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Studying in english – ou en francais?

Eine Studentin eines mehrsprachigen Studiengangs holt ein Französisch-Wörterbuch aus dem Regal.
In fremdsprachigen Studiengängen ist der Griff zum Wörterbuch Routine.
Foto: Martin Rehm

Studieren in einer Fremdsprache

Studying in english – ou en francais?

„Global Health“, „Gender and Diversity“ oder „International Tourism Management“ – deutsche Hochschulen setzen immer stärker auf fremdsprachige Studiengänge. Ihre Zahl hat sich innerhalb der vergangenen sieben Jahre fast verdoppelt. Die Kombination aus Fachwissen, Sprachkenntnissen und interkultureller Kompetenz soll Absolventen auf die global vernetzte Berufswelt vorbereiten.

And now we can see that the angel is …“, sagt der Physikprofessor. Die Studierenden kichern, der Professor schaut irritiert hoch und setzt noch mal an: „So, the angel is …“ „… flying away“, prustet ein Student los. Auch nach fast zehn Jahren kann sich Mohammed Elhag köstlich über diese Szene amüsieren. Er war einer der ersten Studierenden im internationalen Studiengang „Environmental and Ressource Management“ (ERM) an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU). „Immer wieder hat der Prof ‚angel‘ statt ‚angle‘, also Engel statt Winkel gesagt – das war urkomisch, aber auch sympathisch und menschlich.“

Heute ist Mohammed Elhag Koordinator des Studiengangs und stolz darauf, dass solche Szenen der Vergangenheit angehören: „Alles ist mittlerweile sehr gut eingespielt. Alle Dozenten sprechen fließend Englisch.“

Zusammenhänge international betrachten

Ein Porträt-Foto von Mohamed Elhag.

Mohamed Elhag

Foto: Wanda Ulrich

Im Studiengang ERM wird konsequent nur Englisch gesprochen und gelehrt. 1998 wurde er als erster fremdsprachiger Bachelorstudiengang in Deutschland ins Leben gerufen. „Klimawandel und Umweltverschmutzung sind globale Probleme“, betont der Studiengangskoordinator. „Indem wir hier Studierende aus der ganzen Welt zusammenbringen, gelingt es uns einerseits, die Zusammenhänge international zu betrachten, und andererseits, dass die Absolventen zurück in ihren Ländern lokal agieren.“ Zum Bachelorstudiengang gehört ein Pflichtauslandsaufenthalt im fünften Semester. Dafür pflegt der Fachbereich Kontakte zu 20 Partneruniversitäten weltweit.

Die Hälfte der Studierenden im Bachelor hat das deutsche Abitur, die andere kommt aus dem Ausland. Im konsekutiven Master sind mehr als 85 Prozent „internationals“. „Sie stammen aus über 90 Ländern der Welt. Früher kamen viele aus Kamerun, derzeit haben wir sehr viele Studierenden aus Indien und Pakistan“, sagt Mohammed Elhag. Aber auch für sie ist Englisch nicht die Muttersprache.

1.400 englischsprachige Studiengänge

Der Studiengang in Cottbus ist nur ein Beispiel von mittlerweile 1.400 englischsprachigen Studiengängen in Deutschland, die die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) derzeit im Hochschulkompass listet. Zusätzlich gibt es je 15 Studiengänge, die auf Spanisch beziehungsweise Französisch gelehrt werden, acht auf Niederländisch, je zwei auf Dänisch und Italienisch und sogar einen auf Indonesisch. (Mehr über einen internationalen Studiengang, der von vier Hochschulen in Deutschland, Frankreich und Luxemburg gemeinsam angeboten wird, erfährst du in „Grenzgänger in vielerlei Hinsicht“.)

Ein Porträt-Foto von Iris Danowski.

Iris Danowski

Foto: privat

„2011 gab es 700 fremdsprachige Studiengänge, heute sind es doppelt so viele“, sagt Iris Danowski, die sich als Referatsleiterin im Arbeitsbereich Internationale Angelegenheiten bei der HRK mit dem Thema Mehrsprachigkeit an Hochschulen beschäftigt. Damit meint sie nicht nur sprach- und kulturwissenschaftliche Studiengänge wie Anglistik, Arabistik oder Sinologie, sondern alle Studiengänge, in denen die Lehrsprache nicht Deutsch ist. „Von insgesamt 19.000 Studiengängen sind allerdings weniger als zehn Prozent fremdsprachig“, betont sie.

Ankündigungen wie die der TU München, alle Masterstudiengänge zukünftig nur noch in Englisch anzubieten, sind aktuell also eine Ausnahme. „Sicherlich wird noch die eine oder andere Hochschule dem Beispiel aus München folgen. Einen flächendeckenden Wandel sehe ich aber nicht kommen“, prognostiziert die Referatsleiterin.

Landwirtschaft, Wirtschaft und Naturwissenschaften vorne

Die meisten fremdsprachigen Angebote sind derzeit Studiengänge im Bereich Agrar- und Forstwissenschaften (18 Prozent). An zweiter Stelle folgen Wirtschaft und Recht mit 15 Prozent und Mathematik und Naturwissenschaften mit 13 Prozent. „Man will durch die Angebote talentierte Nachwuchswissenschaftler und akademische Fachkräfte nach Deutschland holen und andererseits unserem Nachwuchs ein Fenster zur Welt öffnen“, erklärt Iris Danowski.

Ein Porträt-Foto von Monika von Eimern

Monika von Eimern

Foto: privat

Und für wen kommt das Studieren in einer Fremdsprache infrage? „Wer einen Beruf mit viel internationalem Kontakt anstrebt, für den kann ein fremdsprachiges Studium genau das richtige sein“, sagt Monika von Eimern vom Hochschulteam der Agentur für Arbeit in Kleve. Darunter fallen die wirtschaftswissenschaftlichen Bereiche mit Schwerpunkt internationales Management, Außenhandel, Touristik oder Steuerwesen sowie Studiengänge im MINT-Bereich, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. „Englisch als Arbeitssprache gehört in der globalisierten Welt dazu. Wenn ich eine Anstellung in einer Firma suche, die international agiert, muss ich mich mit Kollegen in der ganzen Welt austauschen können“, erklärt sie und fügt an: „Das Gleiche gilt für alle, die in die Wissenschaft gehen wollen.“ (Mehr über ein englischsprachiges und international ausgerichtetes Studium erfährst du in „Für mehr Chancengleichheit in der Welt“.)

Fremdsprache erst im Master?

„Für die wenigsten Abiturienten ist es ein Problem, ein englischsprachiges Studium zu stemmen“, ist sich die Beraterin sicher. In ihrem Beratungsalltag erlebt sie es sehr selten, dass die Fremdsprache der Grund für Schwierigkeiten im Studium oder gar den Abbruch ist: „Die Sprache wird erst zum Problem, wenn andere kritische Faktoren dazukommen – wenn etwa die Lernmotivation nicht stimmt oder es in Fächern wie Mathe hakt. Es muss aber klar sein: Am Anfang heißt Englisch studieren für alle Nichtmuttersprachler in jedem Fall Zusatzaufwand.“

Deshalb rät sie Abiturienten, sich genau zu überlegen, ob ein fremdsprachiges Studium bereits im Bachelor sinnvoll ist. (Ihre Meinung zu diesem Thema äußern Bildungswissenschaftler in „In einer Fremdsprache studieren – ja oder nein?“) „Gerade das Ingenieurwesen ist sehr komplex, da sollte man erst mal schauen, dass man fachlich gut mitkommt“, empfiehlt sie. Iris Danowski von der HRK sieht das ähnlich: „Es ist sinnvoll, das grundständige Studium in der Landessprache zu absolvieren und den Master in einer Fremdsprache anzuschließen, wenn man sich weiterqualifizieren möchte.“

Zulassungsbedingungen können variieren

Die geforderten Sprachkenntnisse im Master sind allerdings etwas höher als im Bachelor. „Da wird in der Regel das C1-Niveau nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen erwartet. Im Bachelor reicht meist das Fortgeschrittenen-Level B2“, sagt Monika von Eimern. Einige Hochschulen setzen aber auch muttersprachliche Kenntnisse, also das C2-Niveau voraus.

Einheitliche Rahmenbedingungen für international ausgerichtete Studiengänge gibt es nicht. Die meisten Hochschulen verlangen bei der Zulassungen einen Sprachnachweis, zum Beispiel über die kostenpflichtigen TOEFEL- oder IELTS-Tests, haben in der Regel ein Semester im Ausland oder ein Praktikum im internationalen Umfeld fest im Lehrplan verankert und führen Partnerschaften mit ausländischen Universitäten.

Sprachkenntnisse auf die Probe stellen

Das C1- und B2-Niveau werden rein formal ohnehin mit dem bestandenen deutschen Abitur erfüllt. „Das sagt aber nichts darüber aus, wie sicher man sich tatsächlich in der Sprache fühlt. Vier bis sechs Wochen in einem ausländischen Workcamp, bei einem Work & Travel-Aufenthalt oder in einem Intensiv-Englischkurs verschaffen mehr Sicherheit. Wer die fremdsprachigen Vorbereitungskurse im Fach seiner Wahl an der Hochschule belegt, findet auch schnell heraus, ob ein solches Studium etwas für ihn ist“, ergänzt sie.

Auch Studierende aus dem Ausland, die eine Weile in Deutschland arbeiten möchten, sollten ihre Sprachkenntnisse im Voraus objektiv testen. „Man kommt in einem englischsprachigen Studium komplett ohne Deutsch aus, verbaut sich aber die Karrierechancen hierzulande. In den allermeisten Unternehmen ist Deutsch nunmal immer noch die wichtigste Sprache. Ums Deutschlernen kümmern sich die ausländischen Studierenden aber meist viel zu spät“, weiß Monika von Eimern aus ihrem Beratungsalltag. (Von den Erfahrungen eines Bildungsausländers im englischsprachigen Studium in Deutschland liest du mehr in „Grenzenlose Leidenschaft für Biologie“.)

Iris Danowski von der Hochschulrektorenkonferenz ergänzt: „Genau deshalb empfehlen wir die Mehrsprachigkeit im Studium. Und neben Englisch und Deutsch sind natürlich auch andere Sprachen wichtig. Mit jeder Sprache, in der man sich wohlfühlt, erweitert man seinen Horizont zusätzlich. “

weitere Informationen

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen und die Ergebisse zum Beispiel nach internationalen Studiengängen filtern lassen.

www.studienwahl.de

 

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studienangebote, Ansprechpartner und internationale Kooperationen

www.hochschulkompass.de

 

Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)

Der DAAD ist eine Gemeinschaftseinrichtung der deutschen Hochschulen zur Pflege internationaler Beziehungen. Hier finden sowohl Deutsche, die im Ausland studieren wollen, wichtige Informationen, als auch Interessenten aus dem Ausland, die in Deutschland studieren wollen.

www.daad.de

 

uni-assist e.V.

Der Verein uni-assist prüft im Auftrag von 180 Hochschulen internationale Studienbewerbungen in Deutschland.

www.uni-assist.de

 

Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen

Das Infoportal der Kultusminister-Konferenz zu Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse

www.anabin.kmk.org

 

Arbeitskreis Deutsch als Wissenschaftssprache (ADAWIS)

www.adawis.de

 

Sprachenpolitik der Hochschulrektorenkonferenz

www.hrk.de/themen/internationales/strategische-internationalisierung/sprachenpolitik/

abi>> 01.10.2018