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Drei Länder – drei Hochschulen

Studierende lernen in einer Bibliothek.
Internationale Studiengänge ermöglichen es, unterschiedliche Lehrkulturen kennenzulernen.
Foto: Thomas Lohnes

Trinationaler Studiengang Mechatronik

Drei Länder – drei Hochschulen

Oliver Niesel wechselt im Studiengang Mechatronik an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Lörrach regelmäßig die Hochschule: Er studiert in Frankreich, Deutschland und der Schweiz. Der trinationale ist darüber hinaus auch ein dualer Studiengang. Das heißt, hinzu kommen Praxisphasen, die der 22-Jährige bei einem internationalen Eisenbahnverkehrsunternehmen absolviert.

Oliver Niesel spricht nicht nur gerne Französisch, er ist auch neugierig auf die Denk- und Arbeitsweise in den Nachbarländern Frankreich und Schweiz. Studieren wollte er aber auf jeden Fall etwas Technisches. Kein Problem: Im trinationalen Studiengang Mechatronik an der DHBW Lörrach konnte er beide Interessen unter einen Hut bringen.

Rund 30 Studierende aus der Schweiz, Frankreich und Deutschland lernen vom ersten Semester an gemeinsam in einer Gruppe. Sie verbringen die Studienzeit wechselweise an den drei Studienorten im französischen Mulhouse, in Lörrach und Muttenz bei Basel. Nach sieben Semestern erhalten sie Abschlüsse aller drei Hochschulen: Licence, Bachelor of Engineering und Bachelor of Science.

Das Kofferpacken lohnt sich

Ein Porträt-Foto von Oliver Niesel

Oliver Niesel

Foto: Privat

So verbringt jeder rund zwei Drittel seiner Studienzeit im Ausland. „Das ständige Kofferpacken lohnt sich, vorausgesetzt, man bringt ein besonderes Maß an Flexibilität und den Willen mit, mit Menschen aus anderen Ländern zusammenzuarbeiten“, sagt Oliver Niesel, der mittlerweile im sechsten Semester studiert.

Zwischen den Theoriephasen sind drei Praxiseinheiten vorgesehen. „Es ist nicht nur ein trinationaler, sondern auch ein dualer Studiengang“, erklärt der 22-Jährige. Das bedeutet, ein Vertrag mit einem Unternehmen ist die Voraussetzung, um sich für den Studiengang bewerben zu können. Zu Studienbeginn verbringen die Studierenden rund acht Wochen im Unternehmen, später 13, gegen Ende noch einmal ein halbes Jahr; dann wird auch die Bachelorarbeit geschrieben. Oliver Niesel hat einen Studien- und Ausbildungsvertrag bei einem internationalen Eisenbahnverkehrsunternehmen unterschrieben.

Dort bearbeitet er zurzeit ein Projekt im Bereich Automatisierungstechnik, das er anschließend zur Bachelorarbeit ausbauen wird. „Ich suche und bewerte die Möglichkeiten, den Rangierbetrieb in Bahnhöfen zu optimieren“, berichtet er. Dafür sieht er sich den Rangierbetrieb vor Ort genau an, um sich ein Bild zu verschaffen. In Workshops überlegt er dann gemeinsam mit Kollegen, welche Verbesserungsvorschläge sich umsetzen lassen.

Zu siebt eine WG in Lörrach gründen

„Über die gesamte Studiendauer hinweg erhalte ich von meinem Arbeitgeber eine Vergütung, wovon ich zwar keine großen Sprünge machen, aber gut leben kann“, schildert Oliver Niesel. Wenn er in Frankreich ist, erhält er zudem ein Stipendium in Höhe von monatlich 270 Euro von der Deutsch-Französischen Hochschule, die Studiengänge mit deutsch-französischen Abschlüssen unterstützt.

Was nach vielen Ortswechseln klingt, verläuft von der Organisation her recht moderat: „Das erste Jahr habe ich in Frankreich gewohnt. Anschließend haben wir zu siebt eine WG in Lörrach gegründet. Zur Hochschule in die Schweiz waren es von dort aus 30 bis 40 Minuten mit dem Auto. Wir haben uns dafür zu einer Fahrgemeinschaft zusammengeschlossen“, berichtet Oliver Niesel, der in Karlsruhe geboren und aufgewachsen ist. Gerade in den ersten Wochen haben sich Bekanntschaften und Gruppen ergeben, die bis heute halten. „Da wir gleich im ersten Semester gemeinsam in Frankreich starteten, haben sich die Nationalitäten gemischt, was ich sehr schätze“, erzählt er.

Französische Sprache beherrschen

Um den Lehrveranstaltungen folgen zu können, ist es wichtig, die französische Sprache ausreichend zu beherrschen – obwohl es in allen drei Ländern Seminare sowohl auf Deutsch als auch auf Französisch gibt: „Am Anfang ist das französische Fachvokabular ungewohnt, aber man kommt sehr schnell rein. Außerdem nehmen die Dozenten Rücksicht. So ist etwa in den Prüfungen ein Wörterbuch erlaubt“, sagt Oliver Niesel. Was man seiner Meinung nach nicht unterschätzen darf, ist – wie in allen ingenieurwissenschaftlichen Fächern – der Mathematikanteil: „Man stolpert fast eher über Mathe als über die Sprache.“

abi>> 31.08.2015