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Auf der Überholspur zum Doktortitel

Tische in der Bibliothek einer Hochschule.
Fast-Track-Teilnehmer ersetzen Seminare durch stärker forschungsorientierte Kurse.
Foto: Verena Westernacher

Fast-Track-Studiengänge

Auf der Überholspur zum Doktortitel

Noch keinen Master in der Tasche und trotzdem promovieren? Fast-Track-Studiengänge machen’s möglich. Wer sich dafür eignet, welche Programme es gibt und wie diese aufgebaut sind, zeigt dir abi».

David Probandt ist Teilnehmer des Graduiertenprogramms „Marine Microbiology“ (MarMic) an der International Max Planck Research School in Bremen. Seit 2003 bietet dieses Programm im Bereich Meeresforschung besonders begabten Studierenden bereits nach dem Bachelorabschluss die Möglichkeit, im Rahmen einer strukturierten Ausbildung schneller zum Doktortitel zu gelangen. Innerhalb von in der Regel viereinhalb Jahren haben die Teilnehmer den Master of Science in der Tasche und ihre Promotion abgeschlossen. Vorausgesetzt sie nehmen, wie David Probandt, im Vorfeld einige Hürden: Nur wer mit einem Motivations- und zwei Referenzschreiben punktet, wird nach Bremen eingeladen, wo die Anwärter einen schriftlichen Test und zwei Auswahlgespräche absolvieren müssen.

David Probandt im Labor

David Probandt

Foto: privat

„In den ersten beiden Semestern des Programms durchläuft man ein straffes Training“, erinnert sich der 28-Jährige. „Der Tag startet mit einer Vorlesung, anschließend ist bis 18 Uhr Laborarbeit angesagt.“ Das dritte Semester dient der eigenständigen Projektarbeit – der Masterarbeit –, auf die in der Regel die Doktorarbeit aufbaut, die noch einmal rund drei Jahre in Anspruch nimmt. „Lebensgemeinschaften von Bakterien in Meeressedimenten in der deutschen Bucht“, das ist das Thema, mit dem sich David Probandt seit 2013 beschäftigt. „Wenn ich fertig bin, möchte ich entweder in der Wissenschaft bleiben oder nach einem Job in einem Life-Science-Unternehmen Ausschau halten“, sagt er.

Mit oder ohne Mastertitel

Schnell, schneller, Fast-Track: Besonders leistungsstarke und engagierte Studierende können bereits nach dem Bachelorstudium mit der Promotion beginnen. Entweder startet die Promotion direkt im Rahmen eines Vorbereitungs- und Forschungsstudiums, wobei man in der Regel keine Masterarbeit anfertigt (siehe die Reportage „Den Master überspringen“). Oder sie wird – wie im Fall von David Probandt – parallel zum Masterstudium absolviert. Dabei besuchen Fast-Track-Teilnehmer extra für das Programm vorgesehene, promotionsrelevante Lehrveranstaltungen und ersetzen Seminare durch stärker forschungsorientierte Kurse. Erst nach dem Masterabschluss widmen sie sich ausschließlich der Doktorarbeit. Die Bewerbung für den Fast-Track erfolgt in der Regel im Laufe des Masterstudiums, meist am Ende des zweiten Semesters.

Angebot ist vorhanden

In Deutschland ist das Angebot an Fast-Track-Studiengängen inzwischen recht groß: „Zwar gibt es keine flächendeckende Erfassung, jedoch ist davon auszugehen, dass rund die Hälfte der Hochschulen solche Programme anbietet“, sagt Susanne Schilden, Pressesprecherin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). Am weitesten ist die Turbo-Promotion in den Naturwissenschaften verbreitet, beschränkt sich jedoch nicht darauf: Auch in Fächern wie beispielsweise Wirtschaftswissenschaften, Psychologie oder Bildungsforschung ist sie möglich (siehe auch die Übersicht).

Wer den Fast-Track an einer Graduiertenschule absolviert, erhält in der Regel eine finanzielle Förderung oder ein Stipendium. Andernfalls muss man sich selbst um die Finanzierung kümmern.

Schon gewusst?

Die Einführung des Fast-Track wurde durch einen Beschluss der Kultusministerkonferenz aus dem Jahr 2000 begünstigt, der festlegt, dass Bachelorabsolventen direkt zu einem Promotionsstudium zugelassen werden können, sofern sie ein Eignungsfeststellungverfahren an der jeweiligen Hochschule bestehen.

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abi>> 13.07.2015