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Individuell oder strukturiert

Studentin lernt in der Bibliothek
Neben der traditionellen Individualpromotion können Doktoranden ihren Doktortitel auch innerhalb eines strukturierten Promotionsprogramms erlangen.
Foto: Swen Reichhold

Wege der Promotion: Übersicht

Individuell oder strukturiert

In Deutschland führen verschiedene Wege zum Doktortitel: Je nach Fachrichtung und Forschungsvorhaben kann man zwischen unterschiedlichen Rahmenbedingungen wählen. Im Allgemeinen unterscheidet man zwischen der traditionellen Individualpromotion und der strukturierten Promotion. abi>> gibt einen Überblick.

Individuelle Promotion

Der in Deutschland am weitesten verbreitete Weg zum Doktortitel führt über die Individualpromotion. Bei diesem Modell betreut ein Professor oder eine Professorin den Doktoranden bei seiner Arbeit. Die Promovierenden führen ihr Forschungsvorhaben in der Regel sehr eigenständig durch. In manchen Fällen arbeiten sie dabei mit anderen Wissenschaftlern zusammen. Die Dissertation wird im Regelfall als monographisches Werk von mehreren hundert Seiten eingereicht.

Seit einigen Jahren gibt es allerdings auch die Möglichkeit, in kumulativer Form zu promovieren. Die Promotionsleistung setzt sich dann aus den Veröffentlichungen von meist drei bis fünf Artikeln in einschlägigen Fachzeitschriften zusammen. Rund ein Fünftel der Doktoranden promoviert in kumulativer Form, wobei Doktoranden in den Natur- und Lebenswissenschaften sowie den Wirtschaftswissenschaften von dieser Option besonders häufig Gebrauch machen. Bei der Individualpromotion ist die Dauer durch die eigene Zeiteinteilung bedingt – oder hängt von der Stellenbefristung ab. Im Allgemeinen sind drei bis fünf Jahre bis zur Erreichung des Doktorgrades üblich. Die Promovierenden können selbst entscheiden, in welcher Einrichtung sie forschen. Es gibt verschiedene Optionen:

Lehrstuhl einer Universität

Doktoranden arbeiten meist in Teilzeit als wissenschaftliche Mitarbeiter an einer Hochschule. Sie sind dort tätig in Lehre, Forschung und Verwaltung.

Außeruniversitäre Forschungseinrichtung

An außeruniversitären Forschungseinrichtungen, wie zum Beispiel einem Fraunhofer-Institut, können Doktoranden einen Einblick in die Industrie- und anwendungsbezogene Forschung erhalten.

Unternehmen der freien Wirtschaft

Absolventen, die nach dem Abschluss bereits in einem Unternehmen arbeiten, können „on the job“ promovieren. Dabei kooperiert der Arbeitgeber mit einer Hochschule.

Extern = berufsbegleitende Promotion

Neben ihrer Voll- oder Teilzeitbeschäftigung in einem Unternehmen promovieren Doktoranden berufsbegleitend nach Dienstschluss. Die Betreuung erfolgt durch eine Hochschule.

Strukturierte Promotion

Neben der traditionellen Individualpromotion können Doktoranden ihren Doktortitel auch innerhalb eines strukturierten Promotionsprogramms erlangen. Hier werden die Doktoranden nicht nur von einem Professor oder einer Professorin, sondern von einem ganzen Team von Betreuern angeleitet. Es kann ebenfalls zwischen einer monographischen oder einer kumulativen Doktorarbeit gewählt werden.

Die Programme werden gestützt durch ein promotionsbegleitendes Lehrprogramm, sind häufig fächerübergreifend und international ausgerichtet und fördern meist auch die Ausbildung von Soft Skills und Zusatzqualifikationen. Promovierende erhalten eine zeitlich begrenzte finanzielle Unterstützung, die an zu erbringende Leistungen während der Laufzeit des Promotionsprogrammes geknüpft ist. Die intensive methodische Betreuung innerhalb dieser Programme ermöglicht in der Regel eine Promotion innerhalb von drei bis vier Jahren. Auch hier bestehen verschiedene Möglichkeiten, in erster Linie:

Graduiertenkolleg der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)

Doktoranden erhalten in diesen Promotionsprogrammen circa drei Jahre lang ein Promotionsstipendium. Kontakt und Austausch mit anderen Doktoranden sind möglich, aber nicht zwingend erforderlich.

Graduiertenschule

Graduiertenschulen werden von Hochschulen oder Forschungseinrichtungen betrieben. Sie bieten Doktoranden gezielte Maßnahmen wie Kurse zur Weiterbildung, fächerübergreifende Zusammenarbeit und verbindliche Betreuungsvereinbarungen sowie eine feste monatliche Vergütung.

Promotionskolleg

Promotionskollegs werden von Stiftungen wie der Hanns-Seidel-Stiftung oder der Hans-Böckler-Stiftung angeboten. Doktoranden erhalten ein Promotionsstipendium und werden regelmäßig zu Tagungen oder Seminaren eingeladen.

abi>> 24.09.2015