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„Ich promoviere für mich selbst“

Ein Promovend arbeitet am Computer.
An der eigenen Doktorarbeit forschen und gleichzeitig als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig sein - das ist der Kern der Individualpromotion am Lehrstuhl.
Foto: Kemme

Individualpromotion am Lehrstuhl

„Ich promoviere für mich selbst“

Der Informatiker Wolf Posdorfer (29) schreibt an der Universität Hamburg seine Dissertation über die Datenform Blockchains.

Bitcoins sind eine digitale Währung, die den Bankverkehr verändern soll. Die Datenbanken, die dahinter stecken, nennen sich Blockchains. Sie sind das Thema, dem Wolf Posdorfer seine Doktorarbeit widmet. „Viele Marktformen sind auf Zwischenhändler angewiesen, die für ihre Arbeit Gebühren verlangen. Ich analysiere diese Prozesse und stelle sie bei Bedarf um, so dass sie digitalisiert werden können. Dann programmiere ich die Technologien, die es ermöglichen, Handelsplätze zu dezentralisieren“, erklärt der Doktorand, der als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Hamburg angestellt ist.

Derzeit verwendet Wolf Posdorfer für seine Tests fiktive Daten, die auf den realen Bilanzen und Preisen der Energiebörse basieren. Die Ergebnisse seiner wissenschaftlichen Arbeit sollen aber dazu führen, dass später mit echten Daten gehandelt werden kann.

Theorie und Praxis

Porträtbild von Wolf Podsdorfer

Wolf Podsdorfer

Foto: privat

Gerade die Kombination aus Theorie und praktischer Anwendung ist es, die Wolf Posdorfer an seinem Forschungsgebiet fasziniert. Schon von seinem Bachelor in Software-System-Entwicklung an der Universität Hamburg war der Informatiker so begeistert, dass er gerne promovieren wollte. Dass seine Eltern auch beide einen Doktortitel haben, war für ihn eine zusätzliche Motivation. Während des Masters in Informatik knüpfte Wolf Posdorfer Kontakt zu seinem Doktorvater. An der Individualpromotion schätzt er vor allem die Freiheiten: „Ich habe ausreichend Zeit, innerhalb der Domäne der Blockchains ein Problem zu finden, dass ich lösen möchte.“

Ablauf der Promotion

Bevor Wolf Posdorfer mit seiner eigentlichen Forschung beginnen konnte, musste er sich auf eine Stelle bewerben und ein Promotionsvorhaben schreiben, um zugelassen zu werden. Als er das Wichtigste aus seiner Masterarbeit zusammengefasst und veröffentlicht hatte, war schon ein halbes Jahr vergangen. Weitere sechs Monate war er damit beschäftigt, sich für ein Forschungsthema zu entscheiden. Das zweite Jahr der Promotion nutze er dann dazu, sich in dieses Feld einzuarbeiten.

Jetzt geht es darum, zu konkretisieren, welches Problem er eigentlich genau bearbeiten will. „Es braucht Zeit, bis sich das herauskristallisiert. Ich habe inzwischen ein gutes Verständnis davon, welche Ansätze ich verfolgen möchte. Jetzt muss ich meine Forschungsfrage ausformulieren und in Hinblick darauf Lösungen ausarbeiten.“ Und schließlich muss er seine Dissertation auch noch schreiben. Er hat sich für eine klassische Monografie entschieden, weil kumulative Promotionen in seinem Fachbereich eher unüblich sind.

Finanzierung und Kooperation

Für die Zeit der Promotion hat Wolf Posdorfer eine 50-Prozent-Stelle an der Universität Hamburg. „In der freien Wirtschaft könnte ich als Informatiker natürlich deutlich mehr Geld verdienen. Direkt nach dem Studium habe ich das Gehalt dennoch als finanziellen Aufstieg wahrgenommen und gut von dem Verdienst leben können“, sagt er. Nach einem halben Jahr bekam Wolf Posdorfer eine weitere halbe Stelle in einem kooperierenden Unternehmen dazu. Dort programmiert er für bestimmte Projekte, um die daraus gezogenen Anforderungen und Lösungsansätze in seine Dissertation einfließen zu lassen. Er freut sich, mit einem Projektpartner zusammenzuarbeiten, der mit seiner Forschung wirklich Geld verdienen möchte: „Das gibt meiner Aufgabe, funktionierende Technologien und Prozesse zu produzieren, noch mehr Sinn.“

In drei Jahren möchte Wolf Posdorfer seine Dissertation abgeschlossen haben. Ob er danach in der Wissenschaft oder in der Wirtschaft arbeiten wird, weiß er noch nicht. Er geht aber nicht davon aus, dass der Doktortitel ihn beruflich weiterbringen wird: „Ich promoviere in erster Linie, um mich persönlich weiterzuentwickeln.“

abi>> 06.12.2017