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Die Chemie stimmt

Ein junger Mann hält in einem Labor ein Glas mit einer roten Flüssigkeit ins Licht.
Chemie ist Chemie, trotzdem können Studierende grenzüberschreitender Studiengänge unterschiedliche Herangehensweisen an eine Naturwissenschaft wie diese lernen und dadurch ihren Horizont erweitern.
Foto: Lohnes

Deutsch-französischer Studiengang Chemie

Die Chemie stimmt

Fritz Deufel (20) lernt im Bachelorstudiengang „Regio Chimica“ nicht nur die Naturwissenschaften, sondern auch den Studienalltag zweier Länder kennen: den französischen an der Université de Haut-Alsace in Mulhouse und den deutschen an der Universität Freiburg. Die Unis bieten diesen grenzüberschreitenden Studiengang unter dem Dach von „Eucor – The European Campus“ an.

Bereits in der Schule hatte sich Fritz Deufel für Chemie begeistert, weil dafür nicht nur interessante Theorie, sondern auch praktische Arbeit gefragt ist. Außerdem wollte er im Studium gerne sein Französisch auffrischen und hoffte, sich durch gute Fremdsprachenkenntnisse im Studium zusätzliches Wissen und neue Herangehensweisen zu erschließen.

Das Konzept des grenzüberschreitenden Studiengangs „Regio Chimica“ überzeugte ihn schließlich, da er – im Gegensatz zu einem Auslandssemester – von Beginn an in das Studiensystem der Partnerhochschule integriert sein würde: „Hier geht es nicht darum sich ein ‚leichtes Semester‘ zu machen, sondern sich im System zu beweisen und die Leistung zu bringen. Das ist der Mehrwert dieses Studiengangs.“

Sprachlich und fachlich qualifiziert

Ein Porträtbild von Fritz Deufel

Fritz Deufel

Foto: privat

Für die Bewerbung musste Fritz Deufel neben dem Abitur ein B1-Niveau in Französisch nachweisen sowie ein deutsch- und ein französischsprachiges Motivationsschreiben einreichen. Anschließend musste er sich in einem Bewerbungsgespräch beweisen, das nicht nur auf Deutsch und Französisch, sondern auch in der wichtigen Wissenschaftssprache Englisch stattfand. „Außerdem wurde die fachliche Eignung begutachtet. Und in erster Linie ging es um die Frage der Motivation. Denn wer wirklich will, kann sich auch den Fachwortschatz schnell aneignen“, erzählt er. Fritz Deufel zeigte, dass er kann und will – er ergatterte einen der 15 Plätze der deutschen Seite.

Finanziell konnte der Student im ersten Jahr nicht nur auf eine Mobilitätshilfe der deutsch-französischen Hochschule in Höhe von 270 Euro zählen, sondern erhielt auch das französische Wohngeld, wodurch er seine Ausgaben gut bestreiten konnte. In Deutschland wohnt er im Studentenwohnheim und wird von seinen Eltern unterstützt, da er nicht BAföG-berechtigt ist.

Naturwissenschaften und Kulturen

Der Fokus seines Studiums lag auf den Fachkenntnissen. „Physik, Chemie und die Laborpraktika machen etwa 80 Prozent des Studiums aus – schließlich erwerben wir am Ende einen gleichwertigen deutschen und französischen Chemie-Bachelorabschluss“, sagt Fritz Deufel.

Ergänzt wird das Studium durch interkulturelle Module, in denen es beispielsweise um kulturelle Unterschiede, die Geschichte der Schweiz oder die Entstehung und die Funktionen der EU ging. Diese und weitere Module, etwa zu Präsentationstechniken, Teammanagement oder Bewerbungsmethoden im europäischen Kontext, sollen später den Einstieg ins internationale Berufsleben erleichtern.

Projektarbeit schweißt zusammen

Das erste Jahr des Bachelors fand in Frankreich statt. Die Fachmodule wurden auf Französisch und die interkulturellen Module auf Deutsch unterrichtet. „Anfangs waren die Deutschen eher unter sich. Doch bereits in der Einführungswoche kamen wir mit den französischen Kommilitonen zusammen und es entstand unter uns 26 ein unglaublicher Zusammenhalt“, erzählt Fritz Deufel begeistert. Man spreche untereinander Deutsch und Französisch, teilweise auch eine Mischung.

Besonders hilfreich für den Austausch untereinander findet der Student Projekte wie das deutsch-französische Sprachtandem: „In diesem steht uns eine gewisse Anzahl an Wochenstunden zur Verfügung, um zu zweit zu einem selbst gewählten Schwerpunkt an unserer Sprache zu feilen. Ich habe im ersten Jahr im Unisport Karate trainiert und deshalb mit meinem Partner die Wörter für die Körperteile erarbeitet. Andere haben sich auf den Fachwortschatz, die Grammatik oder die Kultur des anderen Landes fokussiert“, erzählt Fritz Deufel.

Erst in Frankreich, dann in Deutschland

Das Hochschulsystem in Frankreich ist deutlich verschulter als in Deutschland, weiß der 20-Jährige: „Das hat mir den Übergang ins Studium erleichtert. Es gab eine Anwesenheitspflicht und wir verbrachten viel Zeit an der Universität. Zu den Vorlesungen gab es Übungsstunden. wir waren also gut betreut.“

Um ins zweite Jahr übergehen zu können, mussten die Studierenden die Prüfungen im ersten Jahr bestehen. Wem dies gelang, wechselte dann mit dem kompletten Jahrgang an die deutsche Hochschule, wo die Fachkurse auf Deutsch und die interkulturellen Module auf Französisch stattfanden. Hier wurde die Gruppe auch mit anderen Studierenden durchmischt. „In Deutschland ist das System wesentlich offener: Wir können uns die Zeit selbst einteilen und müssen uns zusätzliches Wissen durch Lehrbücher aneignen, was mehr Verantwortung mit sich bringt“, erklärt er.

Im dritten Jahr haben die Studierenden die Wahl, ob sie ihr Studium in Deutschland fortsetzen, zurück an die französische Universität gehen oder an eine praxisorientierte Ingenieursschule in Frankreich wechseln.

Gute Aussichten

Fritz Deufel möchte nach seinem Abschluss im grenzüberschreitenden Bachelor auf jeden Fall einen Master machen. Dafür zieht es ihn womöglich wieder ins Ausland: Ihn reizt der englischsprachige Chemiestudiengang der Universität Uppsala in Schweden, „weil Englisch als Wissenschaftssprache eine große Bedeutung hat und ich gerne noch einen anderen Kulturraum kennenlernen möchte“. Auch die Promotion und der Weg in die Forschung könnte sich der 20-Jährige gut vorstellen. „Aber erst mal abwarten, welche Aspekte ich im Laufe des Studiums noch kennenlerne“, fügt er an.

abi>> 16.08.2017

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