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Gefragt sind Querschnittsdenker

Jemand arbeitet am Computer an der Struktur eines Rechnernetzwerkes.
Durch die immer weiter fortschreitende Digitalisierung der Arbeitwelt steigen die Anforderungen an die Arbeitskräfte.
Foto: Axel Jusseit

Schnittstellenstudiengänge: Interview

Gefragt sind Querschnittsdenker

abi» sprach mit Dr. Gerd Zika, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), unter anderem über die Nachfrage nach Fachkräften, die nicht nur in einer Disziplin zu Hause sind.

abi>> Für die künftige Arbeitswelt wird oft der Begriff Wirtschaft 4.0 verwendet. Was ist damit gemeint?

Gerd Zika: Im Wesentlichen bezeichnet der Begriff die immer weiter fortschreitende Digitalisierung der Arbeitswelt. Durch den Einsatz sogenannter Cyber-Physical-Systems werden neue Wege in der Produktion und bei Dienstleistungen gegangen. Das lässt sich etwa am Autositz verdeutlichen. Künftig könnte durch Sensorik im Sitz die Anzahl der Insassen ermittelt und über WLAN an die Lichtsignal-Zugangssteuerung zu „Priority Lanes“ für voll besetzte Fahrzeuge übermittelt werden. Ein weiteres Beispiel: Da die virtuelle und reale Welt immer mehr miteinander vernetzt sind, können Unternehmen nun auch verstärkt „on demand“ produzieren, also erst wenn der Kunde bestellt hat. Das führt dazu, dass Produktionsanlagen und Mitarbeiter im Unternehmen flexibler eingesetzt werden müssen.

Wirtschaft 4.0 bedeutet aber nicht nur, die Produktion innerhalb eines Unternehmens intelligent zu steuern und zu planen, sondern auch über die eigenen Firmengrenzen hinweg. Das sind hohe Anforderungen an die Schnittstellen-Bereiche wie etwa Planung, Einkauf, Produktion und Logistik.

abi>> Was bedeutet das für die Fachkräfte von morgen?

Gerd Zika: Die Arbeit wird anspruchsvoller werden und mehr non-formale Qualifikationen wie Fähigkeit zu selbstständigem Handeln, Selbstorganisation oder Abstraktionsfähigkeit erfordern. Insbesondere einfache Routinetätigkeiten, aber auch isoliert angewandtes Spezialwissen werden weniger benötigt. Für Unternehmen wird immer wichtiger, dass ihre Mitarbeiter komplexe Probleme lösen können. Idealerweise bringen künftige Fachkräfte neben der spezifischen fachlichen Kompetenz noch Erfahrung im Umgang mit digitalen Netzen sowie ausgeprägte Soft Skills im kommunikativen Bereich mit, insbesondere in der Teamarbeit.

abi>> Solche Fähigkeiten werden in einem Studium in der Regel geschult. Welche beruflichen Chancen sehen Sie in den nächsten Jahren für Akademiker?

Gerd Zika: Unsere Langfristprojektionen zeigen, dass es vor allem im mittleren Qualifikationsbereich ab Mitte der 2020er Jahre zu Engpässen kommen könnte. Der Bedarf an Arbeitskräften ohne eine abgeschlossene Berufsausbildung wird hingegen weiter sinken. Zugleich wird die Zahl der Akademiker aufgrund der starken Studierneigung wachsen. Trotz eines projizierten weiter steigenden Bedarfs an Akademikern ist aber nicht sicher, dass diese in allen Regionen ihren Qualifikationen entsprechend vom Arbeitsmarkt aufgenommen werden können. 

abi>> 28.03.2016