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Wo bitte geht’s zum Doktortitel?

Student recherchiert in der Bibliothek
Wer promovieren möchte, sollte eine Leidenschaft für das wissenschaftliche Arbeiten und für die Forschung mitbringen.
Foto: Swen Reichhold

Wege der Promotion

Wo bitte geht’s zum Doktortitel?

In Deutschland gibt es verschiedene Wege, um einen Doktortitel zu erlangen. Am weitesten verbreitet ist die traditionelle Individualpromotion. Doch auch strukturierte Promotionsprogramme nach angloamerikanischem Vorbild erfreuen sich in den letzten Jahren immer größerer Beliebtheit. abi>> klärt dich über die Unterschiede auf.

Nach dem Bachelor- und Masterabschluss in „Molecular Sciene“ an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) entschloss sich Udo Mundloch, seine wissenschaftliche Karriere durch eine Promotion im Fach Chemie voranzutreiben. Dafür arbeitet er nun am Department für Chemie und Pharmazie als wissenschaftlicher Mitarbeiter. „Ich habe mich zu Beginn über die verschiedenen Promotionsmöglichkeiten informiert, doch eine Promotion direkt am Lehrstuhl schien mir am geeignetsten, um Erfahrungen im wissenschaftlichen Arbeiten zu sammeln“, erzählt der 30-Jährige, der sich im Rahmen seiner Dissertation – wie die Doktorarbeit genannt wird – mit Kohlenstoff-Nanoröhrchen auseinandersetzt. „Diese mikroskopisch kleinen Röhren sind 130 mal so stabil wie Stahl und dank ihrer ungewöhnlichen physikalischen Eigenschaften für verschiedene Anwendungsbereiche interessant, zum Beispiel als Halbleiter in Transistoren und Solarzellen“, erläutert er.

Gedanken um einen Nebenjob oder ein Stipendium muss sich der Doktorand nicht machen: „Durch die Anstellung als Teilzeitkraft am Lehrstuhl kann ich die Promotion finanzieren.“ Dabei übernimmt er unter anderem die Aufsicht im Labor, unterstützt Studierende bei ihren Bachelorarbeiten und hält Vorlesungen.

Forschung steht an erster Stelle

Ein Portät-Foto von Udo Mundloch

Udo Mundloch

Foto: Privat

Wann ein Doktorand an seiner Dissertation arbeiten kann, ist häufig vom Umfang der Arbeitsstelle und vom jeweiligen Fach abhängig. Da Udo Mundloch in einem naturwissenschaftlichen Fach promoviert, steht die Forschung auf Basis von Laborversuchen an erster Stelle. „An einem typischen Tag lese ich mich vormittags in den Stand der Forschung ein und plane Versuche im Labor, die ich dann nachmittags durchführe. Das Labor in Schuss zu halten und Chemikalien nachzubestellen gehört ebenso zu meinen Aufgaben wie Kollegen und Studierende an bestimmten Geräten anzuleiten“, erklärt er.

Regelmäßig und bei Bedarf bespricht er sich mit seinem Doktorvater. Darüber hinaus nutzt er das Angebot an freiwilligen Kursen für Doktoranden. „Ich kann nebenbei Sprachkurse belegen oder mich in die Geheimnisse der Rhetorik einweihen lassen“, sagt Udo Mundloch.

Monographisch oder kumulativ?

Seit einigen Jahren ist es auch in Deutschland möglich, eine Doktorarbeit nicht mehr nur als eine zusammenhängende, am Stück geschriebene Arbeit abzuliefern (monographisch), sondern Teile davon aus selbst verfassten Artikel zusammenzusetzen, die während der Promotionszeit in relevanten Fachzeitschriften veröffentlicht werden. Diese sogenannte kumulative Promotion ist besonders in den Natur- und Wirtschaftswissenschaften verbreitet. Ob Udo Mundloch seine Dissertation in monographischer oder kumulativer Form einreicht, wird er erst gegen Ende seiner Promotionsphase festlegen; entsprechende Artikel konnte er bereits in Fachzeitschriften platzieren. Momentan befindet er sich im dritten Jahr; alles in allem rechnet er damit, seine Promotion nach viereinhalb Jahren abgeschlossen zu haben. „So oder so denke ich, dass es am Ende 200 bis 250 Seiten werden“, sagt er.

Wer darf promovieren?

Um an einer deutschen Hochschule promovieren zu können, benötigen Interessierte einen Studienabschluss, in der Regel Master, Staatsexamen, Diplom oder Magister. In manchen Fällen können auch Bachelorabsolventen als Doktoranden zugelassen werden, wenn sie ein entsprechendes Eignungsverfahren erfolgreich durchlaufen.

Promovieren kann man nur an Hochschulen mit Promotionsrecht, das sind in Deutschland Universitäten und ihnen gleichgestellte Hochschulen. Das bedeutet aber nicht, dass nur Uniabsolventen der Weg zum Doktortitel offen steht. Fachhochschulabsolventen dürfen grundsätzlich ebenfalls promovieren, tun sich aber unter Umständen schwerer bei der Suche nach einem Doktorvater oder einer Doktormutter, da die Professoren an der eigenen Hochschule in der Regel nicht infrage kommen.

Ob man zur Promotion zugelassen wird, hängt davon ab, ob man die Kriterien der Promotionsordnung des anvisierten Fachbereichs erfüllt – und davon, ob man einen Betreuer oder eine Betreuerin findet. Bevor man sich zu diesem Schritt entschließt, sollte man jedoch seine persönliche Motivation genau prüfen: Wer sich zur Promotion entschließt, sollte Leidenschaft fürs wissenschaftliche Arbeiten und für die Forschung mitbringen, sich über Jahre hinweg vertieft mit einem Thema auseinandersetzen wollen und Durchhaltevermögen an den Tag legen.

Strukturierte Promotionsprogramme

Dabei ist die Individualpromotion, wie Udo Mundloch sie durchführt, nur ein möglicher Weg zum Doktortitel. Daneben gibt es strukturierte Promotionsprogramme. Der größte Unterschied: „Bei einem strukturierten Promotionsprogramm werden die Doktoranden von einer Gruppe von Professoren betreut“, erklärt Dr. Stefanie Herberger, Leiterin des Referats „Graduiertenschule und wissenschaftlicher Nachwuchs“ an der FAU. „Es finden regelmäßige Kolloquien und methodische sowie inhaltliche Seminare statt. Außerdem ist ein inhaltlicher Austausch über das eigene Forschungsprojekt mit den anderen Promovierenden des Programms durch die meist inhaltliche Nähe der Themen, Theorien oder Methoden möglich.“ Programmspezifische Stipendien oder Mitarbeiterstellen sichern meist die Finanzierung einer solchen Promotion ab. Durch die große Zahl von Ansprechpartnern – Professoren sowie Doktorandenkollegen – werden die Promovierenden umfassend betreut.

Die Anzahl strukturierter Promotionen nimmt zu. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) begann bereits in den 1990er-Jahren, Graduiertenkollegs aufzubauen und zu unterstützen. Derzeit werden in Deutschland rund 700 Promotionsprogramme angeboten. „Bevorzugt wird meist die Individualpromotion. Von den aktuell bei uns registrierten Promovierenden sind etwa 13 Prozent in einem strukturierten Programm eingebunden“, weiß Dr. Stefanie Herberger.

Eine Ablösung der traditionellen Promotion ist jedoch nicht angestrebt. Dr. Stefanie Herberger erklärt: „Die strukturierte Promotion ist eine Alternative zur Individualpromotion. Jeder kann und sollte sich den Weg zur Promotion aussuchen, der besser zum eigenen wissenschaftlichen Arbeiten passt.“

Am Ende zählt die Veröffentlichung

Egal ob individuell oder strukturiert: Reichen Doktoranden ihre Dissertation ein, gilt es, sie in einer mündlichen Prüfung zu verteidigen. Das geschieht meist im Rahmen einer Disputation, also eines wissenschaftlichen Streitgesprächs. Erhalten sie grünes Licht für die Veröffentlichung, müssen sie einen Verlag finden, der eine Mindestauflage druckt. Manche Fakultäten erlauben auch eine Publikation im Internet. Ist das alles geschafft, darf man den „Dr.“ vor seinen Namen setzen.

Weitere Informationen

Hochschulrektorenkonferenz (HRK)

www.hrk.de/

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studienangebote, Ansprechpartner und internationale Kooperationen

http://www.hochschulkompass.de/

Im Hochschulkompass kann man auch gezielt nach Promotionsmöglichkeiten an Hochschulen recherchieren:

www.hochschulkompass.de/promotion/suche-nach-promotionsmoeglichkeiten.html

Kultusministerkonferenz (KMK)

www.kmk.org/

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Hier findest du eine Liste mit Graduiertenschulen in Deutschland. Außerdem vergibt die DFG Stipendien.

www.dfg.de/

THESIS

Das interdisziplinäre Netzwerk für Promovierende und Promovierte dient dem interdisziplinären Erfahrungsaustausch und der Unterstützung von Doktoranden.

www.thesis.de

Bildungsserver

Hier gibt es Tipps und Links zum Thema Promotion und wissenschaftliche Laufbahn.

www.bildungsserver.de/Tipps-zu-Promotion-Habilitation-und-wissenschaftlicher-Laufbahn-1753.html

Karriereportal academis

Übersicht über ausgewählte Graduiertenschulen für die Forschungsfelder Naturwissenschaften, Mathematik, Medizin sowie Geistes- und Sozialwissenschaften

www.academics.de/wissenschaft/graduiertenschulen_im_blick_.html

abi>> 24.09.2015