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Studierende mit Biss

Bild von einem Modell eines menschlichen Kiefers.
Wenn sich Laurenz Sperber durch sein anstrengendes Studium durchgebissen hat, hilft er Menschen, wieder richtig kauen, sprechen oder lächeln zu können.
Foto: Julien Fertl

Zahnmedizin studieren

Studierende mit Biss

Zahnmedizin studieren, das wollen viele. Doch die Studienplätze sind begrenzt. Woher kommt die große Begeisterung für einen Studiengang, der mit elf Semestern einer der längsten an deutschen Hochschulen ist und der als höchst arbeits- und zeitintensiv gilt? abi» hat nachgefragt.

Laurenz Sperber (21) hat sich dank seiner sehr guten Abinote von 1,0 einen der heißbegehrten Studienplätze ergattert. Er studiert im fünften Semester Zahnmedizin an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Mit einer Krankenschwester als Mutter wurde ihm das Interesse an medizinischen Themen quasi in die Wiege gelegt. „Mir war schon ziemlich früh klar, dass ich beruflich in eine ähnliche Richtung gehen möchte“, sagt er.

Nach dem Abitur sieht zunächst alles nach Humanmedizin aus, doch ein Praktikum bei einem Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen gibt dem heute 21-Jährigen einen neuen Denkanstoß – und lässt ihn einen anderen Weg einschlagen. „Diese filigrane, fast schon künstlerisch anmutende Arbeit hat mich so fasziniert, dass ich mich für Zahnmedizin entschieden habe.“

Porträt von Laurenz Sperber

Laurenz Sperber

Foto: Privat

Wie alle anderen angehenden Zahnmedizinstudierenden musste sich auch Laurenz Sperber online über die Plattform www.hochschulstart.de der Stiftung für Hochschulzulassung bewerben, da das Fach bundesweit zulassungsbeschränkt ist. Dem großen Kreis der Interessenten stehen begrenzte Kapazitäten an den Universitäten gegenüber: Zurzeit gibt es in Deutschland 15.000 Zahnmedizinstudierende an 30 Hochschulen. Die Auswahl erfolgt anhand dreier Quoten: 20 Prozent der Plätze werden nach der Abiturdurchschnittsnote vergeben, 20 Prozent nach Wartezeit und 60 Prozent über Auswahlverfahren der Hochschulen.

Wartezeit sinnvoll nutzen

„Schulabgängern, die nicht gleich mit dem Studium beginnen können, rate ich dazu, die Zeit zu nutzen und in einem Praktikum zu testen, ob ihre Vorstellung vom Beruf wirklich der Realität entspricht“, sagt Prof. Dr. Ulrich Lotzmann, Direktor der Abteilung Zahnersatzkunde an der Philipps-Universität Marburg. Zur Überbrückung der Wartezeit auf einen Studienplatz sei auch eine Ausbildung zum Zahntechniker oder zum Zahnmedizinischen Fachangestellten sinnvoll und helfe erfahrungsgemäß auch später im Studium und Beruf weiter. „Man bekommt so bereits vor Studienantritt neben dem wichtigen Training der eigenen manuellen Geschicklichkeit eine exakte Vorstellung von den Behandlungsabläufen im Praxisteam sowie von der für den Behandlungserfolg so wichtigen guten Kooperation von Zahnarzt und Zahntechniker.“

Eine weitere Alternative ist es, Zahnmedizin im Ausland zu studieren. Einen Numerus clausus (NC) gibt es an ausländischen Hochschulen selten, dafür Los- oder hochschulinterne Auswahlverfahren und meist hohe Studiengebühren. Aber Achtung: Wer ein Zahnmedizinstudium im Ausland beginnt, sollte es auch dort beenden. Ein Wechsel an eine deutsche Universität ist äußerst schwierig, ein in der EU oder in der Schweiz erworbener Zahnmedizinabschluss wird dagegen in der Regel in Deutschland problemlos anerkannt.

Im Einsatz für andere Menschen

Woher aber rührt die große Begeisterung für das Fach? Eine Frage, die Zahnmedizinstudent Laurenz Sperber ohne Zögern beantworten kann. „Was die Leute über das Studium sagen, stimmt soweit alles, vor allem, dass es anstrengend ist. In Würzburg haben wir auch in den Semesterferien Kurse und manchmal sitze ich bis 20 Uhr in einer Veranstaltung“, sagt er offen, „aber es macht auch unheimlich viel Spaß und die Vorstellung, dass ich mit meiner Arbeit Menschen ein neues Lebensgefühl geben kann, weil sie nach einer Behandlung wieder richtig kauen, sprechen oder lächeln können, treibt mich an.“

Die ersten fünf Semester seines Studiums entfallen auf die sogenannte Vorklinik. Darin werden vor allem naturwissenschaftliche Grundlagen in Biologie, Chemie, Physik, Anatomie, Physiologie und Biochemie vermittelt – wer hier vertiefte Vorkenntnisse aus der Schule mitbringt, ist im Vorteil. Außerdem helfen gute Englisch- und Lateinkenntnisse.

Ab dem siebten Semester schnuppern Laurenz Sperber und seine Kommilitonen dann in ihr zukünftiges Berufsleben hinein: In Zahnkliniken behandeln sie täglich selbst Patienten – und eignen sich parallel dazu in Vorlesungen weiterhin das theoretische Hintergrundwissen an. „Dann sind Eigenschaften wie überdurchschnittliche manuelle Geschicklichkeit, gutes räumliches Vorstellungsvermögen, ästhetisches Empfinden und Empathie gefragt", sagt Ulrich Lotzmann.

Drei Prüfungen und zwei Jahre Assistenz

Das Gelernte muss Laurenz Sperber im Laufe seines in der Regel elfsemestrigen Studiums in drei Prüfungen unter Beweis stellen: in der naturwissenschaftlichen Vorprüfung nach den ersten zwei Semestern, in der zahnärztlichen Vorprüfung, dem so genannten Physikum nach dem fünften Semester, und schließlich in der zahnärztlichen Prüfung ganz am Ende.

Porträt von Prof. Dr. Ulrich Lotzmann

Prof. Dr. Ulrich Lotzmann

Foto: Privat

Um die Zulassung als Vertragszahnarzt zu bekommen, ist zudem eine zweijährige Assistenz nach dem Staatsexamen Pflicht. „Ich empfehle meinen Studenten, sich die Ausbildungsstätte genau anzuschauen. In dieser so wichtigen Berufsphase als Jungassistent sollte nicht das Anfangshonorar das Entscheidungskriterium sein. Bedeutsamer ist vielmehr die Ausbildungsqualität und die Möglichkeit, fachliche Fortbildungen besuchen zu können“, sagt Ulrich Lotzmann.

Wer sich anschließend auf einen bestimmten Bereich spezialisieren möchte, kann beispielsweise eine drei- bis vierjährige Facharztweiterbildung zum Kieferorthopäden, Oralchirurgen, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen oder zum Fachzahnarzt für Öffentliches Gesundheitswesen absolvieren.

Eigene Praxis, Klinik oder Forschung

Wie auch immer man sich entscheidet, die Jobaussichten für angehende Zahnärzte sind vielfältig: Sie können als Angestellte in Kliniken oder Zahnarztpraxen arbeiten, ihre eigene Praxis eröffnen oder in der pharmazeutischen Industrie in den Bereichen Humanpharmakologie oder Arzneimittelsicherheit tätig sein.

Wer plant, später im Ausland zu arbeiten, sollte schon während des Studiums seine Eignung dafür testen, beispielsweise durch ein Auslandssemester. „Eine andere und unkomplizierte Variante ist es, als Student in einem höheren Semester in den Semesterferien wichtige Praxiserfahrung zu sammeln – beispielsweise in einem Hilfsprojekt“, erklärt Ulrich Lotzmann. Zum Beispiel vermittelt der Zahnmedizinische Austauschdienst (ZAD) solche Praktikumsplätze.

Laurenz Sperber indes hat einen anderen Plan. Er möchte als Wissenschaftler an der Uni bleiben, dort neue, günstigere Werkstoffe erforschen und eines Tages als Dozent den nachfolgenden Generationen das nötige Wissen vermitteln. Schon jetzt gibt er Kommilitonen Nachhilfe. „In meinem Semester helfen wir uns sehr häufig gegenseitig. Was der eine nicht versteht, kann die andere erklären – und umgekehrt. In der Gruppe zu arbeiten, ist mein Tipp für angehende Zahnmedizinstudenten. Einzelkämpfer haben es dagegen schwer, dessen sollte man sich bewusst sein.“

Weitere Informationen

BERUFNET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Zahnarzt/ Zahnärztin)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen und die Ergebnisse nach deinen Wünschen filtern. (Suchwort: Zahnmedizin)
www.studienwahl.de

hochschulstart.de

Über das Online-Portal erfolgt die Registrierung und Bewerbung für den Studiengang Zahnmedizin. Hier finden sich auch interessante Informationen zu den aktuellen NCs.
www.hochschulstart.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du nach Studiengängen und schulischen Ausbildungen suchen. (Suchwort: Zahnmedizin)
www.kursnet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

Freier Verband Deutscher Zahnärzte e.V. (FVDZ)

Auf der Website des FVDZ findest du interessante Informationen über Förderprogramme für Studierende und Berufseinsteiger.
www.fvdz.de

Bundesverband der Zahnmedizinstudenten in Deutschland (BdZM) e.V.

Das Informationsportal vom BdZM bietet umfassende Infos zum Zahnmedizinstudium inklusive hilfreichen Tipps zum Thema Studienbewerbung und Auslandsaufenthalten.
www.zahniportal.de

Deutscher Zahnärzte Verband (DZV) e.V.

Der DZV setzt sich unter anderem für eine berufliche Zukunft von angehenden Zahnärzten ein. Ein Studentenbeauftragter, der auch über die Website kontaktiert werden kann, hilft bei Fragen zum Studium weiter.
www.dzv-netz.de

Zahnmedizinischer Austauschdienst (ZAD)

Wer über ein Auslandspraktikum (freiwillige Famulatur) während des Zahnmedizinstudiums nachdenkt, kann sich beim ZAD umfassend informieren.
www.zad-online.com

Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)

Der DAAD informiert über das Zahnmedizinstudium im Ausland und hält praktische Links bereit.
www.daad.de/ausland/studieren

abi>> 03.11.2016