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Zweigleisig zum Doktortitel

Statue von Helmholtz vor der Humboldt Universität Berlin
Nur besonders leistungsstarke Lehramtsstudierende haben an der Humboldt-Universität in Berlin die Chance auf eine Turbo-Promotion.
Sonja Trabandt

Fast-Track an der Humboldt-Universität zu Berlin

Zweigleisig zum Doktortitel

Marvin Rost (28) ist Lehramtsstudent an der Humboldt-Universität zu Berlin und ein echter Überflieger: Obwohl er gerade erst den Master of Education absolviert, ist seine Promotion schon längst in Arbeit.

Abitur 2005, Ausbildung zum Chemielaboranten, Zwei-Fach-Bachelor in Chemie und Philosophie mit Lehramtsoption an der Freien Universität Berlin, dann der Wechsel an die Humboldt-Universität (HU) fürs Masterstudium – soweit ist an Marvin Rosts Werdegang nichts ungewöhnlich. Doch obwohl er gerade in den letzten Zügen seiner Masterarbeit steckt, hat er schon längst mit seiner Promotion begonnen. Möglich macht dies der Fast-Track-Promotionsstudiengang, ein Pilotprojekt an der HU Berlin, bei dem die Teilnehmer innerhalb von vier Jahren den Master of Education und die Promotion absolvieren.

Noten und Motivation ausschlaggebend

Ein Porträt-Foto von Marvin Rost

Marvin Rost

Foto: Privat

Zugelassen werden nur besonders forschungsorientierte und leistungsstarke Studierende. Eine überdurchschnittlich gute Note in der Bachelorarbeit reicht nicht aus: „Ich musste im Eignungsgespräch auch meine Bachelorarbeit vorstellen, ein Motivationsschreiben vorlegen und ein Exposé verfassen, in dem ich mein Forschungsthema beschrieben habe. Dafür musste ich vorab einen Professor begeistern, der mich unterstützt“, schildert Marvin Rost.

Die Idee zu promovieren kam dem 28-Jährigen erst, als zu Beginn des Masterstudiums der Fast-Track vorgestellt wurde. Schließlich gibt es nicht viele Lehrer, die einen Doktortitel vor dem Namen tragen. „Ich möchte mit der Promotion mein Spektrum erweitern, da ich persönlich die Anbindung der Bildungsforschung an das Lehramt für wichtig halte.“ Inwiefern der Lehramtsstudent diesen Anspruch später in der Praxis umsetzen kann, und ob der Job vor der Klasse wirklich zu ihm passt, wird er spätestens im Rahmen des Referendariats herausfinden, das er an seine Promotion anschließen wird. Alternativ käme aber auch eine Stelle in der Bildungswissenschaft für ihn infrage – zum Beispiel.

Fokus des Studiums verändert sich

Doch noch ist Marvin Rost auf dem Fast-Track. Während des Masterstudiums besucht er dieselben Lehrveranstaltungen wie seine Kommilitonen, die regulär studieren. Allerdings nimmt er an Zusatzveranstaltungen teil, die ihn gezielt auf die Promotion vorbereiten, und darf einige Seminare durch stärker forschungsorientierte Veranstaltungen ersetzen. Ein interdisziplinäres Kolloquium und ein vertiefender Methodenkurs pro Semester stehen ebenfalls auf seinem Studienplan. „Rein rechnerisch habe ich dadurch vier Semesterwochenstunden mehr Zeitaufwand, was vor allem gegen Ende des zweijährigen Masterstudiums anstrengend ist. Das ist aber auch schon der einzige Nachteil, den ich im Fast-Track sehe“, erzählt der 28-Jährige, der sich in seiner Doktorarbeit mit der empirischen Untersuchung von Modellkompetenz im Chemieunterricht beschäftigt.

Wer Organisationstalent hat und Durchhaltevermögen mitbringt, sei in der Turbo-Promotion gut aufgehoben, meint Marvin Rost. Im Sommer beginnt für ihn die zweite Phase des Fast-Tracks, in der er sich ausschließlich seiner Promotion widmen wird. Jetzt heißt es noch mal Gas geben für den Master, denn wenn er ihn mit Bravour abschließt, kann er auf ein Stipendium von monatlich 1.365 Euro hoffen, das die Humboldt-Universität an die vier Besten vergibt.

abi>> 07.07.2015