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Heuschrecken aufspüren in der Wüste Gobi

Ein Wildesel steht in der mongolischen Steppe.
Steppe und einsame Natur sind in der Mongolei, genauer in der Wüste Gobi massenhaft vorhanden. Biologiestudentin Lara-Sophie Dey nahm an drei Forschungsreisen in das zentralasiatische Land teil.
Foto: Meramo Studios

Forschungsreise in der Mongolei

Heuschrecken aufspüren in der Wüste Gobi

Dreimal durfte die Biologiestudentin Lara-Sophie Dey an Forschungsreisen der Uni Halle-Wittenberg in die Mongolei teilnehmen. Die 22-Jährige lernte dabei nicht nur mehr über ihre Forschungsobjekte – die dort heimischen Heuschrecken –, sondern auch über Gastfreundschaft in der Einsamkeit.

Hier ist ein guter Platz: Nach mehr als 100 Kilometern Fahrt durch die Weiten der mongolischen Steppe halten die Geländewagen der Forschungsgruppe auf Bitte von Lara-Sophie Dey an. Rund zehn Wissenschaftler steigen aus und gehen gemeinsam auf Heuschreckenjagd. So beschreibt die Biologiestudentin eine von vielen Szenen, die sie auf Forschungsreisen in der Mongolei erlebt hat.

Das zentralasiatische Land ist ein eher untypisches Ziel für einen Auslandsaufenthalt im Studium. „In meinem ersten Bachelorsemester an der Uni Halle-Wittenberg lernte ich Tierbestimmung bei Dr. Annegret Stubbe. Sie erzählte Anekdoten von ihren Expeditionen in die Mongolei und ich war total fasziniert. Ich informierte mich direkt über Möglichkeiten, dort im Studium hinzukommen, aber das Land ist so abgelegen – ich dachte nicht, dass das was wird“, erinnert sich die 22-Jährige.

Gute Zusammenarbeit mit mongolischen Kollegen

Porträtbild von Lara-Sophie Dey

Lara-Sophie Dey

Foto. Lucie Baltz

Doch dann, in ihrem vierten Semester, ging es ganz schnell: „Frau Dr. Stubbe fragte mich, ob ich zu einer Forschungsreise in die Wüste Gobi mitkommen möchte. Zwei Semester zuvor hatte ich bereits angefangen, in einem Praktikum mit Heuschrecken zu arbeiten. Diese Tiere sollte ich nun in freier Wildbahn untersuchen. Schon zwei Wochen später, im Juli 2015, ging es los.“ Zuvor erhielt sie eine Packliste mit Dingen wie Zelt, Luftmatratze und Reisepass sowie Tipps für Kleidung. „Ein Visum brauchte ich nicht, da ich unter vier Wochen im Land war; eine Auslandskrankenversicherung dagegen schon.“

In der Hauptstadt Ulan Bator traf die deutsche Delegation auf die Studierenden und Wissenschaftler der National University of Mongolis, die mit ihnen in der Wüste forschten. „Die Zusammenarbeit war sehr angenehm und ich konnte von den Kollegen viel über die dortige Flora und Fauna lernen. Gesprochen wurde auf Englisch oder Deutsch“, erzählt Lara-Sophie Dey. „Ich fand besonders die Beziehung zwischen Prof und Studi interessant: Dort wird der Prof behandelt wie ein Held, er wird bedient und der Studierende stellt seine eigenen Bedürfnisse hintenan.“

Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten

Insgesamt dreimal nahm die Studentin an jeweils vierwöchigen Expeditionen ihrer Hochschule in die Wüste Gobi teil. Der Ablauf war jeweils recht ähnlich: Entlang einer festen Reiseroute legte die Gruppe täglich einige hundert Kilometer zurück, fernab der Zivilisation. War das Lager aufgeschlagen, ging jeder auf die Suche nach seinem Forschungsgegenstand – ob Pflanze, Säugetier oder Insekt. Außerdem halfen sich die Kollegen gegenseitig.

„Ich beobachtete die sogenannten Oedipodinen, eine Unterfamilie der Heuschrecken, in ihrem Lebensraum: Wie verhalten sie sich? Weshalb hat eine Art lange Beine entwickelt, eine andere grüne Flügel? Ich sammelte zudem einige Exemplare, um sie später genetisch untersuchen zu können“, beschreibt die Biologiestudentin. Mit den Daten ihrer beiden Aufenthalte im Jahr 2017 verfasste sie ihre Bachelorarbeit, ordnete hierfür die Heuschrecken aus der Mongolei in den weltweiten Kontext der Arten ein.

Vor- und Nachteile abwägen

In ein solch entlegenes Land zu reisen, hat auch Nachteile: Rund 2.000 Euro für Reise und Verpflegung musste die Studentin pro vierwöchigem Aufenthalt aufbringen. „Den ersten Trip finanzierte ich durch ein Stipendium der Gesellschaft für Wild- und Jagdforschung und eigenes Erspartes, den zweiten fast komplett durch ein Promos-Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes und den dritten mithilfe einer Förderung des International Offices der Uni Halle“, zählt Lara-Sophie Dey auf.

Doch die Vorteile überwogen aus ihrer Sicht bei Weitem. Auf ihren Reisen erlebte sie zum Beispiel, wie gastfreundlich die Mongolen sind: „Eines Tages sollten die Fahrer und ich Wasser besorgen. Also fuhren wir zur nächsten Jurte und gingen einfach rein. Die Bewohner gaben uns eine Wegbeschreibung zum nächsten Brunnen und luden uns noch zum Essen ein – obwohl sie uns gar nicht kannten. Das fand ich sehr beeindruckend“, erzählt sie.

Auch fachlich profitiert die angehende Biologin: „Mittlerweile stehe ich kurz vor meinem Masterabschluss und arbeite für meine Abschlussarbeit an einer neuen Studie über Oedipodinen. Außerdem verfasse ich einen Artikel für eine Schriftenreihe für Flora und Fauna der Mongolei – natürlich über Heuschrecken.“

Forschen und Wissen vermitteln

Gerne würde Lara-Sophie Dey der Forschung treu bleiben und eine Promotion anschließen. „Anschließend kann ich mir gut vorstellen, in einem Naturkundemuseum zu arbeiten: Dort könnte ich die Forschung damit verbinden, Menschen die Biodiversität näherzubringen.“

abi>> 31.05.2018