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Experten zwischen den Disziplinen

Zu sehen sind X-Chromosomen.
Informatik trifft auf Biologie: Immer mehr Forschungsfragen werden interdisziplinär gelöst.
Foto: Sebastian Kaulitzki

Schnittstellenstudiengänge

Experten zwischen den Disziplinen

Technischer Fortschritt und Digitalisierung haben unsere Arbeitswelt komplexer gemacht. Oft reicht es nicht mehr aus, Probleme nur aus einer Perspektive zu betrachten oder die Produktentwicklung einer Disziplin zu überlassen. Mal braucht die Biologie die Informatik oder die BWL die Kulturwissenschaft. Die deutschen Hochschulen haben das längst erkannt: Zahlreiche Studiengänge verbinden unterschiedliche Wissensbereiche.

Tino Schmidt (22) studiert im fünften Semester Bioinformatik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Hier lernt er, computerbasierte Methoden auf Probleme der Biowissenschaften anzuwenden. Denn immer mehr Forschungsfragen werden nicht mehr durch langwierige Experimente im Labor, sondern mithilfe von Algorithmen am Rechner gelöst. So würde heute die Sequenzierung des menschlichen Genoms – also die Bestimmung der Abfolge der DNA-Basen im Erbgut – weniger als einen Tag dauern. Ein Projekt, für das die Wissenschaft einst 13 Jahre gebraucht hat. „Wofür all diese Sequenzen gut sind, wissen wir aber nur in Bruchteilen. Den ganzen Gen-Orten Namen und Funktionen zu geben, ist mittlerweile nur noch mit dem Computer zu lösen, denn das sind Datenmengen im Gigabyte-Bereich“, erklärt Tino Schmidt. In seinem Bachelorstudium lernt er unter anderem, wie man effiziente Algorithmen entwickelt, um die Informationen in solchen riesigen Genom-Datenbanken verarbeiten zu können.

Schnittstellen-Experten sind gefragt

Ein Porträt-Foto von Tino Schmidt

Tino Schmidt

Foto: Privat

Für Informatik hat sich Tino Schmidt schon immer begeistert. „Das alleine zu studieren, wäre mir aber zu eintönig gewesen“, begründet er seine Studienwahl. In den ersten drei Semestern besuchte er vor allem Grundlagen-Vorlesungen in den Studiengängen Informatik, Biologie, Mathematik und Chemie. Erst im Hauptstudium belegen die Studierenden verstärkt Bioinformatik-spezifische Module, etwa zur statistischen Datenanalyse. Interdisziplinär zu studieren, hätte viele Vorteile, sei aber auch herausfordernd, wie er selbst sagt: „Bioinformatik ist nicht schwerer als ein reines Informatikstudium, denn wir greifen von vielen Disziplinen etwas ab, haben aber nicht das gleiche Pensum. Andererseits muss man sich aufgrund der vielen Fächer schnell an die Flexibilität gewöhnen, was einigen am Anfang eher schwer fällt.“

Dass genau diese gedankliche Beweglichkeit auf dem Arbeitsmarkt immer mehr gefragt ist, weiß Jens Homberg, Berufsberater bei der Arbeitsagentur Oldenburg-Wilhelmshaven: „Werden zwei Studienrichtungen miteinander verbunden, sind die Absolventen natürlich nicht mehr hundertprozentige Experten auf beiden Gebieten. Das wird aber auch nicht angestrebt, denn dafür bringen sie ein ausgeprägtes Verständnis für verschiedene Denkweisen mit und können zwischen Disziplinen übersetzen.“ Weil beruflich immer mehr Aufgabenfelder zusammenwachsen, sind solche Schnittstellen-Experten auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt (siehe auch das Interview „Gefragt sind Querschnittsdenker“). „Auch die Verknüpfung einer Disziplin aus den Ingenieur- oder Naturwissenschaften mit Managementkompetenzen wird zukünftig interessant sein, denn die Unternehmen legen immer größeren Wert auf Kostenkontrolle und Wirtschaftlichkeit“, sagt Jens Homberg.

Cultural Engineering und Interfacedesign

Ein Porträt-Foto von Petra Kabisch

Petra Kabisch

Foto: Privat

Menschen und Unternehmen müssen sich also „upgraden“, seitdem Internet und Globalisierung die Arbeitswelt verändern und immer neue Wissensgebiete und Wirtschaftszweige entstehen. Cultural Engineering, Interfacedesign oder Technology Management – das Angebot an Studiengängen, die auf die komplexer werdenden Aufgaben vorbereiten, wächst (siehe auch das Quiz „Bist du ein Schnittstellenexperte?"). 

„In einem Studiengang wie Cultural Engineering werden zum Beispiel Kulturmanager ausgebildet, die sich auch in wirtschaftlichen und technischen Fragen auskennen. Die Studierenden lernen nicht innerhalb disziplinärer Grenzen, sondern bekommen einen ganzheitlichen Blick auf projektbezogene Anforderungen in Unternehmen, Verbänden und kulturellen Einrichtungen“, erläutert Dr. Petra Kabisch, Leiterin der Studienberatung an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg. Es gehöre eine große Portion Offenheit dazu, sich auf die Denk- und Arbeitsweisen verschiedener Fachrichtungen einzulassen. „Alternativ bieten auch Zwei-Fach-Bachelorstudiengänge die Möglichkeit, sich eine Fächerkombination individuell zu kreieren. Großes Potenzial sehe ich in der Verbindung von einem geisteswissenschaftlichen Fach mit den Ingenieur- oder Wirtschaftswissenschaften“, ergänzt die Studienberaterin.

Tino Schmidt fährt das „Fächerkarussell“ mittlerweile schon sehr geübt und möchte noch einen Master in Bioinformatik dranhängen. Später kann er sich vorstellen, in der Forschung zu arbeiten.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchworte: Bioinformatiker/in, Wirtschaftsarabist/in, Interfacedesigner/in, Geoökologe/-ökologin etc.)
www.berufenet.arbeitsagentur.de


studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de


Hochschulkompass

Der Hochschulkompass ist ein Informationsangebot der Hochschulrektorenkonferenz über alle deutschen Hochschulen, deren Studienangebot und internationale Kooperationen.
www.hochschulkompass.de


Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)

Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit. Die Forschungsergebnisse werden unter dem Menüpunkt „Publikationen“ veröffentlicht.
www.iab.de


Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

Erforschung und Weiterentwicklung der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Der BIBB-Report veröffentlicht laufend Daten, Fakten und Analysen zu aktuellen Fragen der Berufsbildung.
www.bibb.de


BIBB-Studien

„Megatrends – Relevanz und Umsetzbarkeit in den BIBB-IAB-Qualifikations- und Berufsfeldprojektionen“
(Fachbeiträge im Internet, 2015)
„Engpässe im mittleren Qualifikationsbereich trotz erhöhter Zuwanderung“
(BIBB-Report 23/14)


Verein Deutscher Wirtschaftsarabisten (VDWA)

Das vom VDWA herausgegebene Magazin „Al-Masdar“ informiert unter anderem über den vereinsnahen Studiengang „Angewandte Wirtschaftssprachen – Arabisch“, inklusive der Vorstellung von Alumni und Studienanfängern.
www.wirtschaftsarabisten.de


Fachgruppe Bioinformatik

Zusammenschluss der Bioinformatiker aus Deutschland. Unter dem Menüpunkt „Bioinformatik in Deutschland“ findet sich eine Übersicht über BA- und MA-Studiengänge.
www.bioinformatik.de

abi>> 28.03.2016