen im Ausland bewerben will, hat unter Umständen den großen Vorteil, einen einheimischen Studienabschluss vorweisen zu können.

Weitere Informationen

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

Hochschulkompass

Der Hochschulkompass ist ein Informationsangebot der Hochschulrektorenkonferenz über alle deutschen Hochschulen, deren Studienangebot und internationale Kooperationen. In der erweiterten Suche kannst du gezielt nach Studiengängen mit internationalem Doppelabschluss filtern.
www.hochschulkompass.de

Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)

www.daad.de

Die aktuell vom DAAD geförderten 115 Doppelabschlussprojekte sind zu finden unter: www.daad.de/medien/hochschulen/ww/studiengaenge/doppel-abschlussprogramm/2014-15_foerderprojekte_da.pdf

Weitere Informationen zum Thema Doppelabschlüsse hält der DAAD hier bereit:
www.daad.de/hochschulen/programme-weltweit/studiengaenge/de/23193-integrierte-internationale-studiengaenge-mit-doppelabschluss

Deutsch-Französische Hochschule (DFH)

www.dfh-ufa.org

BAföG im Ausland

www.bafög.de/de/auslandsfoerderung-384.php

abi>> 31.08.2015